Familie Korthaus Warburg/Korbach

Die Familie Korthaus war ein aus Warburg stammendes Patriziergeschlecht, das sich von dort nach Volkmarsen, Marsberg und Korbach verbreitete.

Geschichte und Familienmitglieder

Der Name ist auch in den Varianten Corthaus, Corthauer, Cortheuer, Cortheus[s], Corthoys, u.ä., überliefert. [1] Die Familie gehörte im 14. Jahrhundert in Warburg zum Patriziat und zu den Ratsfamilien. In der Warburger Feldflur waren sie mit mehreren Hufen Land belehnt. Die Korthaus Hufen werden noch um 1800 im Warburger Lehensverzeichnis genannt. Im Jahr 1534 verkaufte der Graf von Waldeck den Erlehof an Bürgermeister Conrad Korthaus und verpfändete diesem 1535 seinen Zoll und Renten in Mühlhausen, wo die Familie Korthaus bereits einen Hof besaß. [2]

Schon 1414 war die Familie in Korbach ansässig. In diesem Jahr war Hans Cortheuer Ratsmann. [3]

Am 5. März 1438 stellen ein Johannes Cortheus, Bürger zu Korbach, und seine Frau Adelborch eine Obligation aus. [4]

Conrad Cortheuer ( 1546) war 1493 Student in Erfurt, 1510 Stadtschreiber in Korbach, 1512 Ratsmitglied und von 1522 bis 1543 sechsmal regierender Bürgermeister. [5] Sein Geburtsjahr ist umstritten. Zum Teil wird 1483 angegeben, [6] zum Teil 1493, [7] was jedoch nicht mit seinem Studienaufenthalt in Erfurt 1493 korrespondiert. Nach anderen, nicht näher genannten Quellen, sei er "vor 1479" oder "um 1477" geboren. Diese Angaben sind offenbar auf das Jahr 1493 abgestimmt. Am 4. November 1509 besuchte ein Konrad Korthauer den Grafen Wilhelm von Waldeck, Sohn Heinrichs VIII. von Waldeck, in Köln, wo Wilhelm in den Jahren 1509/10 studierte. [8] LEISS (wie Anm. 8) nennt ihn "Bürgermeister". Conrad Cortheuer wird jedoch erstmals im Jahr 1522 als Bürgermeister genannt und war 1509 erst 26 Jahre alt; andererseits ist nicht überliefert, wer in den Jahren 1509 und 1510 in Korbach das Amt des Bürgermeisters bekleidete. [9] Vielleicht war er auch nicht Ober-, sondern lediglich Unterbürgermeister. In einer Urkunde vom 2. November 1544 wird er als Bergrat des Goldwerks zum Eisenberg erwähnt. Mit der Urkunde wird ihm von Wolrabe, Graf zu Waldeck, der Bau einer Mahlmühle und eines Teiches unter dem Hollenstein bei Berndorf genehmigt. [10]

Das Korbacher Stammhaus der Familie Korthaus war wahrscheinlich das Steinhaus Kirchplatz 2. Denn nach einem Vertrag vom 26. April 1572 haben Chunrad Kortheuss [Sohn von Conrad Cortheuer], Bürger zu Corbach, und Elisabeth, seine eheliche Hausfrau, dem Stephan Schotten, zur Zeit Amtmann des Eisenberges, und Margarethen, seiner ehelichen Hausfrau, seinem Schwager und seiner Schwester, die neugebaute Behausung auf der Alten Stadt (heute Kriegerdenkmal), zwischen Johann Karlov und der Kortheuschen Behausung am Kirchhof und nach Jacob Schumachers Haus zu an der Gassen für 250 Taler verkauft. [11] Zudem wird anläßlich des Brandes des Turms der Kilianskirche im Jahr 1581 berichtet, daß "Chunradten Kortheußen scheune vom fewr angangen" sei. [12] Mit seiner Frau Adelheid Loessken, Tochter des waldeckischen Kanzlers Volmar Loessken und der Cunne Gissel, hatte Conrad Cortheuer sieben Kinder: [13]

1. Johannes Korthaus (* um 1518; nach 1553), Bürger und Ratmann in Korbach. Er heiratete um 1543 Anna Bark(en), vermutlich Schwester oder Tante des Jakob Bark (Nr. 4). Das Paar hatte wenigstens sieben Kinder: [14]

a) Margarethe Korthaus ( 23.11.1579; begr. 30.11.1579), heiratete 1569 auf Schloß Eisenberg Stefan Schotte [15] und lebte mit diesem auf der Stechbahn (Kriegerdenkmal).

b) Gertrud Korthaus (begr. 14.07.1628 in Rhoden), heiratete um 1589 Conrad Engelhardt (* in Frankfurt/Main; vor 1619) und wohnte mit diesem im Haus Katthagen 13.

c) Conrad II. Korthaus (* um 1550; 1611), heiratete eine Elisabeth (Nachname unbekannt) und in einer zweiten Ehe eine Adelheid (Nachname unbekannt). Sie hatte mit einem Junker von Rhena eine Liebschaft und ertränkte sich 1601 in Steffan Schumachers Brunnen (vielleicht Stechbahn 32) [16] , wie der Korbacher Kastenschreiber Rüselius am 27. September 1601 berichtet. Beide Ehen blieben kinderlos.

d) Johannes, vermutlich früh gestorben.

e) Andreas Korthaus, wird 1565 Bürger zu Korbach.

f) Ottilia Korthaus I. um 1570 Jeremias Kraft, II. um 1580 Philipp Flörcken, Sohn des Johann Flörcken aus Hersfeld, der 1543 als "Schulgeselle" zu Korbach genannt wird.

g) Vielleicht noch eine weitere Tochter, die den aus Korbach stammenden Kaspar von der Embde, genannt Schreiber, geheiratet hat.

2. Franz (?) Korthaus (* um 1520; vor 1553), 1537 Student in Leipzig.

3. Anna Korthaus (* um 1520; begr. 01.12.1562), sie heiratete um 1540 Michael Vöpel und wohnte mit ihm in der Tränkestraße 14 in Korbach.

4. Adelberg Korthaus (* um 1525) heiratete um 1545 Jakob Bark, Bürgermeister in Volkmarsen, vermutlich Bruder oder Neffe von Anna Bark (Nr. 1).

5. Gertrud Korthaus (* um 1530) I. um 1550 Godert Rösing (Reusinck) in Korbach, II. Gottfried von Listingen, Bürger in Korbach.

6. Elisabeth Korthaus (* um 1535; 1605/10); 10.06.1554 Adrian von Zerten (* um 1525 in Rinteln; 04.12.1571 in Waldeck), seit 1551 Amtmann ebenda; II. um 1572/73 Jost Neurath (* um 1543 in Niedermarsberg; 30.07.1603 in Waldeck), Amtmann ebenda

7. Appolonia Korthaus (* um 1540; 1597) Dittmar Leusmann, Sohn des Tile Leusmann.

Die Geschwister schließen, mit Ausnahme von Franz - am 13. Dezember 1553 einen Erbvertrag über die Holsteinische Mühle in Berndorf. Das Datum der Urkunde steht allerdings im Widerspruch zu einigen o.g. Heiratsdaten, denn Elisabeth und Appolonia werden bereits mit ihren Ehemännern Jost Neurat und Ditmar Leusmann genannt. [17]

Die Familie starb im Mannesstamm in Korbach mit Conrad Korthaus' Enkeln aus.

Anmerkungen

[1] Helmut NICOLAI/Wilhelm HELLWIG/Ingeborg MOLDENHAUER (Bearb.), Waldeckische Wappen - Beiträge zur Familiengeschichte, Teil 2 - Bürgerwappen, Arolsen 1987, S. 241 (Korthaus); Friedrich Josef HEIDENREICH, Die Familie Leusmann und ihr Verwandtenkreis, in: Hessische Familienkunde, Band 17, Heft 7, 1985, Sp. 333-352 [343].
[2] HEIDENREICH (wie Anm. 1).
[3] Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtsekretäre in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1953, S. 6.
[4] Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 4, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1998, S. 158, Nr. 463.
[5] STEINMETZ (wie Anm. 3).
[6] STEINMETZ (wie Anm. 3); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1).
[7] Hermann STEINMETZ, Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, Band 56 (1964), S. 44, Nr. 134.
[8] Albert LEISS, Junggraf Wilhelm von Waldeck als Student zu Cöln, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, 22. Band (1925), S. 59-62 [62].
[9] Vgl. Wolfgang MEDDING, Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, Korbach 1980, S. 411.
[10] Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 2, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2002, S. 106, Nr. 742.
[11] Hans PEPER (Bearb.), Urkunden der Familie v. Hanxleden 1432-1804, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1955, S. 6, Nr. 18.
[12] Korbacher Stadtbuch, S. 185, zitiert nach Paul JÜRGES/Albert LEISS/Wilhelm DERSCH (Bearb.), Waldecker Chroniken, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, Band VII 2, Marburg 1914, Konrad Kluppels Chronik und Briefbuch, Anhang.
[13] HEIDENREICH (wie Anm. 1); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1); STEINMETZ (wie Anm. 7).
[14] STEINMETZ (wie Anm. 7), S. 46-46, Nr. 134.
[15] Vgl. Hermann STEINMETZ, Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, Band 44 (1952), S. 34-35.
[16] STEINMETZ (wie Anm. 15) gab zunächst an, Anna Barken habe sich im Brunnen des Steffan Schumacher ertränkt. Ders., Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, Band 46 (1954), S. 43, korrigierte sich jedoch später dahingehend, Anna Barkens Schwiegertochter Adelheid N.N. sei die Selbstmöderin gewesen.
[17] PEPER (wie Anm. 11), S. 4, Nr. 12.