Schulstraße 3 (Korbach)

Das Haus Schulstraße 3 im März 2016.
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Das Haus Nr. 3 in der Schulstraße ist ein im Jahr 1736 von Johann Henrich Schotte errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Über den Vorgängerbau ist nichts bekannt. Zur Zeit des Stadtbrandes von 1664 bewohnte wahrscheinlich die Familie Titmarkhausen das Grundstück. Erst 1736 wurde auf der Brandstätte ein neues Haus errichtet.

2. Der Bauherr Johann Henrich Schotte (* 05.03.1703; 22.01.1777) war der Sohn des Franz Schotte und der Barbara Vetter. [2] Er studierte Theologie in Jena, war 1725 Hauslehrer bei Superintendent Rissen in Korbach, 1725 bis 1727 Konrektor in Mengeringhausen, 1728 bis 1738 Lehrer der Quinta und Kantor am Korbacher Gymnasium, 1738 bis 1777 Diakon und Pfarrer in Lengelfeld und Lelbach. 1775 Korbacher Schützenkönig, 1775 Konventssenior. Am 15. Januar 1727 heiratete er in Mengeringhausen Catharina Elisabeth Märcker (~ 15.01.1727 in Mengeringhausen; begr. 01.03.1742), Tochter des Procurators Johann Friedrich Märcker zu Hagen und einer Frau Grollmann. Sie starb wahrscheinlich im Kindbett bei der Geburt des sechsten Kindes. Eine zweite Ehe ging Schotte nur ein halbes Jahr später, am 30. September 1742 mit Susanne Margarethe Ramspott (* 23.11.1697 in Rhoden; begr. 05.10.1769) ein, verwitwete Strube, Tochter des Faktors auf dem Rhoder Hammer, Otto Ramspott. Schotte war der Gründer der Sterbekasse für Waldeckische Prediger, die 1754 auf der Synode zu Nieder-Wildungen ins Leben gerufen wurde. Er soll ferner Uhren und mathematische Instrumente gebaut und repariert haben. Er starb an "Schlagfluß" (Schlaganfall). Seine Kinder, alle aus erster Ehe, waren:

a) Heinrich Georg Schotte (* 30.09.1727 in Mengeringhausen; 29.10.1787 in Wethen), Pfarrer in Wethen, 05.02.1754 mit Florentine Rhode (* 05.11.1735 in Thalitter; 01.11.1817 ebenda)
b) Johann Friedrich Schotte (~ 27.08.1732; ?), Hofjäger, Magdalena Elisabeth Schmidt aus Luisendorf.
c) Wilhelm Philipp Samuel Schotte (~ 25.07.1734; 24.04.1805), Hofjuwelier, I. Juliane Dorothea Eisenberg (* Dez. 1732; begr. 04.01.1780); II. 18.07.1781 Christiane Wilhelmine Karolina Klüppel (* Gudensberg; 06.05.1812)
d) Susanne Schotte (~ 22.10.1737; ?) 25.01.1758 Raban Heinrich Krantz, Pfarrer in Böhne (~ 09.09.1726; 31.01.1775 in Böhne)
e) Christian Ludwig Schotte (~ 07.02.1740; ?)
f) Sohn (*/ 1742)

3. 1763 wurde das Eigentum auf den Sohn von Nr. 2, den Hofjuwelier Wilhelm Philipp Samuel Schotte (~ 25.07.1734; 21.04.1805), übertragen. Schotte erwarb 1763 die Bürgerrechte. Seine erste Ehefrau war Juliana Dorothea Eisenberg (* Dezember 1732; begr. 04.01.1780). Sie wurde am 2. Januar 1780 tot aufgefunden und ohne alle Geläut in der Stille abends beigesetzt. Geburtsort und Eltern sind nicht bekannt. Eine zweite Ehe ging Schotte am 18. Juli 1781 mit Christina Wilhelmina Caroline Klüppel (* in Gudensberg; 06.05.1812). Sie war die Tochter des Rentmeisters Johannes Klüppel in Gudensberg und starb in größter Armut.

4. Im Jahr 1789 erwarb der Advocat Wilhelm Wolrad Christian Varnhagen (~ 23.05.1762; 02.09.1793) das Haus. Er war der älteste Sohn des Apothekers Christian Ludwig Varnhagen (Stechbahn 4) und der Maria Friederike Elisabeth Wigand. Am 13. August 1788 vermählte er sich mit Louise Winterberg, älteste Tochter des Rektors des Gymnasiums, Friedrich Samuel Winterberg, und der Caroline Philippine Ebel. Varnhagen war Amtmann in den Jahren 1791 bis 1793, später Fürstlicher Gerichtsverwalter und Erheber in dem Grund Astinghausen.

5. 1792 wird der Advocat Johann Mathäus (Matthias) Neumann (~ 27.04.1723 in Neerdar; 12.03.1805) als neuer Eigentümer verzeichnet. Er war der Sohn des Pfarrers Johann Conrad Neumann in Neerdar und der Elisabeth Catharina Bierau. Seine Frau war Margarethe Sophia Albertine von Wilmowski (~ 21.06.1750; 31.01.1809), Tochter des waldeckischen Oberstlieutenants Philibert Zachäus Noe von Wilmowski (Stechbahn 9) und der Christiane Elisabeth Philippine von Nolting. Neumann war von Spiegelscher Conduktor und Commissionsrat in Korbach. Ihm gehörte zuvor das Haus Stechbahn 9. Die Familie Neumann stammt aus Korbach, wo sie schon im 16. Jahrhundert ansässig war. Zwei Mitglieder dieses Geschlechts wurden um 1650 wegen Hexerei hingerichtet. Johannes Neumann, Buchbinder zu Korbach, war 1647 Bürgermeister. Dessen Sohn Georg (1606-1672) war ebenfalls Buchbinder in Korbach. Sein Sohn Johannes Justus Neumann hatte nacheinander die Pfarrstellen in Eppe und Neerdar inne. Diesem folgte 1713 bis 1723 sein Sohn Johannes Conrad Neumann (1684-1723). [3]

6. 1811 wurde der Sohn von Nr. 5, Theodor Friedrich Neumann (* 01.12.1783; 08.05.1867 in Arolsen) als neuer Eigentümer eingetragen. Er wurde 1811 Stadtsekretär von Korbach. Am 15. Oktober 1817 heiratete er in Schweinsberg bei Marburg Maria Elisabeth Tassius (* 1798 in Schweinsberg; 1862 in Arolsen), dritte Tochter des Freiherrlich von Schenkischen Amtsverwesers Licentiat in Schweinberg, Henrich Tassius. Neumman war Landyndicus und ab 1832 als "Geheimer Rat" Chef des Kabinetts und Direktor der Domänenkammer in Arolsen. 1850 ging er als Direktor der Finanzkammer in den Ruhestand.

7. 1825 Christian Friedrich Albert Klapp.

8. Von den Erben von Nr. 7 erwarb im Jahr 1848 der Organist und Musikdirektor Wilhelm Johann Jeremias Nicolaus Kühne (* 01.05.1807 in Erfurt; 15.10.1871) das Haus. Er wr zweimal verheiratet. Über seine erste Frau ist in Korbach nichts bekannt. In zweiter Ehe war er mit Luise Kemp aus Weimar verheiratet. Kühne war zweiter Lehrer der Bürgerschule sowie Mitbegründung und erster Dirigent des Gesangsvereins "Concordia". Sein Grabstein steht auf dem nördlichen Teil des alten Friedhofs (Totenhagen). Kühne hatte 12 Kinder, von denen bei seinem Tod noch 8 lebten, von denen jedoch keines in Korbach blieb. Mit seinem geringen Gehalt als Lehrer und Organist konnte er seine Familie nicht ernähren und fand sich daher in finanziellen Schwierigkeiten. Er sah sich daher genötigt, das Haus bereits 1851 an die Stadt Korbach zu veräußern. Seine finanziellen Verhältnisse besserten sich hierdurch jedoch nicht. Bereits 1858 wurden seine restlichen Grundstücke und seine Holzanteile zwangsversteigert.

9. 1851 erwarb für 1.700 Taler die Stadt Korbach das Haus, um in ihm die Bürgerschule einzurichten, die 1846 aufgrund des waldeckischen Schulgesetzes von 1843 gegründet worden war. Die unterste Klasse des Gymnasiums, die Octava, wurde in die Bürgerschule überführt. Der Unterricht fand zunächst noch im alten Schulgebäude der Altstadt statt (Kirchplatz 4), dessen Räume den neuen Anforderungen jedoch nicht mehr gerecht wurden. Versuche des damaligen Rektors der Bürgerschule, Christian Krummel, am Kirchplatz weitere Gebäude zu erwerben, um dort ein neues Schulgebäude zu errichten, scheiterten (siehe die Ausführungen zu Kirchplatz 4), so dass ein neues Gebäude gefunden werden musste.

10. Nachdem die Bürgerschule in das neu errichtete Schulgebäude am Westwall umgezogen war, kaufte 1904 der Schreinermeister Friedrich Schmalz (* 27.12.1867; 21.06.1941) das Haus. Er war der Sohn des Schreinermeisters Ludwig Friedrich Christian Wilhelm Schmalz und der Wilhelmine Ernestine Friederike Louise Weinberger. Am 28. Oktober 1894 vermählte er sich mit Anna Köhler (* 27.10.1870 in Hamburg; 02.02.1945), Tochter des Schuhmachers Ludwig Köhler in Korbach und der Voskea Hendriksen aus Friesland. Er errichtete 1928 an der Stadtmauer hinter dem Fachwerkhaus ein Werkstattgebäude, das 2016 zu einem Wohnhaus umgebaut worden ist.

11. 1945 erbte der Schreinermeister Friedrich Schmalz (* 23.02.1895; 15.09.1973), Sohn von Nr. 10, das Anwesen. Er heiratete am 24. Dezember 1920 Luise Kaiser (* 28.02.1898; 07.03.1986), Tochter des Schreinermeisters Karl Kaiser und der Luise Koch.

12. Schreinermeister Friedrich Schmalz (* ?; nach 2002?). Er führte die Schreinerei bis 2002. Bis 2009 blieb die Schreinerei in den Räumlichkeiten in der Schulstraße. In jenem Jahr wurde sie unter alter Firmierung in die neuen Betriebsräume an der Briloner Landstraße verlegt.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 49-53. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Alle Angaben über Henrich Schotte nach: Friedrich LANGENBECK, Die evangelischen Geistlichen des jetzigen Kirchenkreises des Eisenbergs seit der Reformation, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 42. Band (1950), S. 31-140 [84] und Hilmar-G. STOECKER, Die Lehrer des Gymnasiums zu Korbach (1579-1900), Geschichtsblätter für Waldeck, 65. Band (1976), S. 5- 102 [63-64].
[3] Alle Angaben über die Familie Neumann nach: Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtsekretäre in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1953, S. 19.