Werner I. von Bischofshausen

Werner I. von Bischofshausen (* vor 1160; † unbekannt) war ein Edelfreier, der in der Umgebung des nordhessischen Kellerwaldes ansässig war.

Leben

Im Jahre 1160 trat Adalbero, Ministeriale des Klosters Hersfeld, als Mönch in dieses Kloster ein und schenkte ihm dabei eine Anzahl Güter. In der Reihe der weltlichen Zeugen der von Abt Willibold über diesen Vorgang ausgestellten Urkunde wird "Wernher de Biscopheshusun" ohne nähere Bezeichnung des Standes genannt. [1] Diese Hersfelder Urkunde ist die erste Erwähnung eines Angehörigen der Familie von Bischofshausen. Werners Vorfahren sind unbekannt. [2] Vermutungen, Werner könnte aus dem Geschlecht der hessischen Gaugrafen von Maden stammen [3], sind nicht tragfähig. [4]

Die Familie trägt ihren Namen vermutlich nach der Burg Bischofshausen in Bischhausen. [5] Diese heute nicht mehr existente Wasserburg wird an der Stelle der heutigen Kirche von Bischhausen vermutet. [6] Felix von und zu Gilsa führt hierzu aus: [7]

"Nach den bekannten Schenkungen der Herren v. Bischoffshausen-Löwenstein eines grossen Theiles ihres Grundbesitzes zu Bischhausen an das Kloster Haina, [8] kann es nicht befremden, dass die in späterer Zeit daselbst erbaute Kirche auf deren ursprünglichem Eigenthum steht. Nach Sachlage ist anzunehmen, dass der Wohnsitz Werners v. B. in einer Thalburg bestanden hat. Wirklich finden sich von einer solchen Anlage noch Spuren: Die jetzige Kirche steht nebst der Schule auf einer ansehnlichen Erhöhung des Bodens, welche sich bis auf vier Meter beläuft und den ehemaligen Kirchhof mit einschliesst. In einem Garten des Landwirts Stecher, am Südende des Dorfes, sieht man noch eine deutliche Spur des früheren Wallgrabens, der von der Schwalm aus gefüllt wurde. Der an die Kirche stossende Kirchhof ist im späteren Mittelalter zur Verteidigung eingerichtet gewesen, wovon noch ansehnliche Mauerreste vorhanden, welche anscheinend mit Benutzung älterer aufgeführt sind. Nach Mittheilung des Pfarrers Scheuermann besteht ein jetzt als Garten benutzter Theil des alten Kirchhofes schon in geringer Tiefe aus grossen Steinplatten und Steinen. Besonders ins Auge fällt die Bodenerhebung der ganzen Umgebung der Kirche bei der sonst durchaus ebnen Lage des Dorfes. Auffallend ist es allerdings, dass in erwähnten Schenkungsurkunden an die Kirche keiner Kemnade oder Behausung gedacht wird, doch ist deren Vorhandensein mit aller Sicherheit anzunehmen. Der Boden der romantisch gelegenen Kirche enthält viele alte Grabsteine der benachbarten alten Geschlechter aus dem 15. und 16. Jahrhundert; der Chor derselben nebst mit Schiessscharte versehenem Treppenthurm rührt aus dem Mittelalter her. Bei der Lokalbesichtigung fand sich in der Hofmauer des Bauerngutsbesitzers Gröschner eine dort eingemauerte alte Sandsteinplatte „Engelsgestalt mit Flügeln“, welche sauber ausgeführte Arbeit nicht ohne Interesse ist. Nach dem „Rodenberg“ zu soll in der Gemarkung Bischhausen sich früher eine Kapelle befunden haben, wovon aber keine Spur mehr vorhanden ist. Den Namen Bischhausen resp. Bischoffshausen hat eine Lokalsage mit dem heiligen Winfried und seiner ersten Taufhandlung im Löwensteiner Grund in sinngemässe Verbindung gebracht."

Noch 1859 wurden Steine der Burganlage für den Neubau der Schwalmbrücke verwendet. [9] Spekulationen, diese Burg sei schon in der 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts vorhanden gewesen, [10] sind fern eines Beweises. [11]

Werner war verheiratet und hatte einen Nachkommen, Werner II. von Bischofshausen, der zwischen 1221 und 1262 bezeugt ist. Demnach dürfte Werner I., falls Werner II. als sein Sohn angesehen werden kann, um 1200 noch gelebt haben. Aufgrund der dazwischenliegenden langen Zeitspanne könnte es sich jedoch auch um einen Enkel Werners I. handeln. [12]

Jedenfalls wird ein Werner von Bischofshausen nach der ersten Nennung im Jahre 1160 erst 33 Jahre später, 1193, wieder bezeugt. Diesmal nimmt Bischofshausen - es ist nicht geklärt ob es derselbe wie 1160 ist - selbst ein Rechtsgeschäft vor, indem er gemeinsam mit seiner Gemahlin dem Kloster Hardehausen Allod (Erb- und Eigengut) in Wickersdorf und Michelbach mit dem Zehnten zum Preis von 50 Mark verkauft. Der Zehnte dieser Güter ist Lehen des Stiftes Fritzlar. Als Ersatz für diesen Zehnten nimmt Werner von dem Stift Allod in Operterode zu Lehen. [13] In der vom Erzbischof Konrad I. von Mainz ausgestellten Urkunde wird Werner (Warnerus de Bischovishusen) als "homo libere conditiones" (Edelfreier) bezeichnet. Er gehörte also zum gehobenen Stand der freien Adligen, die keinem Dienstherrn verpflichtet, gleichwohl in das Gefüge der Lehenshierarchie eingegliedert waren. [14]

1196 wird Werner als Zeuge in einer Urkunde genannt, mit der Erzbischof Konrad I. von Mainz bekundet, daß Ditmar, Pastor der Kirche zu Geismar (Geismaria), den seiner Kirche zustehenden Zehnten in Oberschweinfe (Svinephe superiori) mit Zustimmung seiner Patrone, des Grafen Arnold von Schaumburg (Schowenburg) und Heinrichs von Keseberg (Cheseberg), gegen einen jährlich zu Martini zahlbaren Zins von 5 Schilling dem Kloster Aulesburg (Owelsburg) zu ewigem Besitz übertragen hat. [15]

In einer undatierten Urkunde, die während der Teilnahme des Erzbischofs Konrad I. am Kreuzzug von dessen Vertretern ausgestellt wurde und daher in die Jahre 1197-1200 zu setzen ist, wird berichtet, daß Werner auf Befehl des Erzbischofs einen Streit zwischen dem Abt von Kloster Aulesburg und den Einwohnern des Dorfes Elberode über gewisse Waldungen entscheiden sollte. [16]

Als ein weiterer Nachkomme Werners I. und Bruder Werners II. von Bischofshausen wird ein Konrad von Bischofshausen vermutet, der in einer Urkunde vom 24. August 1255 als Zeuge genannt und einer weiteren Urkunde vom 23. Juni 1256 als Mönch im Kloster Hasungen erwähnt wird. [17] Möglicherweise hat jener Konrad, wie es bei Geistlichen üblich war, sich aber auch nur nach seinem Herkunftsort benannt und nichts mit Werner I. zu tun. [18]

Literatur

Friedrich SCHUNDER, Die von Loewenstein, Geschichte einer hessischen Familie, Band 1, Lübeck 1955, S. 13-32; Band 2, Regesten und Urkunden 1160-1539, Nr. 1 (S. 11) bis Nr. 3 (S. 12).
Johann Georg LANDAU, Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer, Erster Band, Cassel 1832, S. 131-171 [135-137] ( Digitale Ausgabe).

Anmerkungen

[1] SCHUNDER, Band 1, S. 13; Band 2, Nr. 1 (S. 11). Die Urkunde wird im Staatsarchiv Marburg aufbewahrt und ist abgedruckt bei Helfrich Bernhard WENCK, Hessische Landesgeschichte, Band 3, Frankfurt und Leipzig 1803, Urkundenbuch Nr. 75, S. 74 ( Digitale Ausgabe).
[2] SCHUNDER, Band 1, S. 13, 17.
[3] So Otto LOEWENSTEIN in: Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, 1881, Band 3-4, S. XXVII.
[4] SCHUNDER, Band 1, S. 16-17.
[5] SCHUNDER, Band 1, S. 17.
[6] Rudolf KNAPPE, Mittelalterliche Burgen in Hessen, 3. Auflage, Gudensberg-Gleichen 2000, S. 87-88.
[7] Felix von und zu GILSA, Spuren der Thalburg Werner von Bischoffshausens zu Bischhausen an der Schwalm?, in: Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (MHG) 1899, S. 85-87.
[8] Am 6. August 1262 übereignen Werner II. von Bischofshausen und seine Frau Gertrud von Itter zu ihrem Seelenheil dem Kloster Haina und den dortigen Mönchen ihre Güter in Bischhausen zwischem dem Friedhof und der Mühle mit allem Zubehör. SCHUNDER, Band 2, Regest Nr. 34 (S. 28).
[9] KNAPPE (wie Anm. 6).
[10] So Sigismund Freiherr von BISCHOFFSHAUSEN, Bischofshausen - Die Geschichte eines Orts- und Geschlechternamens, in: Zeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde (ZHG), Band 58 (Neue Folgen 48), 1932, S. 145-210 [150, 152].
[11] SCHUNDER, Band 1, S. 17.
[12] SCHUNDER, Band 1, S. 14, unterstellt, daß der zwischen 1221 und 1262 genannte Werner von Bischofshausen der Sohn Werners I. war, obschon er zuvor offen lassen mußte, ob es sich bei dem in einer Urkunde von 1193 genannten Werner von Bischofshausen um denselben wie 1160 handelt (S. 13).
[13] SCHUNDER, Band 1, S. 13; Band 2, Nr. 2, S. 11 (Regest) mit weiteren Nachweisen. Eine Abschrift der Urkunde wird aufbewahrt in Paderborn, Bibliothek des Gymnasium Theodorianum, Liber variorum VII (Urkundenabschriften und Aufzeichnungen über die letzten Äbte), 47 ff. Druck: Johannes LINNEBORN, Inventare der nichtstaatlichen Archive des Kreises Paderborn, Band 3, Heft 2, Münster i. W.: Aschendorff, 1923, S. 148-149 ( Digitale Ausgabe).
[14] SCHUNDER, Band 1, S. 13.
[15] Regest und Scan der Originalurkunde im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS); Druck: Helfrich Bernhard WENCK, Hessische Landesgeschichte, Band 2, Frankfurt und Leipzig 1789, Urkundenbuch Nr. 91, S. 128-129 (Digitale Ausgabe); Otto POSSE, Codex diplomaticus Saxoniae, Erster Hauptteil, 3. Band, Urkunden der Markgrafen von Meissen und Landgrafen von Thüringen 1196-1234, Leipzig 1898, Nr. 11, S. 11-12 ( Digitale Ausgabe); Eckhart G. FRANZ, Kloster Haina, Regesten und Urkunden, Erster Band, Veröffentlichungen der historischen Kommission für Hessen und Waldeck, Marburg 1962, Nr. 3 (Seite 5).
[16] SCHUNDER, Band 1, S. 13-14; Band 2, Regest Nr. 3 (S. 11-12). Das Original befindet sich im Staatsarchiv Marburg, Depos. Kloster Haina.
[17] SCHUNDER, Band 2, Anmerkung 1) zu Regest Nr. 20 (Seite 22); ders. Stammtafel I.
[18] LANDAU, S. 168 (Anm. 18).