Professor-Bier-Straße 6 (Korbach)

Das Haus Professor-Bier-Straße 6 im September 2014.
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Das Haus Nr. 6 in der Professor-Bier-Straße ist ein 1975 errichtetes modernes Wohn- und Geschäftshaus in der Altstadt von Korbach [1] Die Vorgängerbauten, ein Ende des 17. Jahrhunderts errichtetes Fachwerkwohnhaus und ein nach 1860 zunächst als Scheune errichtetes, später zu einem Geschäftshaus umgebautes Gebäude, wurden 1970 bei einem Brand schwer beschädigt und abgerissen.

Geschichte

1. Erster bekannter Eigentümer des Grundstücks war der Amtmann Henrich Christian Buntmeyer (* 1646 in Stolzenau/Weser; begr. 22.12.1713 in Waldeck). Er war in erster Ehe verheiratet mit Anna Maria Kortwig (begr. in Waldeck). Eine zweite Ehe ging er am 13. Oktober 1692 in Landau mit Margarethe Elisabeth Jäger ein (* ?; begr. 12.07.1737 in Mengeringhausen), Tochter des Martin Jäger von Rumpheld (Stechbahn 16) und Witwe des Leutnants Schumacher. Buntmeyer war Amtmann zu Waldeck und Wetterburg. Er war auch der Erbauer des Nachbarhauses Nr. 4.

2. Im Jahr 1710 erwarb der Ziegler Walter Schade (~ 10.05.1680 oder * 16.05.1680 [2] ; begr. 02.10.1712) das Haus. Er war das zweite von vier Kindern des Zieglers Matthias Schade (* um 1631; 01.11.1706) und dessen Frau Anna Katharina, Geburtsname unbekannt (* um 1634; begr. 05.09.1707). [3] Die Familie wohnte in der außerhalb der Stadt, Richtung Lelbach gelegenen Ziegelhütte, nach der heute die Straßen "Ziegelhütte" und "Ziegelhütter Weg" benannt sind. Sie ist in Korbach Ende des 18. Jahrhunderts im Mannesstamme ausgestorben. Walter Ziegler heiratete am 22. Oktober 1701 in Lelbach Catharina Elisabeth (Lisa) Curtze (* 1671; begr. 12.01.1738), Tochter des Johannes Curtze, Bürger 1660. Aus der Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor: Maria Catharina Schade (Nr. 3) und Henrich Schade (* 01.05.1706). [4] Catharina Elisabeth Curtze ging nach dem Tod ihres Mannes am 12. Januar 1713 eine zweite Ehe mit Johann Daniel Bange (Kirchstraße 26) ein.

3. Der folgende Eintrag ist bei THOMAS/WILKE (wie Anm. 1) teilweise fehlerhaft. Hiernach soll im Jahr 1720 der Bäckermeister Peter Henrich Frese (~ 25.01.1694; begr. 06.12.1762) das Haus erworben haben. Er war der Sohn des Johann Henrich Frese (Kirchstraße 14) und der Maria Elisabeth Hampe, Tochter des Liborius Hampe (Klosterstraße 1). Als Jahr des Erwerbs der Bürgerrechte und seiner Hochzeit mit Maria Catharina Schade, Tochter von Nr. 3, wird "1791" angegeben. Offenbar handelt es sich hier um einen Tippfehler. Richtig dürfte 1731 sein. Danach wäre wahrscheinlich jedoch auch das Jahr des Erwerbs des Hauses unrichtig angegeben, weil für den Grundstückserwerb regelmäßig das Bürgerrecht erforderlich war. Unzutreffend ist ferner die Angabe, Maria Catharina Schade sei am 29. Juli 1702 in Lengefeld getauft worden. Wie oben dargelegt, erfolgte die Taufe in Lelbach. BUNTE (wie Anm. 2) gibt den 29. Juli 1702 jedoch als Geburtstag an. Sie wurde begraben am 30. September 1781 in Korbach. Über Peter Henrich Frese heißt es im Kirchenbuch der Altstadt, er sei ein "rechtschaffender Bürger" gewesen. Eine Familie Frese/Fresenius ist bereits im 15. Jahrhundert in Korbach nachweisbar. Ob die Stammfolge lückenlos ist, muß noch geprüft werden.

4. 1763 erbte der Bäckermeister Johannes Frese (* 14.11.1745; begr. 25.10.1797) das Haus. Er war der Sohn von Nr. 3. Er heiratete am 4. Dezember 1764 in Nieder-Waroldern Clara Elisabeth Graff (* 1748 in Nieder-Waroldern; begr. 02.06.1807), Tochter des Hofconduktors und Dorfrichters Hermannus Graff und der Clara Elisabeth Crantz aus Wethen sowie Schwester des Jost Henrich Graff (Kirchplatz 2). Frese erwarb 1763 die Bürgerrechte, war Ratsmitglied im Jahr 1777 und Dechant der Bäckergilde im Jahr 1767. Aus der Ehe Frese/Graff gingen mindestens drei Kinder hervor:

a) Philipp Frese (Nr. 5)
b) Georg Frese (Stechbahn 18a)
c) Henrich Wilhelm Frese (Marktplatz 3)

5. Im Jahr 1802 ging das Haus auf den Bäckermeister Johann Henrich Philipp Frese (* 17.09.1777; begr. 21.09.1830) über, Sohn von Nr. 4. Seine Frau war Louise Catharina Senge aus Sachsenberg (* 18.03.1781 in Sachsenberg; 03.03.1853). Er hatte seit 1801 die Bürgerrechte inne und war 1809 Schützenkönig. Das Paar hatte mindestens fünf Kinder:

a) Carl Henrich Christian Frese (unten Nr. 6)
b) Christian Friedrich Ludwig (Louis) Frese (Im Sack 2)
c) Caroline Louise Wilhelmine Frese (unten Nr. 7)
d) Henriette Friederike Emilie Frese Christian Stiehl (Lengefelder Straße 14)
e) Johanna Lisette Louise Frese (* 25.09.1823 in Sachsenberg; 23.03.1895) Johann Georg Friedrich Schumacher (* 24.02.1822; 05.08.1896) [5] , Tränkestraße 13.

6. 1842 wurde der Gastwirt Carl Henrich Christian Frese (* 16.05.1804; 13.04.1844) neuer Eigentümer, Sohn von Nr. 5. Er war ledig und hatte keine Kinder.

7. Infolge des frühen Todes von Nr. 6 gelangte das Haus 1844 in den Besitz von dessen Schwager, Schreinermeister Philipp Bernhard Schlömer (* 23.02.1795; 25.10.1855). Er war der Sohn des Schreinermeisters und Polizeiinspektors Johann Dietrich Wilhelm Schlömer (Im Paß 2) und der Henriette Catharina Friedrich. Am 7. Oktober 1831 heiratete er Caroline Louise Wilhelmine Frese (* 26.05.1806; 02.05.1860), älteste Tochter von Nr. 5. Ihm gehörte zuvor das Haus Rathausgasse 2a. Die Familie Schlömer stammt aus Goldhausen und ist seit 1713 in Korbach ansässig. Philipp Bernhard Schlömer war auch Landwirt und führte in dem Haus die Gastwirtschaft Schlömer weiter.

8. Im Jahr 1861 erbte der Gast- und Landwirt Carl Christoph (oder Christian) Ludwig Schlömer (* 19.01.1832; 22.03.1907), Sohn von Nr. 7, das Anwesen. Er vermählte sich am 26. Dezember 1856 mit Marie Louise Wilhelmine Saake (* 02.02.1835; 07.07.1895), Tochter des Silberarbeiters Johann Carl August Saake (Stechbahn 22) und der Maria Wilhelmine Caroline Schmale. Aus der Ehe gingen mindestens drei Kinder hervor:

a) Karl Ludwig Friedrich Schlömer (Nr. 9)
b) Caroline Luise August Schlömer (* 27.02.1861; 05.04.1947), Urenkelin von Nr. 5, Christian Ludwig Friedrich Frese (Im Sack 2), Enkel von Nr. 5.
c) Wilhelm Friedrich Louis Hermann Schlömer ( *29.05.1868; ? ) 13.06.1894 in Den Haag mit Wilhelmina Deligne. Die Nachfahren wohnen in den Niederlanden. Die Eheleute Schlömer/Deligne hatten mindestens ein Kind:

Johanna Louise Marie Schlömer (* 22.03.1895; 24.12.1982) Othon Louis Zimmermann. Aus dieser Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor:

1) Louise Johanna Wilhelmina Zimmermann (* 25.06.1913 in Utrecht; 15.09.1953)
2) Augustina Zimmermann (* 31.10.1928; 28.02.2000)

9. Ebenfalls im Wege der Erbfolge ging das Haus 1907 auf den Gast- und Landwirt Karl Ludwig Friedrich Schlömer (* 17.06.1858; 17.02.1933), Sohn von Nr. 8, über. Er blieb unverheiratet und kinderlos.

10. 1933 Louis Schlömer.

11. 1965 Erbengemeinschaft Schlömer.

12. 1970 Henkel.

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS/Karl WILKE (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 2, Professor-Bier-Straße - Hinter dem Kloster - Bunsenstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), 2. Auflage 1998, S. 60-63. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Bei THOMAS/WILKE (wie Anm. 1) ist als Taufdatum schon der 10. Mai 1680 angegeben. Eduard BUNTE (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 5, Lelbach, Waldeckischer Geschichtsverein (Hrsg.), Arolsen 1956, Nr. 467, gibt als Geburtsdatum jedoch erst den 16. Mai 1680 an.
[3] BUNTE (wie Anm. 2).
[4] BUNTE (wie Anm. 2).
[5] Martin RUDOLPH (Bearb.), Korbacher Bürgerfamilien - Die Nachkommen des Korbacher Bürgermeisters Curt Schumacher, 1585-1660, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1976, S. 151.