Johann Butterweck

Die Fiale über dem Baldachin der Marienfigur am Südportal der Kilianskirche in Korbach wurde von oder für Johann Butterweck angebracht.
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Johann Butterweck (* 1567, wahrscheinlich in Giebringhausen; 26. Juli 1632 in Korbach) war ein Kaufmann in Giebringhausen und Korbach.

Leben

Vorfahren

Die Familie Butterweck (Botterweck / Botterwegt) erscheint mit Hans Butterweck bereits zum Jahr 1449 in Giebringhausen. Er war Ackermann und verheiratet mit N. Bick, Schwesters des Heinrich Bick in Flechtdorf. [1] In den Jahren 1475 und 1480 wird ein Tepel Butterweck erwähnt. [2] Er soll noch einen ebenfalls als Ackermann tätig gewesenen Bruder namens Hinnerck gehabt haben. [3] Um 1506 wird ein Henrich Butterweck im Zusammenhang mit der Entrichtung der Türkensteuer genannt; er starb um 1510. [4] Ein Johann Butterweck, der zwischen 1470 und 1530 gelebt haben mag, wahrscheinlich ein Bruder des vorgenannten Henrich, zahlt 1506 zwei Gulden Steuer und 1517 fünf Gulden. [5] Sohn des vorgenannten Henrich war Hans Butterweck, der 1517 drei Gulden Steuern zahlt und 1537 und 1541 im Landregister erwähnt wird. [6] Dessen Cousin und Sohn des vorgenannten Johann Butterweck war Kurt Butterweck, der ca. 1500 bis 1570 lebte, 1537 und 1541 im Landregister erwähnt wird und in den Jahren 1545, 1547 und 1548 Türkensteuer zahlt. Er wird noch einmal 1562 erwähnt und war der Großvater des hier behandelten Johann Butterweck (1567-1632). Sohn des Kurt und Vater des Johann Butterweck war Jost Butterweck (ca. 1530-1590), der 1569 den Bredelarschen Hof innehatte. [7]

Die Familie war mit dem Wollhandel reich geworden und wird schon 1456 als Mitglied der "Liebfrauenbrüderschaft" des Klosters Flechtdorf genannt. [8] Ein anderer Johann Butterweck ist schon 1537 in Korbach als Dekan der Elendenbrüderschaft bezeugt. [9]

Leben und Nachfahren

Johann Butterweck (1567-1632) heiratete Catharina Dillen (Dillenius), Tochter des Heringhäuser Pfarrers Daniel Dillen. [10] Die Eheschließung mag um 1600 erfolgt sein, denn die Kinder aus dieser Ehe heiraten und erwerben die Bürgerrechte ihrerseits schon in den 1620er Jahren. Johann Botterweck erwarb 1611 die Korbacher Bürgerrechte, [11] behielt jedoch auch seinen Landsitz, den Vollspännerhof in Giebringhausen. [12] Mit Vertrag vom 27. November 1622 kauften Johannes Butterweck und seine Frau ein Haus in der Altstadt Korbach von Johannes Staden. Die genaue Lage des Hauses wird im Kaufvertrag wie folgt bezeichnet: über dem Markte hinter der Wage zwischen Kaldens Hof einerseits und der Stadt Wendthaus andererseits, sowie den Hof hinter dem Haus bis an die Enserstrasse, wo Fickerneys Haus gestanden hat, zwischen der steinernen Kammer und dem Hof der Käufer und dem städtischen Hof und dem Hause von Marcus Heinemann. [13] Vermutlich handelte es sich um den Vorgängerbau des Hauses Enser Straße 2c. Auf dem Grundstück liegt seit 1974 die Neuanbindung der Enser Straße zur Stechbahn und der öffentliche Parktplatz zwischen Waage (Marktplatz 5) und Steinhaus (Violinenstraße 3). Vielleicht ist mit "der Stadt Wendthaus" ein Gewandhaus, eine Lagerhalle für die Tuchmacher gemeint und bezeichnet möglicherweise das Steinhaus Violinenstraße 7 (Spukhaus). In jedem Fall dürfte das Haus zwischen Enser Straße, Stechbahn, Violinenstraße, Am Steinhaus und der "Waage" (Marktplatz 5) gelegen haben. Vermutlich wurde es während des Dreißigjährigen Krieges oder während des Stadtbrandes von 1664 zerstört.

1624 übereignete die Stadt Korbach ihm Grundbesitz, weil er der Stadt 2.000 Taler vorgeschossen und sie mit dieser Summe vor Ausplünderung durch den Obrist-Wachtmeister von Westerhold bewahrt hatte, der zu dieser Zeit mit seinem Regiment in der Stadt lag. [14] 1631 war er Unterbürgermeister. Kurz vor seinem Tod, 1632, schenkte er der Kilianskirche 50 Taler. [15] Eine Inschrift mit seinem Namen und der Jahreszahl 1632 ("B.M. [= Bürgermeister] Johan Botterwegt anno 1632") findet sich an einer Fiale über dem Baldachin der Marienfigur am Südportal der Kilianskirche. Es wird spekuliert, daß Butterweck in diesem Jahr entweder die Reliefdarstellung des Tympanon veranlaßt hat [16] oder die Restaurierung des gesamten Figurenportals hat durchführen lassen. [17] Da Butterweck jedoch schon Mitte des Jahres 1632 verstarb, erscheint es denkbar, daß im Hinblick auf seine Spende ihm zu Ehren lediglich die Fiale mit seinem Namen über die Marienfigur gesetzt worden ist. Vielleicht hat er auch die Marienfigur gespendet bzw. deren Restauration veranlaßt. Nachrichten hierüber fehlen. Der Erhaltungszustand der Fiale weist sie als deutlich jünger als den darunter liegenden Baldachin der Marienfigur aus (siehe Lichtbild oben in der Vergrößerung). Butterweck und seine Frau Katharina wurden in der Kilianskirche beigesetzt. [18]

Bei NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 10) findet sich die Angabe, Butterweck sei seit 1614 in zweiter Ehe mit Barbara Henske verheiratet gewesen, die ihn überlebt habe. Diese Angabe steht jedoch im Widerspruch zu dem o.g. Grundstückskaufvertrag aus dem Jahr 1622, den noch Katharina mitunterzeichnet hat. Es ist auch nicht ersichtlich, auf welcher Quelle die Angabe der zweiten Ehe beruht. Möglicherweise liegt auch ein Tippfehler vor und die zweite Ehe wurde erst 1624 geschlossen. Nach NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 10) soll sich die Hausmarke Johann Butterwecks auf der - heute ebenfalls nicht mehr vorhandenen - Grabplatte in der Kilianskirche befunden haben. Wann die Grabplatte zuletzt gesichtet worden sein soll, wird nicht erläutert.

Johann Butterweck und seine Frau Katharina hatten neun Kinder: [19]

1. Anna Maria (* ?; begr. 01.01.1628 in Korbach) 27.10.16.. Anton Plassfuß (* um 1590 in Niedermarsberg; November 1643 in Korbach), Ratmann in Korbach, zuletzt Verwalter zu Nordenbeck
2. Franz I. Butterweck (* ?; nach 1667 in Korbach), Bürger zu Korbach, 1633 Ratsmitglied 31.10.1626 Elisabeth Bilstein (* um 1605; begr. 09.06.1683), 80 Jahre, Tochter des Henrich I. Bilstein.
3. Catharina (* ?; nach 1672 in Korbach) I. 15.05.1625 Johann I. Bilstein; II. um 1638 Arndt Nettmann, Tuchhändler und Oberbürgermeister in Korbach.
4. Johann Butterweck (* um 1604; nach 1650), 1624 Student in Marburg, 1628 in Straßburg. Er hatte ein Haus in der Neustadt in Korbach. Über Ehen und Kinder ist nichts bekannt.
5. Maria Gertrud (* ?; nach 1640) 29.10.1620 Dr. Josias Nolden (Katthagen 13)
6. Juliane (* ?; um 1640) 1631 Johann Arndt Nolden (begr. 08.06.1648), Oberbürgermeister in Korbach.
7. Caspar Butterweck (* ?; 1646 Giebringhausen [Pest]) Eva Sabine Arcularius (* um 1619 in Rhoden; 24.09.1688 ebenda), Tochter des gräflichen Leibarztes Johann Arcularius und der Margarethe Schotte. [20] Letztere war eine Tochter des Stefan Schotte und der Margarethe Korthaus.
8. Christoph Butterweck (* ?; ?), 1667 Verwalter zu Schaaken, Maria N.
9. Margarethe (* ?; vor 1641).

Anmerkungen

[1] Hermann STEINMETZ, Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege (Schluß), in: Geschichtsblätter für Waldeck, 64. Band (1975), S. 7-98 [28-30].
[2] STEINMETZ, a.a.O.
[3] Gerhard BEHLE/Fridrich WILKE (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 77, Deutsche Ortssippenbücher, Reihe A, Band 471, Giebringhausen, Heimat- und Verkehrsverein Giebringhausen/Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2010, S. 191, Nr. 189.BEHLE/WILKE (wie Anm. 1).
[4] Vgl. STEINMETZ (wie Anm. 1) und BEHLE/WILKE (wie Anm. 3).
[5] STEINMETZ (wie Anm. 1).
[6] STEINMETZ (wie Anm.1 ); vgl. auch BEHLE/WILKE (wie Anm. 3).
[7] STEINMETZ (wie Anm. 1); vgl. auch BEHLE/WILKE (wie Anm. 3).
[8] BEHLE/WILKE (wie Anm. 3), S. 25.
[9] Albert LEISS, Studierende Waldecker, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, 5. und 6. Band (1906), 159-298 [187].
[10] Helmut NICOLAI/Wilhelm HELLWIG/Ingeborg MOLDENHAUER (Bearb.), Waldeckische Wappen - Beiträge zur Familiengeschichte, Teil 3 - Wappen der waldeckischen Städte und Großgemeinden, Familienwappen und Hausmarken, Waldeckischer Geschichtsverein (Hrsg.), Arolsen 1991, S. 145, Nr. 76 (Butterweck I); vgl. auch STEINMETZ (wie Anm. 1); ders. Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 61. Band (1969/70), S. 47-103 [60]; BEHLE/WILKE (wie Anm. 3), S. 191, Nr. 190, kennen den Geburtsnamen der Ehefrau nicht ("Catherine N.N.").
[11] NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 10); BEHLE/WILKE (wie Anm. 3), S. 24. Im gleichen Jahr zog noch ein anderer Johannes Butterweck mit dem Beinamen Lahme von Giebringhausen nach Korbach (NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER [wie Anm. 10]).
[12] STEINMETZ (wie Anm. 1); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 10); BEHLE/WILKE (wie Anm. 3), S. 24.
[13] Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 5, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1998, S. 339, Nr. 11 076.
[14] STEINMETZ (wie Anm. 1). Nach Wolfgang MEDDING, Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, 2. Auflage, Korbach 1980, S. 211, war das Regiment Westerhold erst im Jahr 1626 vom 22. März bis 1. Mai in Korbach einquartiert, wodurch 38.000 Taler Kosten und Schaden verursacht worden sein sollen.
[15] Louis CURTZE/Ferdinand von RHEINS, Geschichte und Beschreibung der Kirche St. Kilian zu Corbach, Arolsen 1843, S. 282.
[16] CURTZE/RHEINS (wie Anm. 15), S. 22: "Die an dem Portale befindliche in Sandstein gearbeitete Auferstehung zeigt in Erfindung und Ausführung einen höchst verderbten Geschmack und gehört einer späteren Zeit an. Es ist möglich, daß Johann Butterweck, zweiter Burgemeister der Stadt Corbach, dies Werk hat ausarbeiten und hinsetzen lassen, da sein Name an einem der Steine darunter mit der Jahreszahl 1632 angebracht ist."
[17] MEDDING (wie Anm. 14), S. 114: "Das Portal ist 1632 unter Vizebürgermeister Johann Botterweg wiederhergestellt worden. Sein Name und die Jahreszahl sind über der Marienstatue in Stein eingehauen worden."; ders., S. 227: Durch ihn mag das Portal restauriert worden sein."; ders., S. 240: "Schon 1632 ließ der Vizebürgermeister Johann Butterweck, wohl als Kirchenprovisor, das Figurenportal der Kirche wiederherstellen."; ders., in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 107-119 [111], ging damals noch davon aus, daß sich die Inschrift nur auf die Erneuerung des Baldachins über der Marienfigur bezieht. MEDDING macht hier - wie an vielen Stellen seiner Korbacher Stadtgeschichte - nicht hinreichend deutlich, daß er lediglich spekuliert und es an Quellenmaterial fehlt.
[18] STEINMETZ (wie Anm. 1); MEDDING (wie Anm. 14), S. 227; (wie Anm. 10); STEINMETZ (wie Anm. 1) verweist auf den Grabstein der Katharina Buttweck mit ihrer Hausmarke und den Buchstaben C.D. (Catharina Dillen), der sich in der Kilianskirche befinde. Bei CURTZE/RHEINS und Wolfgang MEDDING (Bearb.), in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 107-119, ist das Grab jedoch nicht erwähnt. Es ist auch nicht ersichtlich, wo es sich in oder an der Kirche befinden soll. STEINMETZ gibt auch die Lebensdaten der Katharina Butterweck nicht an, die sich auf dem Grabstein befindetn müßten.
[19] STEINMETZ (wie Anm. 1).
[20] BEHLE/WILKE (wie Anm. 3), S. 191, Nr. 190.