Im Sack 8 (Korbach)

Das Haus "Im Sack" Nr. 8 im Mai 2017.
Anklicken für größere Version.

Das Haus Nr. 8 in der Straße Im Sack ist ein 1815 von dem Schuhmacher Johann Christian Zirges errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

Die unmittelbar an die Stadtmauer grenzenden Grundstücke waren bis Anfang des 18. Jahrhunderts unbebaut. Sie durften erst bebaut werden, nachdem die Mauer ihre Funktion als Verteidigungsanlage verloren hatte.

1. Der Bauplatz war zuvor ein Garten der Witwe des Friedrich Mirk (Im Sack 4). Der Schuhmacher und Schweinehirte Johann Christian Zirges (~ 25.11.1770; 03.10.1847) erbaute das Haus im Jahr 1815. Bis 1821 war es steuerfrei. Er war der Sohn des Schäfers Johann Franz Christoph Zirges und der Anna Sophie Klein. Seine Frau war Anna Christina Schneider (* um 1787 in Sachsenhausen; 1306.1847, 60 Jahre). In erster Ehe war sie verheiratet mit einem Herrn Meuser aus Sachsenhausen.

2. 1840 wurde durch Eheschließung der Maurergeselle und Flurschütz Johann Henrich Christoph Rabanus (* 18.02.1808; 12.03.1883) neuer Eigentümer, indem er 31. Dezember 1837 Johanne Marie Christiane Zirges (* 04.10.1810 in Sachsenhausen; 05.11.1867) heiratete, Tochter von Nr. 1. Rabanus war der Sohn des Maurers Johann Christoph Rabanus (Dalwigker Straße 6) und der Maria Elisabeth König. Aus der Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor:

a) Wilhelm Rabanus, Nr. 3
b) Carl Wilhelm Johann Rabanus (* 15.11.1847; 09.11.1870). Er starb im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 in der Schlacht von Cravant infolge eines Schusses durch die Brust. Er war Füselier bei der 11. Kompanie des 3. Hessischen Infanterieregiments 83. Sein Name ist auf dem Kriegerdenkmal auf der Stechbahn verzeichnet.

3. 1865 erhielt der Schuhmacher Wilhelm Rabanus (* um 1839; 16.03.1906), Sohn von Nr. 2, das Haus. Er erwarb 1863 die Bürgerrechte und war verheiratet mit Louise Gerland (* 25.07.1837; 07.12.1918 im Wittgensteinstift [Enser Straße 10]), Tochter des Tagelöhners Christian Gerland und der Johannette Klapp (Nieder-Ense).

4. Im Jahr 1876 erwarb der Handelsmann Moses Löwenstern (* 22.08.1809; 13.10.1894) das Haus. Er war der Sohn des Israel Löwenstern und der Eli Reitz aus Basdorf. 1845 heiratete er Johanna Feldheim (* 18.10.1815 in Berndorf; 28.08.1902), Tochter des Jakob Moses Feldheim aus Berndorf und der Helene (Lea) Katz. [2] Das Paar hatte drei Kinder:

a) Jacob Löwenstern (* 19.09.1851; 15.05.1921) mit Sophia Rosenthal
b) Friederika (Rickchen) Löwenstern (* 06.03.1854; 03.09.1917) mit Menko Löwenstern (Professor-Kümmell-Straße 4)
c) Elias (Emil) Löwenstern (* 02.12.1856; 14.09.1886 in Willebadessen) mit ... in Kassel.

Moses Löwenstern gehörte von 1855 bis 1888 auch das Haus Stechbahn 13.

5. 1887 wurde Wilhelmine Lückel (* um 1841; 30.07.1893, 52 Jahre) als neue Eigentümerin des Hauses verzeichnet, Tochter des Landwirts Friedrich Lückel und der Luise Emde. Sie war ledig und hatte zwei nichteheliche Kinder. Ein Sohn war der geistig behinderte Heinrich Lückel (* 13.07.1867; nach 1941 in Haina [ermordet?]).

6. Um 1902 erwarb der Maurer Friedrich Westmeier (* 28.08.1870; 15.02.1931) das Haus. Er war der Sohn des Heinrich Westmeier (Im Sack 4) und der Marie Müller. Am 24. Dezember 1897 vermählte er sich mit Wilhelmine Degenhof (* 13.02.1873 in Goddelsheim; 22.05.1945), Tochter des Fritz Degenhof und der Wilhelmine Große, beide in Goddelsheim.

7. 1945 ging das Eigentum auf die Kinder von Nr. 5 als Erbengemeinschaft über:

a) Friedrich Westmeier, Maurer (* 05.04.1901; 04.03.1987)
b) Heinrich Westmeier, Schäfer ()
c) Willi Westmeier, Anstreicher (* 27.03.1912; 04.02.1986)
d) Marie Westmeister (* 23.11.1896; 28.04.1982)
e) Wilhelmine Westmeier (* 21.09.1898; ?)
f) Karoline Westmeier (* 07.12.1907; 09.05.1965)
g) August Westmeier (* 27.03.1910; ?)

8. 1953 erwarb der Schäfer Heinrich Westmeier (* 13.05.1904; 10.04.1978), Sohn von Nr. 6, das Haus zum Alleineigentum von seinen Geschwistern. Er heiratete am 27. März 1926 Luise Freitag (* 22.10.1894 in Rhenegge; 22.03.1966), Tochter des Bergmanns Christian Freitag in Rhenegge und der Luise Dieterich

9. Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.

10. Ein erneuter Verkauf des Hauses erfolgte offenbar 2016/17. Im Frühjahr 2017 ließ der neue Eigentümer das Haus renovieren und die Fassade vorteilhaft umgestalten.

Äußeres Erscheinungsbild

Die Rückseite des Hauses ist direkt an die Stadtmauer gebaut. Am Quergebälk über der linken Eingangstür findet sich die folgende Inschrift:

"Christian Zirges und Ana Christina, eine geborne Schneider, haben Gott vertraud und dis Haus gebaud. 1815 d: 3. Juni.

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 62-63. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Karl WILKE (Bearb.), Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1993, S. 155, Nr. 64; S. 102-103, Nr. 10.