In der Pforte 1 (Korbach)

Das Haus In der Pforte 1 im April 2015.
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Das Haus Nr. 1 am Weg In der Pforte ist ein 1747 von Landrentmeister Henrich Conrad Wilstach errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach [1] Den Vorgängerbau hat der Bauherr im gleichen Jahr abreißen lassen. Wilstach war zuvor Eigentümer des Hauses Professor-Bier-Straße 11.

Geschichte

1. Erster bekannter Eigentümer des Grundstücks war der Amtmann Georg Heise (* um 1590 in Peckelsheim; begr. 28.08.1665). [2] Seine Eltern sind namentlich nicht bekannt, aber er gehörte der angesehenen Familie Heise im Paderbornischen an, von der mehrere Mitglieder in Korbach seßhaft waren. Am 25. August 1616 ging er in Marburg die Ehe mit Barbara Catharina Döllers ein. Heise war 1610 Student in Marburg und erwarb 1620 die Korbacher Bürgerrechte. Er ließ sich zunächst als Advokat in Korbach nieder und war von 1620 bis 1623 Amtmann zu Landau und Wetterburg, 1623 bis 1631 Sekretär des Grafen Christian zu Waldeck-Wildungen, von 1631 bis 1642 Stadtkommissar in Korbach und Hofgerichtsassessor. Seit 1641 leitete Heise als Kommissar und Geheimer Kanzleirat in Landau die Kanzlei der neugegründeten Landauer Linie, gleichzeitig noch Stadtkommissar in Korbach; die in dieser Zeit genannten anderen Stadtkommissar waren offenbar nur seine Vertreter. 1653 bis 1665 war er wiederum hauptberuflich Stadtkommissar in Korbach. Wegen vorgerückten Alters wurde ihm am 1. Oktober 1663 Josias II. Nolden (aus Katthagen 13) als Adjunkt beigeordnet. In den Protokollen des Stadtsekretärs Ladage von 1663 findet man die Niederschrift über eine Ratssitzung, die sich damit befaßte, wie man diesen "zweiten Commissar" anerkennen könne. Man einigte sich darauf, Nolden nur dann anzuerkennen, wenn Heise abwesend oder krank war. Heise hatte mindestens vier Kinder:

1) Johannes Heise (* 1621), 1634 Schüler am Korbacher Gymnasium ("sehr guten Verstandes, fleißig"), wird 1651 mit seiner namentlich nicht bekannten Frau Bürger zu Korbach.
2) Barbara Gertrud Heise (* um 1640; 06.04.1721 in Rhoden). Sie heiratete am 13. September 1660 in Landau Johann Christian Koch, Gräflicher Sekretär zu Landau. Eine zweite Ehe ging sie am 24. Mai 1674 in Rhoden mit Adam Philipp Meschede, Luc. iur. zu Rhoden ein. [3]
3) Anna Gertrud Heise (* vor 1669) heiratete 1666 Henrich III. Bilstein, Stadtsekretär zu Korbach. [4]
4) Johann Arnold Heise, 1663 Student in Marburg, 1667 Student in Gießen.

Georg Heise war möglicherweise ein zweites Mal verheiratet. Aus der zweiten Ehe könnten die Kinder Nr. 2) bis 4) stammen. Hierfür spricht, daß Heise mit Jost Henrich Jungmann und Heinrich III Leusmann verschwägert war.

2. Nachfolger im Eigentum wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt der Schwiegersohn von Nr. 1, He(i)nrich III (* 1631; oder begr. 19.08.1673). Bilstein. Er war der Sohn des Henrich II. Bilstein, Oberbürgermeister zu Korbach (1648/51/55/59), und der Maria Elisabeth Nolden, Tochter des Oberamtmanns Barthold Nolden (Katthagen 13). Heinrich Bilstein II. war einer von zwei Richter des mit zwei Berufsrichtern und zwölf Schöffen besetzten Hexengerichts, das noch in der Spätphase der Hexenverfolgung in den 1660er Jahren zahlreiche Hexenprozesse durchführte und Todesurteile verhängte. [5] Um 1666 ging er eine erste Ehe mit Anna Gertrud Heise ein, Tochter von Nr. 1. Seine zweite Ehefrau war seit 1669 Elisabeth Charlotte Scriba (~ 04.01.1645 in Mengeringhausen; [6] begr. 26.07.1687), Tochter des Pfarrers Ditmar Scriba (Lengefelder Straße 3) und der Anna Margarethe Waldeck.

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15. 1998 Rosemarie Hartwig (* 27.02.1921; 2012 [7] ).

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Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS/Karl WILKE/Lothar GERLACH (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 3, Kirchstrasse - Unterstrasse - Nikolaistrasse - Oberstrasse - In der Pforte - Brauberg - Ketzerbach - Ascher - Mauergasse, 2. Auflage, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2003, S. 127-130 Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Alle nachfolgenden Angaben, soweit nicht anders angegeben, nach Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtcommissare in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1954, S. 13-14; ders., Die Waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege (Forts.), in: Geschichtsblätter für Waldeck, 45. Band (1953), S. 90-174 (104-105). STEINMETZ gibt als Todestag den 28.08.1665 an, THOMAS (wie Anm. 1) den gleichen Tag als Begräbnisdatum.
[3] Hilmar G. STOECKER/Friedrich HÜBEL (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 51, Rhoden, Waldeckischer Geschichtsverein e.V./Magistrat Diemelstadt (Hrsg.), Arolsen/Korbach 1994, S. 201, Nr. 2451.
[4] Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtsekretäre in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1953, S. 12.
[5] Ralf FLAGMEIER, Hexenprozesse und sozialer Wandel in Korbach, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 79. Band (1991), S. 67-118, mit Nachweisen aus den Akten des Staatsarchivs Marburg und des Stadtarchivs Korbach, S. 67-118 [100-101].
[6] Herbert VOIGT/Christian MEUSER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2014, S. 477, Nr. 6325.
[7] Die Glocke, Gemeindebrief der Ev. Stadtkirchengemeinde Korbach, 29. Jahrgang, Nr. 107, August 2012, S. 38.