Familie Viëtor (Korbach)

Die Familie Viëtor war ein vor allem in Nordhessen verbreitetes Geschlecht, das im 17. Jahrhundert in zwei Generationen den waldeckischen Kanzler stellte.

Geschichte und Familienmitglieder

Stammvater des Geschlechts war Caspar Viëtor (*um 1500 in Homberg/Efze; 16.02.1574 in Uttershausen). [1] Er war angeblich Müller in Homberg/Efze, bevor er 1541 Pfarrer in Uttershausen wurde. Er heiratete um 1525/30 eine Bertrod N. ( 09.02.1547 in Uttershausen). Eine zweite Ehe ging er am 1. Mai 1547 in Uttershausen mit Eva Hefentreger ( 16.11.1567 in Uttershausen) ein, Witwe von Justus Syring, Rektor zu Weilburg, und Tochter des Henn Hefentreger zu Fritzlar. Die zweite Ehe blieb kinderlos. Aus der ersten Ehe stammt:

Zacharias Viëtor (* 1535 in Lichtenau; 21.05.1617 in Korbach). Im Jahr 1603 gab er sein Alter mit 68 Jahren an. 1554 ist er Rektor in Frankenberg/Eder, 1562 Pfarrer und Superintendent an St. Kilian in Korbach. Am 18. Mai 1557 heiratete er Sibylle Usener ( 15.10.1571 in Korbach). Eine zweite Ehe ging er am 18. Januar 1572 in Korbach mit Adalberte Rosencrantz ( 29.05.1617 in Korbach) ein, Witwe des N. Dracht und Tochter von Kurt Rosencrantz in Korbach. Zacharias Viëtor hatte sieben Kinder, von denen vier jedoch bereits als Säuglinge bzw. Kleinkinder starben; drei aus erster Ehe und vier aus zweiter Ehe:

1. Rabanus Viëtor (* um 1560 in Frankenberg; 05.09.1597 in Hemfurth [Pest]). Er nannte sich auch Bödner und war am 4. Dezember 1563 das einzige Kind seiner Eltern. 1579 ist er Student in Marburg, wo er auch Magister wird. 1589 ist er Konrektor und 1591 Rektor in Mengeringhausen, 1591 Pfarrer in Hemfurth. Am 2. März 1590 (Verlobung 7. Januar 1590) heiratete er in Mengeringhausen Katharina Nicolai (* um 1563 in Mengeringhausen; 05.06.1626 ebende), Tochter des Dietrich Nicolai, Pfarrer zu Mengeringhausen. Sie heiratete am 19. April 1598 in zweiter Ehe in Hemfurth Justus Meliturgus, den Amtsnachfolger von Rabanus. Rabanus' Ehen blieb kinderlos.

2. Totgeburt, Korbach, 07.08.1567

3. Joseph (* 10.10.1571 in Korbach; 01.01.1572 ebenda)

4. Katharina Viëtor (* 19.12.1573 in Korbach; begr. 18.10.1625 ebenda [Pest]). Sie heirate um 1599 in Korbach den Magister Johannes Scriba, Pfarrer zu Korbach. Aus dieser Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor:

1. Ditmar Scriba, bewohnte das Haus Lengefelder Straße 3 in Korbach.
2. Conrad Scriba (~ 09.08.1601 in Korbach; 30.06.1655 in Eimelrod), verheiratet mit Maria Schmidt aus Eimelrod. Deren Sohn Balthasar Scriba bewohnte das Haus Dalwigker Straße 5 in Korbach.

5. Tochter (* Februar 1575 in Korbach; 29.11.1577 ebenda)

6. Totgeburt, Korbach, 07.08.1576

7. Zacharias II. Viëtor (* 31.01.1584 in Korbach; 11.06.1641 in Arolsen; begr. 17.06.1641 in Korbach). Er war 1599 Student in Marburg und machte dort 1601 seinen Magister. 1603 war er Lehrer am Gymnasium in Korbach, 1605 Prorektor in Soest, 1609 juristisches Studium in Löwen und Leyden, 1615 Doktor beider Rechte (I.U.D.) in Basel, 1615/16 Advokat am Reichskammergericht in Speyer, wo er gräflich-waldeckischer Prokurator war. Von 1616 bis 1641 war er Kanzler zu Arolsen. Am 1. März 1620 heiratete er in Nieder-Wildungen Juliane Jäger (~ 12.12.1602 in Idstein/Taunus; 1682; begr. Kirche in Lengefeld), Tochter des Nassauischen Kanzlers Dr. Raimund Jäger und dessen erster Frau Elisabeth Lißmann. Zacharias II. Viëtor und Juliane Jäger hatten vier Kinder:

1. Johannes Viëtor (* um 1621 Schloß Nordkirchen; 25.04.1675 in Darmstadt).
2. Maria Juliane Viëtor (* 28.06.1623; begr. 22.04.1690 in Mengeringhausen). Sie heiratete am 7. Mai 1650 den Landkanzleirat I.U.Lic. Wolrad Waldeck; vgl. Enser Straße 3.
3. Anna Erich Viëtor (* um 1624; 27.01.1712 in Korbach). Sie heiratete 1643 den Landrentmeister Tilemann Judenherzog (Kirchstraße 7).
4. Maria Magdalena Viëtor (* um 1628; 11.04.1702 in Niederwildungen). Sie heiratete 1647 den Kammerrat Daniel Waldschmidt.

Anmerkungen

[1] Alle Angaben, soweit nicht anders angegeben, nach: Hermann STEINMETZ, Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, Band 61 (1969/70), S. 47-48, Nr. 502, S. 56-57, Nr. 515.