Lengefelder Straße 18 (Korbach)

Das Haus Lengefelder Straße 18 (links).
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Das Haus Nr. 18 in der Lengefelder Straße war ein um 1780 von dem Pförtner Christian Franke errichtetes und 1973 abgerissenes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1] Es handelte sich um das Pforthaus des Lengefelder Tores.

Geschichte

1. Das ursprüngliche Torhaus wurde beim Stadtbrand von 1664 zerstört. Das Lengefelder Tor und das Pforthaus werden im Verzeichnis der Brandgeschädigten des Jahres 1664 erwähnt. Wahrscheinlich gehörte das abgebrannte und das neuerrichtete Pforthaus der Stadt. Die Pförtner, die in der Regel im Hauptberuf Handwerker waren, wohnten entweder in den über dem Torbogen angebrachten Räumen oder in den neben den Toren erbauten Pforthäusern. Die Häuser waren in der Regel so lange steuerfrei, wie die Bewohner Pförtnerdienste für die Stadt leisteten.

2. Im Jahr 1727 kaufte der Gärtner und Blaufärber Matthias Wicht aus Usingen das Haus. Er war verheiratet mit Anna Elisabeth Nückel (* um 1680 in Helmscheid; begr. 08.05.1758, 78 1/2 Jahre). [2] Beide Eheleute haben 1727 die Korbacher Bürgerrechte erworben. Die Lebensdaten von Matthias Wicht sind nicht bekannt. Jedoch starb seine Frau als Witwe.

3. Als nächster Eigentümer ist zum Jahr 1740 Caspar Schäfer (* ?; begr. 12.08.1742) genannt. Er stammte aus Goddelsheim. Vielleicht handelt es sich um den dort am 7. Juni 1696 getauften Johann Caspar Schäfer, viertes Kind der Eheleute Caspar Schäfer und Anna Elisabeth Jost. [3] Er heiratete am 19. Juli 1720 Maria Catharina Tigges (* um 1699; begr. 27. Februar 1759, 58 Jahre). Im gleichen Jahr erwarb er die Bürgerrechte.

4. 1755 wurde das Haus auf den Schuhmacher Hermann Schäfer (~ 21.04.1721; begr. 24.04.1763) übertragen, Sohn von Nr. 3. Er war Pförtner des Lengefelder Tores und wird auch als Corporal und Landbote des Amtes Eisenberg genannt. Am 12. Januar 1752 ging er die Ehe mit Anna Catharina Schmale (~ 14.05.1719; 25.11.1783) ein, Tochter des Ackermanns Georg Schmale und der Maria Elisabeth Schotte.

5. Durch Eheschließung wurde im 1780 der Schuhmachermeister Johann Christian Philipp Franke (~ 06.11.1752; 06.01.1831) neuer Eigentümer, indem er am 27. Juni 1780 die Tochter von Nr. 4, Friederike Christiane Caroline Schäfer (* 29.09.1755; 16.09.1823) heiratete. Franke war der Sohn des Franz Christian Franke und dessen dritter Ehefrau Catharina Wilhelmine Crahn. Im gleichen Jahr erwarb er die Bürgerrechte. Er hatte zuvor als Musquetier gedient und war Pförtner des Lengefelder Tores. Franke hat das neue, 1973 abgerissene Pforthaus errichtet. Ob der nach dem Brand von 1664 erbaute Vorgängerbau abgebrannt ist oder abgerissen wurde, läßt sich nicht feststellen.

6. 1809 erhielt der Sohn von Nr. 5, der Schuhmachermeister Henrich Justus Wilhelm Franke (~ 15.07.1781; 08.10.1852) das Haus und im gleichen Jahr die Bürgerrechte. Er blieb ledig und kinderlos.

7. Im Jahr 1846 wurde das Eigentum auf den Schuhmachermeister Georg Wilhelm Carl Bohne (* 13.11.1800; 09.06.1863) übertragen. Er war der Sohn des Schuhmachermeisters Johann Henrich Leonhard Bohne (Mauergasse 1) und der Maria Wilhelmine Wagner/Wagener. Er heiratete am 26. November 186 Henriette Christiane Caroline Franke (* 20.11.1793; 03.03.1834), zweite Tochter von Nr. 5 und erhielt im gleichen Jahr die Bürgerrechte. Nur gut ein halbes Jahr nach dem Tod seiner Frau heiratete er am 23. November 1834 deren Schwester, Henriette Christiane Caroline Franke (* 15.07.1790; ?). Bohne verkaufte das Haus noch im Jahr des Erwerbs an Nr. 7. Von 1826 bis 1834 war er Eigentümer seines Elternhauses, Mauergasse 1.

8. 1846 kaufte der Tuchmacher, Wollsortierer, Flurschütz und Pförtner Johann Georg Wilhelm Gottfried Emde (* 13.06.1799; 12.10.1852) das Haus. Er war der älteste Sohn des Tuchmachers und Hofgerichtsboten August Emde (Entengasse 3) und der Maria Christine Schminke, verwitwete Apitsch (Apitz). Am 5. März 1826 vermählte er sich mit Susanne Margarethe Maus (* 16.10.1796 in Nieder-Wildungen; 04.10.1853 in Lelbach), jüngste Tochter des Tuchmachermeisters Johann Daniel Maus ( September 1802) und der Anna Catharina Brauer ( 1825) in Nieder-Wildungen. Emde erwarb das Haus für 204 Taler. Da er den Kaufpreis nicht zahlen konnte, wurde das Haus am 9. Juli 1852 - Emde war inzwischen verstorben - versteigert. Das Höchstgebot von 136 Talern gab der Gastwirt Louis Frese ab, der das gegenüberliegende Haus Im Sack 2 bewohnte.

9. Im Jahr 1855 kaufte Carl Bohne (Nr. 7) das Haus zurück.

10. 1864 ging das Haus auf den Schwiegersohn von Nr. 7/9, den Schuster Johannes Friedrich Christian Rauch (* 13.01.1832 in Rhenegge; ?) über, der am 18. Juli 1858 die Tochter von Nr. 7/9, Marianne Caroline Clara Christiane Bohne (* 14.10.1827; ?) geheiratet hatte. Er war der Sohn des Kästners und Schuhmachers Johannes Friedrich Rauch in Rhenegge und erwarb 1859 die Bürgerrechte. Die Familie verzog nach Kassel.

11. 1883 erwarb der Kammmacher Johann Jacob Hohmann (* 12.03.1826 in Wichmanshausen; 02.04.1889) das Haus. Er war der Sohn des Ackermanns Johann Jacob Hohmann in Wichmanshausen und erhielt 1859 die Korbacher Bürgerrechte. Am 13. Juni desselben Jahres heiratete er Christiane Henriette Friederike Pauline Schwaner (* 20.11.1830; ?), Tochter des Sattlermeisters Georg Schwaner und der Friederike Wilhelmine Charlotte Limperg. Das Paar hatte wenigstens ein Kind:

Anna Catharina Therese Hohmann (* 4.7.1868; 15.9.1942) Albert Seiler (Nikolaistraße 1)

12. Im Jahr 1899 wurde der Arbeiter Karl Brand (* 27.11.1880; 28.03.1958) als neuer Eigentümer verzeichnet. Er war der Sohn des Landwirts Karl Brand und der Catharina Schultze, beide aus Nieder-Ense. Am 6. Dezember 1905 vermählte er sich in Eimelrod mit Luise Behle (* 05.06.1883 in Eimelrod; 01.12.1940), Tochter der Lise Behle aus Eimelrod.

13. 1958 erbte der Arbeiter Karl Brand (* 26.07.1908; 13.03.1984), Sohn von Nr. 12, das Haus. Er heiratete am 16. Mai 1936 Auguste Kappeler (* 31.12.191 in Ober-Ense; 04.10.1996), Tochter des Maurers Friederich Kappeler aus Ober-Ense und der Marie Sauer aus Eimelrod.

Eventuelle weitere Eigentümerwechsel bis zum Abriß des Hauses im Jahr 1973 sind hier nicht bekannt.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 43-45. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Vgl. Heinrich GRAF (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 39, Helmscheid, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1989, S. 205-206. In Helmscheid ist zwar die Familie Nückel bekannt. Die Eltern der Anna Elisabeth Nückel und deren Kinder sind in den Kirchenbüchern offenbar nicht verzeichnet.
[3] Vgl. Eckhard SCHMIDT (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 28, Goddelsheim, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Arolsen 1986, S. 362-363, Nr. 2275.