Tempel 1 (Korbach)

Das Haus Tempel 1 im Dezember 2016.
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Das Haus Nr. 1 in der Straße Tempel ist ein im 17. Jahrhundert errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach [1]

Geschichte

Das Gebäude war bis um das Jahr 1740 mit dem angrenzenden Wirtschaftgebäude Tempel 3 verbunden. Das Doppelhaus befand sich damals im Eigentum der Familie Schreuwangen, die hier vermutlich ihre Schmiede betrieb. Bis 1741/1743 blieben die beiden Häuser in der Hand jeweils einer Familie, erst in jenen Jahren wurde das Eigentum geteilt.

1. Erster bekannter Eigentümer war um 1662 der Schmiedemeister Cunrad Schreuwangen, auch genannt Schröwangen (* um 1625; begr. 25.06.1702, 77 Jahre). Er war der Sohn des Schmiedemeisters Simon Schröwangen und der Anna Gobbel. Verheiratet war er mit einer Anna Catharina aus Oberwaroldern (* um 1643; begr. 06.01.1704, 61 Jahre). Schreuwangen war seit 1662 Bürger der Stadt und in den Jahren 1664 und 1669 Dechant der Schmiedeinnung. Die Familie Schreuwangen wird bereits im 16. Jahrhundert in Korbach genannt. Vielleicht hat sie sogar schon damals in diesem Stadtviertel gewohnt. Aus einer Urkunde vom 2. März 1576 geht hervor, daß Jost Schreuwange, genannt Budde, Bürger zu Corbach, und seine Ehefrau Elßbeth für ein Darlehen ihr Haus als Sicherheit eingesetzt haben, welches ausweislich eines Vermerks auf der Rückseite der Urkunde "in der Drenckestraße 32" gelegen und hiernach Joan Spieker, später Johan Limperg gehört habe. [2] Aus einer weiteren Urkunde vom 28. Mai 1595 geht hervor, daß Borius Streipeken und seine Frau Anna ein Haus Haus "uff der Altenstadt Corbach in der Trenckstrassen" (Tränkestraße) besaßen, das zwischen dem Brawhause (Tränkestraße 18) und Josten Schreuwangens Hause gelegen hat. Falls es sich um dasselbe Gebäude wie vor handelt, hätte das Haus des Jost Schreuwangen im Bereich Tränkestraße 14 oder 16 gelegen; vielleicht auch auf dem heute freien Platz im Winkel zwischen den Häusern Nr. 14 und Nr. 16.

2. Als Nachfolger im Eigentum ist Johannes Homberg (Homburg) aus Breidenbach verzeichnet, der mit Edeling Schreuwangen, Tochter von Nr. 1, verheiratet war. Homberg hat zwar am 12. November 1703 die Korbacher Bürgerrechte erworben. Die Todesdaten von ihm und seiner Frau sind jedoch nicht in Korbach verzeichnet. Wahrscheinlich ist das Ehepaar mit den 1704 und 1708 in Korbach geborenen Töchtern fortgezogen.

3. Im Jahr 1710 erwarb der Schweineschneider Maximilian Leonhard Premann (* um 1686, Geburtsort unbekannt; begr. 19.09.1738, 52 Jahre) das Haus, vermutlich von dem fortziehenden Nr. 2. Er heiratete am 25. November 1709 Anna Elisabeth Brand, geborene Kiepe (* um 1664 in Schwalefeld; begr. 11.10.1740, 76 Jahre), Witwe des Schweineschneiders Engelhard Brand, Tochter des Wilhelm Kiepe aus Schwalefeld. Premann hinterließ keine Kinder.

4. Der Zimmermeister Berthold Jägerling (* um 1714 in Wega; 29.03.1784, 70 Jahre) kaufte im Jahr 1743 gemeinsam mit seinem Schwager Johannes Wese den vorderen Gebäudeteil, das heutige Haus Nr. 1. Am 11. Oktober 1737 hatte Jägerling die Anna Maria Leye (~ 07.11.1719; 19.12.1784) geheiratet, Tochter des Schreinermeisters Samuel Leye und der Maria Elisabeth Schüssler. Das Haus blieb bis 1749 im gemeinsamen Eigentum der Schwäger, danach gehörte es offenbar Jägerling allein. Berthold Jägerling und Anna Maria Leye hatten wenigstens ein Kind: Wilhelmine Elisabeth (Maria) Jägerling ( (~ 22.04.1742; 03.02.1778, Kindbett), die am 16. Oktober 1765 den Seilermeister Johann Franz Wilhelm Christian Saake (~ 06.12.1730; 16.11.1808) heiratete (Rathausgasse 14).

5. Nach dem Tod von Nr. 4 ging das Gebäude im Jahr 1785 auf den Schneidermeister Carl Friedrich Limpert (Limperg) über (~19.10.1753; 10.08.1805 im Hospital), der mit der Tochter von Nr. 4 verheiratet war. Er war der Sohn des Schlossermeisters Jost Caspar Limperg und der Anna Erich Struth, verwitwete Leege. Er heiratete am 27. Mai 1785 Marie Friederike Catharine Jägerling (~ 20.06.1755; 02.07.1816), Tochter von Nr. 4. Er wurde von ihr wegen Ungebühr geschieden und bewohnte ab 1795 das Haus Tempel 16.

6. 1795, offenbar nach der Scheidung der Eheleute Limpert, kaufte Maria Juliane König das Haus. Sie war die Witwe des August Jacob König sowie Tochter des Hutmachers Christoph Barneck und der Johanna Catharina Querl, verwitwete Müller. Die Ehe mit dem Soldaten August Jacob König ( vor 1779) war sie am 14. August 1767 eingegangen. Er war der Sohn des Schäfers Johann Christian König. Marie Juliane König war von 1779 bis 1793 auch Eigentümerin des Hauses neben Tränkestraße 17.

7. 1803 wird Maria Catharina Schäfer (* um 1752 in Goddelsheim; 26.11.1822, 70 Jahre), geborene Geltmacher, als neue Eigentümerin eingetragen. [4] Sie hatte am 14. Mai 1779 Jacob Schäfer (* um 1744 in Niederense; 24.11.1797) [5] , Bürger 1787, geheiratet.

8. Der Schäfer und Tagelöhner Johann Hermann Tempeler (* um 1767 in Höringhausen; 10.02.1855, 88 Jahre) erwarb 1828 das Haus. Er heiratete am 7. Februar 1803 Eva Catharina Meyer (* 26.02.1776 in Lengefeld; 26.06.1816), Tochter des Handelsmanns Hermann Meyer (Lengefeld) und der Elisabeth Figge (Nieder-Schleidern). Eine zweite Ehe ging er am 1. Dezember 1816 mit Anna Catharina Friederike Grieneisen (* 02.04.1781; 07.06.1837) ein, Tochter des Tagelöhners Adam Henrich Grieneisen und der Anna Catharina Müller.

9. Im Jahr 1836 wurde Carl Tempeler, Sohn von Nr. 8, neuer Eigentümer.

10. 1884 wurde das Gebäude auf Johann Christian Ludwig Heinrich Tempeler (* 17.03.1844; 12.11.1928) überschrieben. Er war der Sohn von Nr. 9. Am 9. Februar 1873 vermählte er sich in Züschen mit Wilhelmine Hermine Sophie Rhode (* um 1849 in Züschen; 20.04.1890, ca. 41 Jahre), Tochter des Landwirts Heinrich Rhode und der Catharina Schade. Eine zweite Ehe ging er am 19. April 1897 mit Johannette Luise Schröder (* 04.01.1855 in Wirmighausen; 24.02.1941) ein, Tochter des Ackermanns Christian Schröder und der Marie Philippine Steede, beide aus Wirmighausen.

11. Im Wege der Erbfolge wurde 1929 der Gastwirt Heinrich Carl Wilhelm Hermann August Tempeler (* 07.10.1880; 20.10.1958), Sohn von Nr. 10, Eigentümer. Er heiratete am 26. April 1908 Marie Schäfer (* 03.03.1882 in Lengefeld; nach 1961), Tochter des Bierverlegers und Handarbeiters Wilhelm Schäfer aus Buchenberg und der Luise Westmeier aus Goldhausen.

12. Mit dem Tod von Nr. 11 ging das Haus auf dessen Witwe, Marie Tempeler, geborene Schäfer, über. Als deren Nacherben wurden die Kinder bestimmt:
a) Martha Jöck, geborene Tempeler (* 12.03.1909; ?)
b) Marie Hetschold, geborene Tempeler (* 20.01.1912; ?)
c) Hildegard Schulze, geborene Tempeler (* 04.07.1914; 26.02.1943)
d) Heinz Tempeler (* 10.10.1920; 09.07.1943; gefallen bei Orel)

Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.

Erscheinungsbild

Das von der Tempel-Seite recht unscheinbare und schiefe Haus verfügt über eine Schmuckfassade an der östlichen Giebelseite. Diese ist jedoch, da sie dem davorstehenden Haus Tränkestraße 6 zugewandt und von jenem nur durch einen schmalen Fußpfad getrennt ist, für den Passanten kaum zu sehen. Eine gewundene hölzerne Ecksäule an der Südostseite wurde nach dem zweiten Weltkrieg (wann?) entfernt. Die Hausinschrift an der östlichen Giebelseite lautet:

ALLES WAS MEIN TUN UND ANFANG ISD, DAS GESCHEHE IM NAHMEN JEYSÜ KRISD: DER STEHE MIR BEI FRIHE UNT SBAT, BIS ALE MEIN DHUNT EIN ENT HAD. TIESES WÜNSCH ICH FÜR UND FÜR, TER TRYETE GOTES SEI MIT MIR.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 8, Rathausgasse - Im Paß - Im Tempel - Kilianstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1961, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1961, S. 57. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS . Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 2, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2002, S. 113, Nr. 761.
[3] KRÖPELIN (wie Anm. 2), S. 120, Nr. 778.
[4] Bei Eckhard SCHMIDT (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 28, Goddelsheim, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Arolsen 1986, ist keine Maria Catharina Geltmacher/Geldmacher genannt, die in Betracht kommt.
[5] Vgl. Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 16, Niederense, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1978, S. 175, Nr. 750. Vermutlich Johann Jakob Schäfer (* 01.05.1745), Sohn des Johann Heinrich Schäfer und der Anna Sabine Löhnstein (Löwenstein?) aus Harbshausen. Vielleicht Tochter des Johann Berthold Löwenstein in Harbshausen, der eine Frau namens Anna Elisabeth und eine weitere Tochter namens Anna Juliana hatte.