Entengasse 12 (Korbach)

Das Haus Entengasse 12 (Bildmitte, rosa Fassade) und die Hausstätte Nr. 14 (Parkplatz) im Dezember 2016. Anklicken für größere Version.

Das Haus Nr. 12 in der Entengasse ist ein Wohngebäude unbekannten Baujahres in der Altstadt von Korbach [1]

Geschichte

THOMAS (wie Anm. 1) listet hier ein Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert mit einer Hausinschrift, das mit dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Haus Nr. 14 ein Doppelhaus bilde. Das heutige Haus an dieser Stelle ist offenbar jüngeren Datums und ist weder bei THOMAS noch im Sanierungsbericht der Stadt Korbach zu finden. Im Sanierungsbericht aus dem Jahr 2008 heißt es, die Fachwerkhäuser Entengasse 12 und 14 stünden noch zur Sanierung an. [2]

1. Erster bekannter Eigentümer des Grundstücks war der Bäckermeister Dietrich Kappel (* 1643; begr. 15.12.1717) ausgewiesen. Er war der Sohn des Justus Kappel. In erster Ehe war er verheiratet mit der 12 Jahre älteren Elisabeth, Geburtsname unbekannt (* um 1631; begr. 16.12.1704, 73 Jahre), in zweiter Ehe mit der 35 Jahre jüngeren Anna Maria (* um 1678; begr. 07.03.1751), deren Geburtsname ebenfalls unbekannt ist. Sie heiratete am 11. Oktober 1718 in zweiter Ehe Georg Berthold. Dietrich Kappel wohnte zur Zeit des Stadtbrandes von 1664 im Haus Stechbahn 6. Nach der Zerstörung dieses Hauses zog er in die Entengasse 12. Als sein Haus auf der Stechbahn wiederhergestellt war, zog er wieder dorthin. Die Familie Kappel wird bereits um 1500 in Korbach genannt.

2. 1688 Bäckermeister Heinrich Hartwig, Sohn des Bäckermeisters Anton Hartwig (Am Butterturm 6). Seine Frau hieß Anna Christina, Geburtsname nicht bekannt (* um 1612; begr. 18.05.1687, 75 Jahre).

3. Um 1700 - das genaue Jahr ist nicht bekannt - ging das Eigentum auf Jeremias Blomen/Blume (* um 1652; begr. 19.07.1726) über, Sohn des Henricus Blumen (Tränkestraße 338). Er vermählte sich am 20. November 1683 mit Anna Catharina Werner (* um 1649 in Düdinghausen; begr. 16.11.1725; 76 Jahre, 6 Monate, 4 Tage). Aus der Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor:

a) Jost Curt Blume (1686-1737), Nr. 4
b) Anton Blume (1699-1737), Tränkestraße 13

Jeremias Blume war von 1683 bis 1712 auch Eigentümer seines Elternhauses (Tränkestraße 338).

4. 1712 wurde das Haus auf Jost Curt Blume/Blomen (~ 20.10.1686; begr. 13.03.1737), Bürger 1712, übertragen, Sohn von Nr. 3. Er heiratete am 18. November 1712 Sophia Katharina Flamme (~ 25.11.1687; begr. 01.04.1748), Tochter des Johannes Flamme und der Adelheid Neumann. Das Paar hatte wenigstens zwei Kinder:

a) Louise Blume (1713-1766) Johannes Neumann (Rathausgasse 13)
b) Anton Blume (11728-1772), Nr. 5

5. Nach dem Tod seiner Mutter wurde 1750 Johann Anton Blume (~ 15.01.1728; 16.04.1772, 44 3/4 Jahre), Sohn von Nr. 4, als neuer Eigentümer verzeichnet. Er erwarb im gleichen Jahr die Bürgerrechte. Am 2. August 1747 vermählte er sich mit Marie Elisabeth Kannengießer (~ 07.08.1729; 21.11.1771, Wochenbett), Tochter des Franz Kannengießer (Rathausgasse 3).

6. 1777 erwarb der Lichterzieher (Lichtfabrikant) und Stärkemacher Johann Gerhard Hofmann (* um 1745; 21.10.1792, 47 Jahre) das Haus. Im Kirchenbuch der Neustadt heißt es über ihn, er sei ein fleißiger und christlicher Bürger gewesen. Seine Frau war Maria Catharina Blume (~ 02.07.1753; 12.11.1809), Tochter von Nr. 5. Sie heiratete in zweiter Ehe am 17. Januar 1794 Justus Friedrich Schalk. Das Ehepaar Hofmann/Blume hatte mindestes drei Kinder:

a) Wilhelmine Hofmann (1774-1850), Nr. 7
b) Henrich Wilhelm Hofmann (1777-1838), Grabenstraße 4
c) He(i)nrich August Hofmann (1783-1831), Lengefelder Straße 10 I. Maria Wilhelmine Henriette Tent, II. Maria Friederike Christiane Ziesenheim (Lengefelder Straße 9)

Hofmann war ab 1789 auch Eigentümer des Hauses Grabenstraße 4.

7. Durch Heirat wurde 1796 der Wollentuchmacher Johann Georg Josias Contze (~ 19.07.1766; 19.05.1828), Bürger 1795, neuer Eigentümer, indem er am 2. Dezember 1795 die Tochter von Nr. 6, Wilhelmine Hofmann (* 1774 in Amsterdam; 10.02.1850), heiratete. Contze war der Sohn des Wollentuchmachers Henrich Christian Contze und der Anna Christiane Emde. Die Ehe blieb kinderlos. Das Haus erhielt 1845 der Neffe der Ehefrau und Enkel von Nr. 6, Christian Hofmann (Nr. 8).

8. 1845 erhielt der Schreinermeister Georg Friedrich Christian Hofmann (* 28.06.1818; 14.06.1848) das Haus. Er war der Sohn des Bäckermeisters Henrich Wilhelm Hoffmann (Grabenstraße 4) und der Christiane Elisabeth Dietzel. Am 25. April 1847 vermählte er sich mit Wilhelmine Friederike Caroline Bohne (* 02.06.1811; 29.11.1868), Tochter des Blechschmieds Henrich Christian Bohne (Violinenstraße 16 [alt], Violinenstraße 12-14, Am Steinhaus 2) und der Johannette Dorothea Schalk. Sie ging eine zweite Ehe mit Nr. 9 ein.

9. Indem er am 13. Mai 1849 die Witwe von Nr. 8, Wilhelmine Friederike Caroline Bohne, heiratete, wurde im Jahr 1850 der Bäckermeister Johann Carl Heinrich Goette (~ 04.08.1818; ?) neuer Eigentümer des Hauses. Er war der Sohn des Bäckermeisters Georg Christop Goette und dessen zweiter Frau Christiane Kappel. Er erwarb 1848 die Bürgerrechte und war 1853 Dechant der Bäckerinnung.

10. 1855 kaufte der Landwirt und Makler Anton Christian Karl Schreiber (* 19.08.1825; 12.07.1874) das Haus. Er war der Sohn des Landwirts Johann Justus Schreiber und der Maria Christiane Eleonore Grebe. Am 26. Dezember 1852 vermählte er sich mit Henriette Wilhelmine Justine Wacker (* 30.09.1825; 27.06.1882), Tochter des Bäckermeisters Johann Friedrich Wacker (Professor-Bier-Straße 7) und der Marie Friederike Charlotte Happe. Schreiber erbaute 1865 das gegenüberliegende Haus Grabenstraße 5. Die Eheleute Schreiber/Wacker hatten mindestens ein Kind:

Maria Christiane Luise Schreiber (14.09.1853; 08.10.1916) Heinrich Brühmann (Violinenstraße 16)

11. 1861 Johann Friedrich Fieseler/Fisseler.

12. 1904 Christian Fisseler.

13. 1934 Stadt Korbach.

14. 1943 Hermann Eßbach.

15. 1959 erwarb der Gastwirt und Fuhrunternehmer Rudolf Harmsen (* 01.04.1899 in Stolzenau/Weser; ? nach 1959) das Anwesen. Er war der Sohn des Karl Harmsen und der Linchen Menge, beide aus Stolzenau. Am 26. Mai 1939 heiratete er in Huttesdorf Marie Brakmann (* 05.03.1912 in Huttersdorf; ? nach 1959), Tochter des Wilhelm Brakmann in Huttersdorf und der Friederike Vinke aus Friedewald bei Minden.

16. Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.

In dem alten Haus befand sich seit 1958 die Gaststätte "Ritterstuben", die zuletzt von der Familie Nagel betrieb wurde.

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 7, Dalwigker Straße - Am Butterturm - Grabenstraße - Entengasse - Tränkestraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1960, S. 73-75. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Stadtbauamt Korbach, Stadtsanierung Korbach - Förderung städtebaulicher Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen - Ausführliche Beschreibung des Standes der Maßnahme, Korbach 2008, S. 45, 49.