Grabenstraße 4 (Korbach)

Das Haus Nr. 4 in der Grabenstraße ist ein in ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach [1] Die bis Sommer 2016 an der Giebelfront zu lesende Jahreszahl 1675 dürfte unrichtig gewesen sein und bezog sich auf den ersten bekannten Eigentümer des Grundstücks. Die Datierung in das 18. Jahrhundert ergibt sich aus den quaderförmig gestalteten Eckbalken. Im Sommer 2016 wurde die Fassade neu gestrichen. Hierbei wurde die - wahrscheinlich unrichtige (s.u., Erscheinungsbild) - giebelseitige Hausanschrift übermalt. Die Gefache wurden in einem kräftigen Gelb gestaltet, das Fachwerk dunkelbraun gestrichen. Die zuvor gelb/braune Strukturierung der Eckpfosten wurde nunmehr einheitlich braun gehalten.

Geschichte

1. 1675 Justus Emmerich

2. 1702 Johann Jacob Gottmann

3a. 1726 bis 1743 zur Hälfte: Jost Caspar Gerbracht

3b. 1737 zur Hälfte, 1743 ganz: Johann Bernt Schäfer

4. 1760 bis 1770 Johann Henrich Em(b)de

5. 1789 erwarb der Lichterzieher (Lichtfabrikant) und Stärkemacher Johann Gerhard Hofmann (* um 1745; 21.10.1792, 47 Jahre) das Haus. Im Kirchenbuch der Neustadt heißt es über ihn, er sei ein fleißiger und christlicher Bürger gewesen. Seine Frau war Maria Catharina Blume (~ 02.07.1753; 12.11.1809), Tochter des Anton Blume (Entengasse 12) und der Marie Elisabeth Kannengießer. Sie heiratete in zweiter Ehe am 17. Januar 1794 Justus Friedrich Schalk. Das Ehepaar Hofmann/Blume hatte mindestes drei Kinder:

a) Wilhelmine Hofmann (1774-1850), Entengasse 12
b) Henrich Wilhelm Hofmann (1777-1838), Nr. 6.
c) He(i)nrich August Hofmann (1783-1831), Lengefelder Straße 10 I. Maria Wilhelmine Henriette Tent, II. Maria Friederike Christiane Ziesenheim (Lengefelder Straße 9)

Hofmann war seit 1777 auch Eigentümer des schwiegerelterlichen Hauses Entengasse 12.

6. Im Jahr 1799 wurde der Bäckermeister Henrich Wilhelm Hofmann (~ 25.06.1777; 29.05.1838), Bürger 1799, neuer Eigentümer, Sohn von Nr. 5. Er vermählte sich am 20. April 1806 mit Christiane Elisabeth Dietzel (* 26.03.1787 in Berich; 04.04.1844), Tochter des Erbmeiers zu Berich Georg Friedrich Dietzel. Hofmann war Dechant der Bäckergilde in den Jahren 1801 und 1807 sowie Schützenkönig 1811. Die Eheleute Hofmann/Dietzel hatten mindestens drei Kinder:

a) Marie Friedrike Wilhelmine Hofmann (* 01.07.1807; ~ 12.07.1807; 17.07.1861 in Breitenbach; begr. 21.07.1861 in Breitenbach). Sie wurde am 15. November 1846 die vierte Ehefrau des Lehrers Johann Henrich Mösta (* 10.08.1804 in Ehlen; 18.07.1855 in Breitenbach). [2]
b) Wilhelmine Henriette Christine Hofmann (* 14.11.1811; 07.03.1846 in Breitenbach [Kindbett]; begr. 11.03.1846 in Breitenbach). Sie war die dritte Ehefrau des Lehrers Johann Henrich Mösta (s.o.) und Schwester von Nr. 6 a). [3]
c) Georg Friedrich Christian Hofmann (* 28.06.1818; 14.06.1848), Entengasse 12.

7. 1810 Johann Friedrich Christian Goette

8. 1836 Johannes Wilhelm Benn

9. 1862 Heinrich Christian Vallbracht

10. 1891 Heinrich Carl August Schmale

11. 1894 Ernst Wilhelm Ludwig Schmale

12. 1949 Dorothe Erna Wilhelmine Vasel

Erscheinungsbild

Bei THOMAS (wie Anm. 1), S. 43, wird auf die Baubeschreibung bei MEDDING, "Baudenkmäler", S. 136/137, verwiesen. [4] Bei diesem Verweis handelte es sich jedoch um einen Irrtum. Zum einen paßt die Beschreibung nicht auf das Haus Grabenstraße 4 (Fachwerk auf Bruchsteinstockel, Obergeschoß an Giebelfront vorgekragt, Quergebälksprofil Viertelrundstab, 5 x 15 Gefache, Scheunentor an Traufseite), zum anderen bezieht sich die Beschreibung bei MEDDING ausdrücklich auf das Haus "Entengasse 8". Die Nr. 8 ist jedoch heute keinem Haus in der Entengasse zugeordnet. Es ist derzeit nicht ersichtlich, auf welches Haus sich die Baubschreibung bei MEDDING bezog. Möglicherweise hat im Zeitraum zwischen den Publikationen von MEDDNG (1939) und THOMAS (1960) eine Veränderung im Baubestand stattgefunden. Vermutlich infolge dieses unrichtigen Verweises wurde im 20. Jahrhundert an der Giebelseite die bei THOMAS falsch zitierte Hausinschrift aufgemalt "ALLE DIE VORÜBER GEHEN DEHNNEN GEBE GOTT WAS SIE MIR GÖNNEN DIE MIR AUCH NICHTS GEBEN MÜSSEN DOCH SEHEN DAS ICH LEBE 1675". Diese wurde 2016 wieder überstrichen.

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 7, Dalwigker Straße - Am Butterturm - Grabenstraße - Entengasse - Tränkestraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1960, S. 43-46. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Wilfried ALBRECHT (Bearb.), Breitenbach, Gemeinde Schauenburg/Landkreis Kassel, 1650-1910, Von L-Z, Ein Einwohner- und Familienbuch, Norderstedt 2017, S. 679-680 [680], Nr. 1524.
[3] Vgl. ALBRECHT (wie Anm. 2). Bei ihr sind zwar die Eltern nicht angegeben. Ihre Vornamen, ihre Herkunft aus Korbach sowie der Umstand, dass eine Maria Christine Friederike Henriette Hofmann aus Korbach Patin ihres vierten Kindes war, sprechen dafür, dass sie die jüngere Schwester von Nr. 6 a) war.
[4] Wolfgang MEDDING (Bearb.) in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 136-137.