Friedrich Löwenstein

Friedrich Löwenstein um 1910

Friedrich Löwenstein um 1910. Privatarchiv.

Friedrich Carl Christian Ludwig Löwenstein [1] (* 31. Oktober 1877 in Korbach; 19. Februar 1930 ebenda) war ein Schneidermeister und Kaufmann in Korbach.

Leben

Löwenstein war das ältere von zwei Kindern des Schneidermeisters Friedrich Löwenstein aus Korbach und seiner Frau Marie Tempeler (Scan der Geburtsurkunde). Friedrich war der erste des Familienzweigs Löwenstein, der in Korbach geboren wurde. Er wuchs mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Anna sowie mit seinen Halbgeschwistern Emma und Wilhelm auf. Seine Mutter starb als er 6 Jahre alt war. Vater Friedrich August heiratete im Jahr 1884 seine zweite Frau Wilhelmine Gombsen, mit der er zwei weitere Kinder hatte. Seit 1889 lebte die Familie in dem durch Vater Friedrich August Löwenstein neuerrichteten Haus in der Klosterstraße 16, das an die Stelle eines abgebrochenen Gebäudes gesetzt worden war. Wo die Familie zuvor gewohnt hat, ist nicht feststellbar. Wie sein Vater ergriff Friedrich den Beruf des Schneiders.

Am 22. Oktober 1910 heiratete er die drei Jahre jüngere Ida Lückel, die jüngste der neun Töchter des Kürschners und Kappenmachers Friedrich Lückel, der auf der unweit gelegenen Stechbahn im Haus Nr. 12 ein Geschäft betrieb, das Friedrich Löwenstein im gleichen Jahr übernahm. Mit Ida hatte Friedrich zwei Kinder:

Friedrich Löwenstein (1911-1945) Nelly Jung (1911-2003): ein Sohn (* 1944)
Ilse Emma Auguste Kaiser, geborene Löwenstein (1913-1988) Walter Kaiser (1909-1948): drei Töchter (* 1941, 1944, 1947)

Einige Wochen vor Ilses Geburt, am 8. Januar 1913, war der Eigentümer des Nachbarhauses Stechbahn 10, der jüdische Kaufmann Jacob Markhoff, verstorben. Friedrich nutzte die Gelegenheit und erwarb die Immobilie von dessen Witwe Johanna Markhoff. Der Kaufpreis betrug 26.500 Mark. Davon war ausweislich des vor dem Notar Gideon Klingelhöfer zu Frankenberg geschlossenen Vertrages vom 23. Mai 1913 ein Teilbetrag in Höhe von 10.000,- Mark bei Auflassung in bar fällig. Der Rest des Kaufpreis wurde zu einem Zinssatz von 4,5% gestundet. [2]

Mit diesem Kauf hatte sich Friedrich finanziell offenbar finanziell übernommen. In einem Schreiben vom 31. März 1914 beschwerte er sich gegenüber dem Finanzamt über eine Steuerfestsetzung und gab an, sein jährliches Einkommen betrage lediglich 2.000,- Mark. Dem gegenüber stünden Schulden in Höhe von 32.800,- Mark, Zinsverbindlichkeiten in Höhe von 1.708,75 Mark, Mietzahlungen in Höhe von jährlich 1.300,- Mark sowie Beiträge zur Lebens- und Haftpflichtversicherung in Höhe von 57 Mark bzw. 6,30 Mark. In einem später verfaßten Zusatz zu diesem Schreiben bringt Friedrich vor, er sei seit dem 17. August 1914 zum Militär einberufen und könne daher sein Schneidergeschäft nicht fortführen. Sein Hut- und Mützengeschäft erwirtschafte kaum 20 Mark, so daß seiner Frau sowie seinen 4 ¼ und 2 ¾ Jahre alten Kinder außer der staatlichen Unterstützung nichts zur Verfügung stehe. Daher bitte er um Befreiung von der Gewerbesteuer.

Im ersten Weltkrieg war er als Unteroffizier im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 94 eingesetzt, das an der Westfront operierte. Im Mai 1916 wurde er leicht verwundet. [3]

Nach dem überstandenen Kriegseinsatz ging es auch finanziell wieder aufwärts, nachdem er die Häuser Stechbahn 10 und 12 in der Hand der Familie hatte vereinigen und sein Ladengeschäft vergrößern können. Spätestens aufgrund der Hyperinflation des Jahres 1923 dürften sich seine Schulden erledigt haben. Schon am 25. September 1925 erwarb er für 400,- Mark ein weiteres Grundstück an der Nordenbecker Straße.

Friedrich Löwenstein verstarb am 19. Februar 1930, nachmittags um fünf Uhr, im Alter von 52 Jahren. Seinen Tod zeigte sein Schwager Reinhard Limperg (Stechbahn 30), der mit Friedrichs Schwester Anna verheiratet war, den Behörden einen Tag später an.

Verwandtschaft


Ahnentafel Friedrich Löwenstein (1877-1930)

Ururgroßeltern

Johann Jeremias Löwenstein (1725-1786)
?
Rosina Maria Göben
(?-1811)

Johann Henrich Hesselbein (1736-1804)
1764
Johanna Magdalena Schäfer
(1746-1821)

Johann Bernhard Knippschild (1748-1816)
1774
Katherine Elisabeth Friedewald (1749-1808)

Christoph Meinhard (1750-1813)
1781
Johanne Margarethe Tielemann (1756-1820)


            ?            
                      
            ?            


Hermann Meyer (1740-1804)
?
Elisabeth Figge (1744-1779)


?

?


Johann Ditmar Schumacher
(1750-1817)

Maria Elisabeth Emde
(1752-1823)

Urgroßeltern

Johann Valentin Löwenstein (1766-1842)
1814
Marie Christiane Hesselbein (1783-1862)

Johannes Knippschild (1781-1849)
1818
Anna Luise Meinhard (1798-1876)


Johann Hermann Tempeler (um 1767-1855)
1803
Eva Katharina Meyer (1776-1816)

Johannes Brühmann (1775-?)
1806
Johanne Katharina Franziska Schumacher (1789-1857)

Großeltern

Carl Christian Löwenstein (1817-1856)
1847
Katherine Friederike Knippschild (1824-1903)

Heinrich Carl Christian Leonard Tempeler (1810-1882)
1839
Johanne Catharine Elisabeth Brühmann (1813-1889)

Eltern

Friedrich August Löwenstein (1849-1921)
1877
Marie Tempeler (1849-1883)

Friedrich Löwenstein (1877-1930)

Kinder

Friedrich Löwenstein (1911-1945)
Ilse Emma Auguste Kaiser, geborene Löwenstein (1913-1988)

Fotogalerie


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Anmerkungen

[1] Taufeintrag im Kirchenbuch der St. Kilianskirche vom 2. Dezember 1877.
[2] Scan der Kaufvertragsurkunde vom 23. Mai 1913.
[3] Deutsche Verlustlisten (Preußen Nr. 521), Blatt 12316, 4. Mai 1916, rechte Spalte, 2. Kompagnie, 2. von oben. Digitale Ausgabe.