Unterstraße 1 (Korbach)

Das Haus Unterstraße 1 im Oktober 2014.
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Das Haus Nr. 1 in der Unterstraße ist ein 1929 von dem Schreinermeister Wilhelm Heckmann errichtetes Steinhaus in der Altstadt von Korbach [1] Es ist aus den Steinen des 1756/57 erbauten und 1925/26 abgetragenen Frucht- und Lagerhauses des Unteren Herrenhofs erbaut, das von 1850 bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Gefängnis diente. Die Kellerräume des Vorgängerbaus blieben erhalten. [2]

Geschichte

1. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Gebäude als Teil des früheren Unteren Herrenhofs (siehe dort) Domanium der Grafen, später Fürsten von Waldeck.

2. Als nächster Eigentümer wird zum Jahr 1908 der Schreinermeister Ludwig Friedrich Wilhelm Christian Heckmann (* 29.04.1857; ?) [3] genannt, der auch das Nachbarhaus Unterstraße 3 erwarb. Am 12. Juli 1887 vermählte er sich mit Christiane Friederike Marie Caroline Hofmann (* 22.08.1857; 26.04.1891), Tochter des Bäckermeisters Friedrich Hofmann und der Joh. Marie Wilhelmine Warzemann. Eine zweite Ehe ging er am 26. November 1893 mit Caroline Wacker (* 29.04.1863; 02.01.1932) ein, Tochter des Bäckermeisters Carl Wacker (Professor-Bier-Straße 7) und der Marie Christiane Muß. Über den Zeitpunkt des Erwerbs des Vorgängerbaus durch die Familie Heckmann gibt es widersprüchliche Angaben. THOMAS/WILKE/GERLACH (wie Anm. 1) geben einerseits an, Wilhelm Heckmann senior habe das Haus bereits 1908 gekauft. In der Vorbemerkung heißt es hingegen, der Erwerb sei erst 1925 durch seinen Sohn Wilhelm Heckmann junior (Nr. 2) erfolgt, da das Gebäude bis 1925 als Amtsgefängnis gedient habe. Auch STEUBER (wie Anm. 2) nennt unter Hinweis auf Angaben der Schwiegertochter des Wilhelm Heckmann junior 1925 als Jahr des Erwerbs. Hierfür spricht, daß das neue Gefängnis an der Hagenstraße, hinter dem Haus Kirchstraße 18a, erst ab 1925 errichtet [4] und 1926 fertiggestellt worden war. [5] Vielleicht haben THOMAS/WILKE/GERLACH (wie Anm. 1) irrtümlich angenommen, Wilhelm Heckmann senior habe das Gebäude Unterstraße 1 im Jahr 1908 zeitgleich mit dem Haus Unterstraße 3 erworben.

3. Im Jahr 1925 erwarb der Schreinermeister Wilhelm Heckmann (* 28.06.1886; 20.11.1961), Sohn von Nr. 1, das Gebäude. Er heiratete am 18 November 1919 Barbara Herrbach (* 21.01.1888 in Gemünden/Unterfranken; ?), Tochter des Schiffreiters Johann August Herrbach und der Anna Seelmann, beide aus Gemünden/Unterfranken. In erster Ehe war sie mit Fritz Bergmann verheiratet. Heckmann ließ das alte Frucht- und Lagerhaus 1925/26 abreißen und 1929 mit dessen Steinen in ähnlicher Form als Wohnhaus wieder aufbauen. Die Kellergewölbe des Vorgängerbaus blieben erhalten. Hier ist noch heute eine alte Zellentür verbaut. [6] Die Familie Wilhelm Heckmann jun. hat in den 1920er Jahren, während des Umbaus des Gebäudes, zur Miete im Haus Stechbahn 10 gewohnt. [7]

4. 1962 Wilhelm Heckmann.

5. 1991 Sohn von Nr. 4.

















Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS/Karl WILKE/Lothar GERLACH (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 3, Kirchstrasse - Unterstrasse - Nikolaistrasse - Oberstrasse - In der Pforte - Brauberg - Ketzerbach - Ascher - Mauergasse, 2. Auflage, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2003, S. 87-88. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Waltraud STEUBER, Gefängnistür und vergitterte Fenster sind erhalten - Zweiter Exkurs: Im Haus Heckmann sind noch Reste des alten Amtsgefängnisses zu entdecken, in: Mein Waldeck - Beilage der Waldeckischen Landeszeitung für Heimatfreunde, Nr. 24, 25. November 2016.
[3] Die Eltern, der Herkunftsort und der Todestag von Wilhelm Heckmann sind bei THOMAS (wie Anm. 1) nicht angegeben.
[4] Waltraud STEUBER, Baukosten von 449000 Reichsmark kalkuliert - Über den Neubau des Amtsgerichts und des Gefängnisses in Korbach - Viertel Teil, in: Mein Waldeck - Beilage der Waldeckischen Landeszeitung für Heimatfreunde, Nr. 25, 9. Dezember 2016.
[5] Waltraud STEUBER, Zellentrakt 1927 offiziell übergeben - Über den Neubau des Amtsgerichts und des Gefängnisses in Korbach - Fortsetzung, in: Mein Waldeck - Beilage der Waldeckischen Landeszeitung für Heimatfreunde, Nr. 25, 9. Dezember 2016.
[6] STEUBER (wie Anm. 2).
[7] Ursula WOLKERS, Kinderleben: Willi Heckmann, ein Lausejunge von der Korbacher Stechbahn - Die Korbacher Altstadt war ein Kinderparadies, in: Mein Waldeck, Beilage der Waldeckischen Landeszeitung für Heimatfreunde, Nr. 20, 29. September 2006.