Lengefelder Straße 5 (Korbach)

Das Haus Lengefelder Str. 5 im Oktober 2014.
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Das Haus Nr. 5 in der Lengefelder Straße ist ein 1763 von Johanna Dorothea Elisabeth Kramer erbautes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1] Der nach dem Stadtbrand von 1664 errichete Vorgängerbau wurde abgerissen.

Geschichte

1. Erster bekannter Eigentümer des Grundstücks war seit 1659 der Kaufmann Johannes Magnus Knieper (* um 1635 in Obernburg; begr. 12.05.1712, 77 Jahre), Sohn des Pfarrers in Obernburg Tilemann Knieper und der Anna Leusmann, Tochter des Konrad Leusmann in Korbach. Seine erste Ehefrau war Anna Catharina Germighausen (* um 1634; begr. 11.04.1694, 60 Jahre). Sie war vielleicht verwandt mit Henrich Germighausen (Professor-Bier-Straße 5), der in zweiter Ehe ebenfalls mit einer Leusmann verheiratet war. Sie kann aber wohl nicht seine Tochter gewesen sein, weil er seine erste Ehe erst 1639 einging. Johannes Knieper heiratete am 14. Januar 1696 in zweiter Ehe Anna Richmuth Butterweck (* 1639; begr 12.08.1700, 61 Jahre), Tochter des Franz Butterweck und der Elisabeth Bilstein. Sie war die Witwe des Pfarrers zu Rhena, Justus Caspar Vigera. Eine dritte Ehe ging Knieper schließlich am 19. Januar 1701 mit Anna Sidonia Orth (~ 02.06.16?? in Thalitter; begr. ?). Sie war die Tochter des Rentmeisters auf dem Hessenstein Heinrich Orth und der Anna Maria Pistor und in erster Ehe verheiratet mit dem Pfarrer Johannes Scriba (Stechbahn 24). Knieper war Bürger seit 1659, Ratsmitglied 1662, 1665, 1667 und 1671, Unterbürgermeister 1673 und 10-facher Oberbürgermeister in den Jahren 1678, 1685, 1689, 1691, 1694, 1698, 1700, 1706, 1709 und 1710. Auf seine Veranlassung wurden 1685 der 70 Jahre wüst gelegene Aquädukt und die Wasserleitung des Lindenborns wieder instandgesetzt.

2. 1717 wurde Christoph Henrich Hammerschmidt (* ? in Plettenberg; ?) neuer Eigentümer. Er hatte am 5. Februar 1712 in zweiter Ehe die Enkelin von Nr. 1, Anna Catharina Nolden (~ 13.02.1693; begr. 30.05.1748, 54 Jahre) geheiratet, Tochter des Commissars Franz Tilemann Nolden und (Katthagen 13) der Anna Marie Knieper, Tochter von Nr. 1. Hammerschmidt ist als "I.U.Lic" bezeugt (Lizentiat/Lehrerlaubnis für beide Rechte) und erwarb 1760 die Korbacher Bürgerrechte.

3. Der 1720 erhielt der Hofgerichtssekretär Josias Daniel Nolden (~ 24.01.1698; 25.08.1773, 75 Jahre) das Gebäude. Er war der Sohn des Dr. jur. Franz Tilemann Nolden (Katthagen 13) und der Anna Maria Knieper, Tochter von Nr. 1, und somit Schwager bzw. Bruder von Nr. 2. Josias Daniel Nolden heiratete am 13. September 1737 Anna Charlotte Strubberg (* 26.01.1721 auf dem Eisenberg; 27.08.1772), Tochter des Amtmanns auf dem Eisenberg Johann Wilhelm Strubberg und der Christine Eleonore Pape. Anna Charlotte Strubberg war eine Schwester von Nr. 4. Das einzige Kind dieser Ehe war Franz Friedrich Nolden (Katthagen 13). Josias Daniel Nolden wird von 1720 bis 1765 als Eigentümer des Hauses Lengefelder Straße 5 und von 1765 bis 1773 als Eigentümer des Hauses Ascher 8 genannt. Unklar ist, ob ihm auch das Haus Katthagen 13 zeitweilig gehörte. Über Josias Daniel Nolden heißt es: "Er hatte einen langen Arm und liebte sehr den Branntwein". [2]

4. 1763 erhielt Johanna Dorothea Elisabeth Cramer/Kramer/Krahmer, geborene Strubberg (* um 1723; 23.01.1798) das Haus von Ihrem Schwager Josias Daniel Nolden (Nr. 3). Sie ließ es im gleichen Jahr abreißen und ein das heute Gebäude errichten. Sie war die Tochter des Rentmeisters Johann Wilhelm Strubberg und der Christine Eleonore Papen, somit Schwägerin und Schwester von Nr. 3. Im Jahr 1745 heiratete Sie den Apotheker Johann Adolph Schmidt (Professor-Kümmell-Straße 2). Eine zweite Ehe ging sie am 13. August 1748 mit dem Apotheker Johann Friedrich Christian Kramer (* um 1717 in Halberstadt; begr. 18.10.1747) ein., Sohn des Kauf- und Handelsmanns Johann Martin Kramer zu Halberstadt. Bei der Eintragung ihres Begräbnisses heißt es im Kirchenbuch der Neustadt: "Sie war die erste rechtschaffene Frau in jedem Betracht. Ihr Gedächtnis bleibe zu uns im Segen."

5. Im Jahr 1788 wurde der Hofgerichtssekretär Karl Heinrich Friedrich Kramer (~ 22.06.1755; 17.01.1834), Sohn von Nr. 4, neuer Eigentümer. Seine Ehefrau war Luise Friederike de Bettoncourt (* um 1757; 25.04.1844), Tochter des Oberstleutnants Peter Christoph de Bettoncourt/Bethoncourt [3] (Lengefelder Straße 13) und der Eva Catharina Höhle. Über Luise Friederike de Bettoncourt heißt es im Kirchenbuch der Altstadt: "Sie war eine durch Kenntnisse und wissenschaftliche Bildung ausgezeichnete Frau." Durch die Eheschließung war Kramer 1785 auch Eigentümer des Hauses seines Schwiegervaters, Lengefelder Straße 13, geworden, verkaufte jenes Anwesen jedoch 1793.

6. 1835 erwarb der Kaufmann Erasmus Karl Andreas Hartwig (* 16.02.1804; 27.04.1847) das Haus. Er war der Sohn des Kaufmanns und Gastwirts Johann Henrich Gottfried Hartwig und der Maria Elisabeth Christiane Friederike Müller aus Mengeringhausen. 1831 erwarb er die Bürgerrechte und vermählte sich am 1. September 1839 mit Marie Christiane Schwaner (* 12.06.1810; 20.06.1844 [Kindbett]), Tochter des Johann Caspar Schwaner aus Frankenberg und der Engel Marie Dorothea Emmerich. Das am 12. Juni 1844 geborene Kind überlebte:

Karl Jakob Hartwig (* 12.06.1844; 14.11.1913), Stechbahn 9

Karl Hartwig und Marie Christiane Schwaner hatten zwei weitere Kinder. Eine zweite Ehe ging Karl Hartwig am 12. Mai 1846 mit Elwine Rothe (~ 31.10.1821; 09.04.1847 [Kindbett]). Sie war die Tochter des Stadtsekretärs und Advocaten Friedrich Christian Ludwig Rothe und der Caroline Christiane Köhler. Nachdem Karl Hartwig seine beiden Frauen im Kindbett verloren hatte, die zweite nach nur elfmonatiger Ehe, verstarb er nur gut zwei Wochen nach seiner zweiten Frau an "Nervenfieber". Wo die Kinder nach dem Tod der Eltern aufwuchsen, ist hier nicht bekannt.

7. Erst im Jahr 1865 wird ein neuer Eigentümer verzeichnet: der Bierbrauereibesitzer und Küfer Heinrich Friedrich Christian Kappel (* 25.12.1821; 28.09.1830), Sohn des Bäckermeisters Henrich Friedrich Cappel und der Friederike Cranz. Am 1. Dezember 1850 heiratete er Marie Eleonore Elisabeth Mühling (* 22.02.1821 in Sachsenberg; 21.11.1890), Tochter ds Johannes Mühling in Sachsenberg. Das Paar hatte mindestens zwei Kinder (Nr. 8). In wessen Eigentum das Haus in den 18 Jahren zwischen dem Tod von Nr. 6 und dem Erwerb durch Kappel stand, ist nicht ersichtlich.

8. 1893 wurden als Erben von Nr. 7 deren Kinder eingetragen:

a) Robert Kappel (* 1855; Ende Mai 1896). Ihm gehörte seit 1875 das Haus Lengefelder Straße 7 (siehe dort)
b) Marie Götte, geborene kappel, Ehefrau des Carl Götte.

9. Im September 1895 ersteigert der Bierbrauereibesitzer in Sachsenberg Adolf Böhle das Haus für 23.050 Mark. 1896 wurde er als neuer Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Er ließ in dem Haus umfangreiche Umbauten ausführen. An die Rückseite des Gebäudes wurde ein Saal angebaut. Seit dem 22. August 1896 führte die Gastwirtschaft den Namen "Goldener Engel" und setzte damit die Tradition der gleichnamigen Gastwirtschaft fort, die sich bis 1889 im Haus Professor-Kümmell-Straße 9 befand. 1907 kaufte er den Gasthof "Zum Fürsten von Waldeck" gegenüber dem Hauptbahnhof von dem Gastwirt Friedrich Schmalz zum Preis von 70.000,- Mark. Böhle ist der Verfasser der Schrift: "Sachsenberg, Geschichte und Sage".

Er verpachte das vorliegende Gebäude ab 1896 an den Hotelier Christian Friedrich ("Fritz") Louis Höhle (* 18.09.1870 in Berndorf; 23.09.1924), Sohn des Gastwirts Wilhelm Höhle in Berndorf. Am 17. Mai 1898 heiratete Höhle die Martha Adele Helene Welle (* 06.07.1873; 27.02.1956), Tochter des Landwirts und Domanialrentmeisters Carl Welle und der Caroline Louise Johannette Schleicher.

10. Neuer Eigentümer oder Pächter [4] wurde 1908 der Metzger und Gastwirt Karl Heinrich Ludwig Schönhard (* 14.08.1880; 26.12.1919), Sohn des Gastwirts Carl Heinrich Wilhelm Schönhard und der Wilhelmine Luise Marie Wacker. Er heiratete am 4. März 1905 Louise Melches (* 10.02.1877; 09.01.1946), Tochter des Schreiners Heinrich Theodor Melches und der Marie Wilhelmine Hermine Pauline Schumacher (aus Kirchstraße 10).

11. 1920 übernahm der Gastwirt Eduard Kohlberg (* 14.08.1880 ?; 16.05.1930) [5] den "Goldenen Engel", Sohn des Landwirts Fritz Kohlberg (Gembeck) und der Henriette Wagner (Adorf). Am 31. August 1906 heiratete er in Elberfeld Ida Seuthe (* 15.10.1887 in Einig/Kreis Altena; 1910.1949 in Lichtenau), Tochter des Oekonomgehilfen Carl August Seuthe (Einig) und der Wilhelmine Arndts (Bleme/Amt Plettenberg).

12. Im Jahr 1938 erwarb der Gastwirt und Bierverleger Louis Bracht (* 17.02.1899 in Ober-Orke; 18.11.1966 in Nieder-Werbe) das Haus. Er war der Sohn des Louis Bracht (Bringhausen) und der Luise Balzer (Bringhausen). Am 29. Mai 1923 vermählte er sich in Frankenberg/Eder mit Emilie Tippel (* 02.08.1901 in Thalitter; 28.09.1969 in Niederwerbe), Tochter des Fuhrunternehmers Heinrich Tippel (Dorfitter) und der Emilie Heinze (Thalitter).

13. Die weiteren Eigentümerwechsel bis heute sind hier nicht bekannt.

Äußeres Erscheinungsbild

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 11-15. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS (wie Anm. 1). Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Hermann STEINMETZ, Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 47. Band, S. 95.
[3] Der Name ist in beiden Schreibweisen überliefert. Es ist nicht ersichtlich, ob der Name lediglich die Herkunft bezeichnet, nämlich die gleichnamigen französischen Ortschaften, oder ob eine verwandtschaftlichen Beziehung zu dem alten Adelsgeschlecht der Normandie de Bettencourt/Béthencourt besteht.
[4] Es wird bei THOMAS (wie Anm. 1) nicht ganz deutlich, ob Schönhard lediglich Pächter der Gastwirtschaft oder auch Eigentümer des Hauses war. Auf Seite 12 ist er als Pächter genannt, auf Seite 13 unter den Eigentümern aufgeführt.
[5] Hier gilt das gleiche wie bei Anm. 4. Außerdem könnte bei Eduard Kohlberg und Karl Schönhard ein Fehler hinsichtlich des Geburtsdatums vorliegen, da bei beiden der 14. August 1880 als Geburtsdatum vermerkt ist.