Violinenstraße 22 (Korbach)

Das Haus Violinenstraße 22 im November 2016.
Anklicken für größere Version.

Das Haus Nr. 22 in der Violinenstraße ist ein 1784 von Johann Birkenhauer erbautes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

Die Grundstücke entlang der inneren Stadtmauer wurden erstmals Anfang des 18. Jahrhunderts bebaut, nachdem die Stadtbefestigung ihre Bedeutung als Verteidigungsanlage verloren hatte.

1. Erster bekannter Grundstückseigentümer war der Schäfer Christoph Birkenhauer (* um 1677; begr. 30.11.1739, 62 Jahre) aus Nieder-Orke. Er war verheiratet mit Anna Catharina (* um 1685; begr. 10.04.1761, 78 Jahre), Geburtsname unbekannt. Birkenhauer erwarb 1718 die Korbacher Bürgerrechte. Birkenhauer gehörte auch das Nachbarhaus Nr. 20.

2. Im Jahr 1750 wird der Maurermeister Johann Arndt Birkenhauer (* um 1711; 18.11.1781, 70 Jahre), Sohn von Nr. 1, neuer Eigentümer. Er heiratete am 23. November 1742 Marie Gertrud Zimmermann (* um 1715 in Strothe; 06.04.1783, 68 Jahre).

3. 1781 erbte der Maurermeister Johann Philipp Birkenhauer (~ 14.07.1748; 21.12.1828) das Grundstück. Er war der Sohn von Nr. 2. Am 1. Dezember 1779 vermählte er sich mit Johanna Catharina Scheele (* um 1751 in Ober-Waroldern; 26.07.1817, 66 Jahre), Tochter des Anton Scheele aus Ober-Waroldern. Birkenhauer erwarb 1781 die Bürgerrechte. 1784 errichtete er das heutige Haus und wenige Jahre später 1791 den angrenzenden kleinen Scheunenanbau.

4. Ebenfalls durch Erbnachfolge ging das Haus im Jahr 1829 auf den Maurer Johann Henrich Birkenhauer (* 17.07.1785; 11.10.1858) über, Sohn von Nr. 3. Er heiratete am 2. Juli 1809 Friederike Schneider (* 20.07.1784 in Mengeringhausen; 13.10.1858), Tochter des Schneidermeisters Jakob Schneider. [2]

5. 1863 wurde der Küfermeister August Wilhelm Carl Emde (* 19.05.1831; ?) neuer Eigentümer. Er war der Sohn des Tuchmachermeisters und Wollsortierers Johann Georg Wilhelm Gottfried Emde und der Susanne Margarethe Maus. Am 29. September 1861 heiratete er Henriette Louise Wilhelmine Birkenhauer (* 26.02.1820; 17.1.1867), Tochter von Nr. 4.

6. Im Jahr 1882 erwarb der Drechsler Julius Schmalz (* 20.06.1838; 04.07.1893) das inzwischen baufällig gewordene Haus und sanierte es. Ihm wurde die Genehmigung erteilt, ein Küchenfenster durch die Stadtmauer zu bauen. Schmalz war der Sohn des Drechslermeisters Wilhelm Christoph Schmalz und der Wilhelmine Salzmann. Am 17. November 1878 ging er die Ehe mit Elisabeth Hellwig (* 07.09.1841 in Borken; 02.02.1903) ein, Tochter de Schuhmachers Ludwig Hellwig in Borken.

7. 1903 kaufte der Fuhrunternehmer Wilhelm Ewe (* 24.12.1875 in Twiste; 27.04.1955) das Gebäude. Er war der nichteheliche Sohn der Marie Friederike Elisabeth Ewe (* 18.12.1855; ?) aus Twiste. Sein Stiefvater war deren späterer Ehemann Friedrich Rhode (* 12.11.1850 in Vasbeck; ?). [3] Wilhelm Ewe war in erster Ehe verheiratet mit Auguste Schäfer (* 07.07.1875 in Nordenbeck; 28.08.1912), Tochter des Schreiners Friedrich Schäfer und Emma Spielmann, beide aus Nordenbeck. [4] Nur wenige Wochen nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er am 10. November 1912 seine Nachbarin Karoline Wittekind (* 10.11.1892; ?), Tochter des Heinrich Wittekind (Violinenstraße 24) und der Karoline Vesper

8. Im Jahr 1951 wurde das Eigentum auf den Fabrikarbeiter Helmut Ewe (* 14.05.1920) übertragen, Sohn von Nr. 7. Er heiratete am 27. November 1943 Leopoldine Trenkler (* 17.05.1920 in Aussig-Zirkowitz/ Kreis Leitmeritz), Tochter des Gast- und Landwirts Franz Trenkler (Zirkowitz) und der Emilie Bernasch ( Hlinay). Er ließ erneut größere Umbauten an dem Haus vornehmen. Die Scheune wurde zum Wohnraum ausgebaut und es wurde ein weiteres Fenster durch die Stadtmauer gebrochen.

Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.




Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 111-112. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Bei Herbert VOIGT/Christian MEUSER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2014, S. 526, Nr. 6936, ist zwar ein Schneidermeister Johann Jacob Schneider mit seiner Frau Henriette Louise Berg verzeichnet. Das Geburtsdatum der jüngsten Tochter Johanna Friederica Henrietta wird jedoch mit dem 24. November 1783 angegeben. Vielleicht handelt es sich bei dem o.g. Datum um den Tag der Taufe.
[3] Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 27, Twiste, Schützengilde 1539 Twiste e.V. (Hrsg.), Twiste 1986, Nr. 549 (S. 68), Nr. 556 (S. 69), Nr. 2269 (S. 285)
[4] Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 19, Nordenbeck, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1979, S. 178, Nr. 648.