Stechbahn 16 (Korbach)

Das Haus Stechbahn 16 im März 2015.
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Das Haus Nr. 16 auf der Stechbahn ist ein im Jahr 1886 von Bernhard II. Löwenstern errichteter Ziegelsteinbau in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

Das Haus ist an die Stelle eines beim Stechbahnbrand von 1885 zerstörten Fachwerkhauses gesetzt worden, das seinerseits nach dem Stadtbrand von 1664 errichtet worden war und zu den größten Bürgerhäusern der Stadt zählte. [2]

1. Als erster Eigentümer nach dem Stadtbrand von 1664 ist der herzoglich-braunschweigisch-cellelische Oberst Johann Martin Jäger von Rumpheld verzeichnet. Wer vor dem Brand an dieser Stelle gelebt hat, kann nicht ermittelt werden. Jäger hatte am 24. Januar 1658 in der Hamburger St. Petri Kirche eine Hedwig, verwitwete Steinmetz, aus Mengeringhausen geheiratet. Jäger fiel am 9. Oktober 1677 vor Stettin, wahrscheinlich während der Nordischen Krieges. Jäger hatte mindestens ein Kind: Margarethe Elisabeth Jäger (begr. 12.07.1737 in Mengeringhausen) in erster Ehe mit Leutnant Schumacher, in zweiter Ehe am 13.10.1692 in Landau mit Henrich Christian Buntmeyer (Professor-Bier-Straße 6). [3]

2. Zu einem unbekannten Zeitpunkt, wohl bald nach Jägers Tod, erwarb der Handelsmann Johannes I. Schumacher (* um 1642; begr. 16.08.1711), das Gebäude. Er war der Sohn des Curt Schumacher und der Magdalena Benn. Schumacher war Bürger seit 1670, Ratsmitglied 1680 sowie Milizrezeptor in den Jahren 1686, 1688 und 1690. Im Jahr 1676 heiratete er Catharina Friedeberg (* 1655; begr. 05.05.1726), Tochter des Georg Friedberg und der Anna Margarethe (Nachname unbekannt). Das Paar hatte fünf Kinder. Eine andere Tochter Georg Friedebergs, Gertrud, war mit Schumachers Neffe, Johann Conrad II. Schumacher, Sohn seines Halbruders Stephan Schumacher, verheiratet (Lengefelder Straße 2). Dem Eintrag im Kirchenbuch zufolge bestand das Anwesen aus "Haus, Scheune, Garten, noch eine kleine Stätte am Brauhause, so wüst liegt."

3. 1724 wurde Abraham Schumacher (~ 21.10.1691; begr. 02.07.1735), Sohn von Nr. 2, als neuer Eigentümer eingetragen. Er hatte seit 1717 die Bürgerrechte innne, war Ratsmitglied im Jahr 1725 und Pfennigmeister in den Jahren 1728/29. Am 21. November 1724 heiratete er Catharina Elisabeth Rohland, Tochter des Burchhard Rohland in Helmscheid. Sie war in zweiter Ehe verheiratet mit Josias Daniel Huge (Nr. 4).

4. Josias Daniel Huge (* Juni 1710; 04.03.1775) erwarb im Jahr 1736 das Haus, indem er die Witwe von Nr. 3 heiratete. Huge war der Sohn des Johann Wilhelm Huge und der Elisabeth Pape (Professor-Kümmell-Straße 9), erwarb 1736 die Bürgerrechte, war Sekretarius und in den Jahren 1742-44, 1753, 1763-64 sowie 1769-71 Oberbürgermeister der Stadt Korbach. Am 29. Mai 1736 heiratete er die fast 20 Jahre ältere Catharina Elisabeth Rohland [~ 28.09.1691; 03.09.1760), Tochter des Burchhard Rohland in Helmscheid, Witwe von Nr. 3. Eine zweite Ehe ging er mit der 34 Jahre jüngeren Luise Friederike Sophie Esau (* 18.05.1744 in Sachsenhausen; 03.01.1803) ein, Tochter des Amtmanns zu Waldeck Carl Georg Esau und der Dorothea Sophie Reinhard. Sie verheiratete sich nach Huges Tod in zweiter Ehe mit Nr. 5. Beide Ehen des Josias Daniel Huge blieben kinderlos. Im Kirchenbuch der Altstadt heißt es anläßlich seines Begräbnisses über ihn: "Josias Daniel Huge, gewesener hochfürstlicher waldeckischer Rath vielejähriger sorgfältiger Oberbürgermeister, abends mit einer Rede beigesetzt. Seine Witwe erbt sein ansehnliches Vermögen."

5. Durch Heirat mit der Witwe von Nr. 4 wurde der Advocat Ernst August Theodor Schumacher (* 09.01.1756; 06.01.1830) neuer Eigentümer. Er war der Sohn des Franz Anton Schumacher und der Helene Elisabeth Platte. Wie Nr. 2. und 3. war er ebenfalls Nachfahre des Curt Schumacher, nämlich einer seiner Ur-Urenkel. Er studierte in Göttingen Jura (1776), war ab 1781 Advokat in Korbach, dann Amtssekretär, Amtsassessor (1789), auch Bürgermeister und Kirchenprovisor. [4] Am 3. August 1783 heiratete er Luise Friederike Sophie Esau (* 18.05.1744 in Sachsenhausen; 03.01.1803), Witwe von Nr. 4. Die Ehe blieb kinderlos. Eine zweite Ehe ging er am 5. Juni 1803 in Berndorf mit Christiane Caroline Dorothea Alberti (* 18.08.1770; 31.03.1827) ein, Tochter des Hofgerichtsrats Johann Ernst Alberti und der Luise Leonore Diesmann.

6. Im Jahr 1837 wird der Sohn von Nr. 5, der Rechtsanwalt Robert Elger Schumacher (* 10.07.1804; 03.12.1887) als neuer Eigentümer eingetragen. Er war von 1854 bis 1863 Bürgermeister der Stadt, Sparkassendirektor und Landtagsabgeordneter. Er blieb unverheiratet.

7. 1842 erwarb Friedrich Wilhelm Ebersbach (* 18.11.1805 in Sachsenhausen; 01.05.1847) das Anwesen. Er war der Sohn des Bäckermeisters Friedrich Ebersbach (* 04.05.1775 in Sachsenhausen; 01.06.1829 ebenda) und der Henriette Charlotte Maria Weber (* 27.12.1774; 16.02.1855 in Sachsenhausen). Am 18. November 1827 heiratete er in Sachsenhausen Auguste Luise Philippine Waldschmidt, Tochter des Rats und Oberrentereibeamten Christian Theodor Waldschmidt und der Henriette Sophie Philippine Waldeck aus Wildungen. [5] Ebersbach war von 1835 bis 1847 Stadtcommissar in Korbach. Er war 1822-1824 Student in Göttingen, 1824 Accessist beim Oberjustizamt Sachsenhausen, 1827-1835 Advokat und Bürgermeister in Sachsenhausen, 1835 Hofgerichtssekretär. Am 11. April 1843 wurde er unter Beibehaltung des Stadtcommissariats zum Hofgerichtsassessor ernannt. Wilhelm Ebersbach und Auguste Waldschmidt hatten sechs Kinder:

1. Hermann Friedrich Christian Ludwig Eduard Ebersbach(* 18.11.1829 in Sachsenhausen; 08.07.1861 in New York), Student in Heidelberg 1840-1849, Göttingen 1849-1851, Hauslehrer in Mecklenburg, Lehrer in Arolsen, Pfarrer zu Oberwaroldern 1855-1859. [6] Im April 1859 ging er heimlich nach Amerika und verzichtete auf die Rechte des geistlichen Standes. Zeugen seiner fleißigen baulichen, historischen und familienkundlichen Tätigkeit sind seine von den Nachfolgern fortgesetzte Pfarrchronik (1857), seine schon vor der behördlich allgemein verfügten Anlage (1862) der Familienbücher (1857) und die mit umfassenden baulichen Veränderungen vorgenommene Wiederherstellung der Kirche (1856). [7]
2. Karl (jung verstorben)
3. Meta Sophie Wilhelminie Klara Ebersbach (* 27.12.1836 in Sachsenhausen; 25.11.1887 in Wildungen). Heiratete am 19.08.1866 in Korbach Friedrich Karl Waldeck, Rechtsanwalt in Korbach, 1869 Amtsrichter in Niederwildungen, 1879 Amtsgerichtsrat zu Arolsen. Kinderlos.
4. Wilhelm (* 1839, jung gestorben)
5. Ludwig Albert Christian Ebersbach (* 1841), war 1869 Ökonom in der Herrschaft Angern bei Wien.
6. Emil Wilhelm Karl Ebersbach (* 17.07.1842 in Korbach; 28.02.1892 in Arolsen), Amtmann des Kreises der Twiste, später Direktor der Domänenkammer und des Konsistoriums in Arolsen, verheiratet am 12.07.1874 mit Mathilde Busold, Tochter des Oberförsters Reinhard Busold und der Emilie Seifert.

8. Die Erben von Nr. 7 veräußerten das Haus 1855 an den Kauf- und Handelsmann Bernhard II. Löwenstern (* 07.03.1831; 05.04.1910), Sohn des Lazarus Bär Löwenstern (* um 1796; 26.04.1847) und der Breune (Bräunchen) Marcus in Korbach (* 1798). Er heiratete am 30. Oktober 1860 in Burgdorf Bertha Gottschalk (* 28.09.1837 in Burgdorf/Hannover; 30.05.1890), Tochter des Marcus Gottschalk und der Friederike Enoch aus Burgdorf. [8] Das Paar hatte acht Kinder. Bernhard II. verlegte das von seinem Vater Lazarus Löwenstern in dem Haus Klosterstraße 9 betriebene Geschäft (Manufakturwaren, Kurzwaren) in das Haus Stechbahn 16.

9. Nachfolger im Eigentum wird zu einem unbekannten Zeitpunkt der Sohn von Nr. 8, Oskar Löwenstern (* 19.12.1865; 06.05.1928 [erhängt]). Er heiratete am 1. November 1902 in Eisenach Rosa Neuhaus (* 10.11.1877; ?). Sie ist am 4. April 1940 mit ihrer Schwester Else Oppenheim nach Essen verzogen und gilt als verschollen in Izbica. [9] Oskar Löwenstern dürfte erst nach 1885 Eigentümer des Grundstücks geworden sein, da sein Vater als Erbauer des heutigen heutigen Hauses gilt.

10. Der Kaufmann Friedrich Sprenger (* 25.06.1901 in Wolfhagen; ?) kaufte das Haus 1940. Er war der Sohn des Maurers Friedrich Sprenger und der Katharine Möller, beide aus Wolfhagen. Am 3. Mai 1930 heiratete er Marie Tepel (* 07.05.1908; ?), Tochter des Friedrich Tepel (Landau) und der Marie Bunte (Rhena). Sprenger mußte nach dem Krieg an die Erben von Nr. 9 nochmals einen größeren Betrag für das Haus zahlen. Sprenger betrieb in dem Haus die heute noch bestehende Zeitschriften- und Schreibwarenhandlung sowie die heute an der Arolser Landstraße gelegene, von seinen Nachkommen weitergeführte Druckerei.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 24-27.
[2] Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS (wie Anm. 1). Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[3] Hermann THOMAS/Karl WILKE (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 2, Professor-Bier-Straße - Hinter dem Kloster - Bunsenstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), 2. Auflage 1998, S. 60-63 [63]; Hermann STEINMETZ, Die Waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtblätter für Waldeck, Band 45 (1953), S. 90-174 [119-120].
[4] Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtcommissare in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1954, S. 44-45 [44].
[5] Herbert VOIGT/Christian MEUSER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2014, S. 595, Nr. 7904.
[6] STEINMETZ (wie Anm. 4), S. 48; Herbert BAUM, Die evangelischen Geistlichen des jetzigen Kreises der Twiste seit der Reformation, in: Geschichtsblätter für Waldeck, Band 39 (1939), S. 42-134 (93).
[7] BAUM (wie Anm. 6).
[8] Karl WILKE (Bearb.), Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1993, S. 171-172; THOMAS (wie Anm. 1) benennt den Hausbauer zwar richtig Bernhard II. Löwenstern, gibt aber versehentlich Lebensdaten, Eltern und Ehefrau des Bernhard I. Löwenstern an (vgl. WILKE, S. 168 und Professor-Kümmell-Straße 14).
[9] Arbeitsgemeinschaft Spurensicherung des Kommunalen Jugendbildungswerks der Kreisstadt Korbach, Judenverfolgung in Korbach, Korbach 1989, S. 89.