Klosterstraße 6 (Korbach)

Das Haus Klosterstraße 6 im Juli 2014.
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Das Haus Nr. 6 in der Klosterstraße ist ein Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach.

Geschichte

Das genaue Baujahr konnte nicht festgestellt werden; die quaderförmig gestalteten Eckpfosten deuten auf das 18. Jahrhundert hin. Die Eigentümer können bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgt werden. [1] Über den Vorgängerbau ist nichts bekannt. Wahrscheinlich wurde er beim großen Stadtbrand von 1664 oder während des Dreißigjährigen Krieges zerstört.

1. Erster namentlich bekannter Eigentümer war der Bäckermeisters Johann Daniel Linnekogel (~ 17.10.1683; 13.05.1736), Sohn des Bäckermeisters und Küsters der Neustadt Henricus Linnekogel und der Anna Juliana Catharina Sonaria. Er heiratete am 1. Oktober 1709 Catharinae Elisabeth Hoffmann (~ 22.06.1679; 08.10.1737), Tochter des Schulmeisters Johannes Hoffmann und der Anna Catharina Bange.

2. 1738 Peter Henrich Linnekugel

3.1741 Johannes Schenne

4. 1754 erwarb der Schuhmacher Johannes Weese (* 1717 in Vöhl; 17.02.1795) das Haus. Er erhielt 1742 die Bürgerrechte und heiratete am 29. November desselben Jahres Maria Margarethe (Catharina) Elisabeth Leyer (~ 07.11.1719; 12.09.1771), Tochter des Schreinermeisters Samuel Leye und der Maria Elisabeth Schüssler. Eine zweite Ehe ging er am 3. Dezember 1773 mit Anna Elisabeth Mitze (* 1739 in Sachsenhausen; 27.09.1794) ein.

5. Im Jahr 1784 wurde der Schumacher Johannes Justus Weese (~ 15.04.1753; 11.10.1816) als neuer Eigentümer eingetragen. Er war der Sohn von Nr. 4 aus erster Ehe. Er erwarb 1784 die Bürgerrechte und ging am 1. Dezember desselben Jahres mit Marie Henriette Ackermann (~ 24.02.1754; 05.02.1795) die Ehe ein. Sie war die Tochter des Schuhmachers Maximilian Leonhard Ackermann und der Anna Erich Heßler. Nur vier Monate nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er am 2. Juni 1795 Marie Elisabeth Frese (* 25.12.1767 in Flechtdorf; 03.04.1834), Tochter des Schneidermeisters Reinhard Frese (* 27.05.1735; 09.12.1803) in Flechtdorf. [2] Johann Justus Weese tauschte im Jahr 1809 das Haus mit Nr. 6 und zog in dessen Haus Entengasse 9.

6. 1809 wurde durch Tausch (s.o., Nr. 5) der Tuch- und Plüschmacher Johann Henrich Mirk (* 26.07.1744 in Külte [3] ; 01.01.1834) neuer Eigentümer. Er heiratete am 15. Juli 1803 Maria Elisabeth Steuber (~ 26.01.1776; 30.06.1853) Tochter des Johann Henrich Steuber (Entengasse 9) und der Maria Margarethe Leinecke. Mirk war der Sohn des Zeug- und Plüschmachers Christian Mirk in Berndorf.

7. 1840 Johann Daniel Carl Mirk.

8. 1856 Johann Friedrich Wilhelm Ludwig Curtze.

9. 1865 Wilhelm Friedrich Schmidt

10. 1888 Carl Wilhelm Paul Christian Nelle

11. 1938 Georg Bietz.

12. Nach dem Tode seiner Mutter (Nr. 11) wurde 1956 der Kaufmann Karl-Heinz Bietz (* 22.06.1924; 30.08.2014) Eigentümer des Hauses, in der er auch geboren worden war. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns bei der Firma Teichmann in Itter. 1942 wurde er eingezogen und kehrte erst 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. 1953 übenahm er den Laden seiner Eltern, renovierte die Einrichtung und erweitere das Sortiment. Der kleine Schreibwaren-, Zeitschriften- und Getränkehandel firmierte unter dem Namen "Bietz-Nelle" und war bis zum Umzug der Alten Landesschule aus der Klosterstraße 11 in das neue Gebäude an der Solinger Straße Anlaufpunkt für Schüler und Lehrer. [4]

13. 1988 wurde das Haus von einer Architektengemeinschaft übernommen und von Grund auf saniert. Das Schreibwarengeschäft Bietz-Nelle blieb in den Räumen erhalten. Heute befinden sich in den Ladenräumlichkeiten ein Nagelstudio und ein Modegeschäft.

Erscheinungsbild

Zweigeschossiges, einfaches Fachwerkhaus auf Werksteinsockel. Die Eckpfosten sind quaderförmig geschhnitzt. Diese Gestaltung sollte bei den ursprünglich zumeist verputzten Fachwerkhäusern wahrscheinlich Steinbau nachahmen und ist im 18. Jahrhundert in Korbach verbreitet. Im übrigen zeigt sich die Fassade schmucklos. Im Brandkassenregister von 1784 ist die Größe mit 24 x 29 Fuß, der Wert mit 75 Talern angegeben. Im Rahmen der 1988 erfolgten Sanierung wurde insbesondere die giebelseitige Ladeneingangstür vorteilhaft neu gestaltet. Das Fachwerk erhielt einen rotbraunen Anstrich. Auf einem 1980 gefertigten Lichtbild ist das damalige Schreibwarengeschäft zu sehen; an der Straßenfront waren nicht weniger als fünf Zigaretten- und Kaugummiautomaten angebracht. [5]

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS/Karl WILKE (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 1, Professor-Kümmell-Straße und Klosterstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), 2. Auflage 1996, S. 98-100. Soweit nicht anders vermerkt, sind alle folgenden Angaben hieraus entnommen. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben bzw. begraben.
[2] Karl SCHULTZE (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 59, Flechtdorf, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. Bad Arolsen (Hrsg.), Korbach 1998, S. 124, Nr. 351. Reinhard Frese hatte zwei Töchter und einen Sohn. Die Mutter der Kinder ist bei SCHULTZE nicht genannt.
[3] Bei Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 46, Külte, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. Arolsen und Magistrat der Stadt Volkmarsen (Hrsg.), Korbach 1993, findet sich kein Taufeintraf des Johann Henrich Mirk in Külte. Es findet sich zu der Zeit auch keine Familie Mirk in Külte. Vielleicht wurde er dort nur auf der Durchreise geboren.
[4] Alle Angaben nach: Friedrich BEHLEN, "Onkel Bietz"- ein Korbacher Original, in: Klosterglöckchen, Nachrichten für die Mitglieder des Vereins ehemaliger Korbacher Gymnasiasten, 83. Jahrgang, Nr. 1, März 2016, S. 11-12.
[5] Das von pitze ECKART gefertigte Foto ist veröffentlicht in: pitze ECKART/Dieter DEMME, Ost Menschen/West Menschen, Bildband zur Fotoausstellung, Museum Bad Arolsen (Hrsg.), Korbach 2010, S. 31 (West Menschen), Nr. 19: "BietzNelle, Korbach 1980".