Der Lichtenfels (Sage)

"Der Lichtenfels" ist eine Sage aus dem Fürstentum Waldeck.

Inhalt

Die Erzählung behandelt eine heidnische Kultstätte auf dem heutigen Burgberg der Burg Lichtenfels, die zur Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen zerstört worden sein soll. Die Sage wurde von Marie Schmalz aufgezeichnet und 1913 in dem Buch "Sagen aus der waldeckischen Heimat" veröffentlicht. Der Wortlaut der Sage nach Marie Schmalz lautet wie folgt: [1]

"Nach langen Kämpfen hatte Kaiser Karl die letzte Feste der Sachsen in unserer Gegend, die Burg Wittekinds bei Sachsenberg, erobert und auch in unserem Lande mit dem Schwerte das Christentum eingeführt. Aber gerade aus diesem Grunde wollten unsere Vorfahren nicht viel von der neuen Lehre wissen und hielten heimliche Zusammenkünfte, bei denen den alten Göttern geopfert wurde.
Als Zeichen einer solchen Zusammenkunft diente für alle Umwohner ein Licht auf dem Felsen bei Dalwigkstal. Wenn dies abends brannte, dann fand in der folgenden Nacht oben auf der Höhe ein heidnischer Gottesdienst statt. Hier fühlte man sich sicher, da von dort die ganze Gegend zu überschauen war. Einst hatten die Franken von einer geplanten Zusammenkunft Kunde erhalten. Von Sachsenberg her kamen sie heran. Der Fels wurde umzingelt, die Überraschten hinunter zur Orke getrieben und getauft. Die Priesterin stießen sie zur Strafe in den Fluß und hielten sie so lange unter Wasser, bis sie tot war.
Am nächsten Abend blinkte wieder ein Licht von dem Felsen. Als ein Trupp Krieger den Fels erstieg, sahen sie, wie eine Lichtgestalt am zerstörten Altar kniete und dann plötzlich, wie von einer Wolke emporgehoben, ihren Blicken entschwand. Es war die getötete Priesterin. Ein Grausen überfiel alle, und sie gelobten, an der Stelle, wo sie die wundersame Erscheinung geschaut, eine Kapelle zu bauen.
Die Kapelle wurde gebaut, und später entstand zu ihrem Schutz das noch heute stehende Schloß. Es hat viele geistliche und weltliche Herren gehabt, aber immer und unter jedem Herrn hieß es Lichtenfels."

Hintergrund

Die Christianierung der sächsischen Stämme verlief schleppend und mußte nicht selten, wie in der Sage vom Lichtenfels skizziert, mit Gewalt durchgesetzt werden. Um 782 sah sich Karl der Große veranlaßt, ein äußerst strenges Gesetz betreffend die Christianierung der Sachsen, die "Capitulatio de partibus Saxoniae", zu erlassen, in der u.a. die Ausübung heidnischer Bräuche oder der Versuch, sich der Taufe zu entziehen, mit der Todesstrafe bedroht wurde. Gleichwohl wurden aus dem heutigen Nordhessen noch weit bis in die Neuzeit hinein Berichte über heidnische Handlungen bekannt. Der Sage zufolge befand sich auf dem heutigen Burgberg der Burg Lichtenfels eine solche sächsische Kultstätte. Billigt man der Sage einen wahren historischen Kern zu, könnte es sich möglicherweise um den Standort einer Irminsul oder einer Donareiche gehandelt haben. Die Erzählung nimmt außerdem Bezug auf eine weitere Lokalsage, wonach die heutige Stadt Sachsenberg Standort einer ehemaligen sächsischen Volksburg gewesen sei. Urkundliche oder archäologische Belege für den Kern dieser Sagen gibt es jedoch nicht.

Eine ganz ähnliche Sage berichtet, daß Karl der Große unweit des Lichtenfelses einen heiligen Hain der Sachsen erstürmt, einen dem Gott Wotan geweihten Altar zerstört und an dieser Stelle eine Kirche habe errichten lassen, die sogenannte Fürstenkirche, die noch bis in das 14. Jahrhundert hinein zwischen Fürstenberg und Buchenberg gestanden habe. Weihnachten 772 habe Karl selbst an einer Feier in dieser neuerrichteten Kirche teilgenommen.

Anmerkungen

[1] Marie SCHMALZ, Sagen aus der waldeckischen Heimat, gesammelt und erzählt von Marie Schmalz zu Corbach, durchgesehen und mit einem Geleitwort verstehen von Alexander Copper zu Corbach, Korbach 1913, S. 99-102.