Stechbahn 36 (Korbach)

Das Haus Stechbahn 36 um 1940 (?).
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Das Haus Nr. 36 auf der Stechbahn war ein um 1670 von Christoph Dietzel errichtetes und 1974 abgerissenes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1] Das Haus befand sich an der Stelle, an der heute die Enser Straße in die Stechbahn einmündet, zwischen den Häusern Marktplatz 5 und Am Steinhaus 1.

Geschichte

1. In dem Vorgängerbau brach am 7. Mai 1664 ein Brand aus, der die ganze Stadt erfaßte und 198 Häuser vernichtete. [2] Zu dieser Zeit wohnte hier der Bäckermeister Christoph Dietzel (* um 1627; begr. 05.05.1692, 64 Jahre), Sohn des Apothekers und Würzkrämers Conrad Dietzel (Bürger 1622) und der Catharina Wegen, genannt "Lachnit". Christoph Dietzel erwarb 1653 die Bürgerrecht und war verheiratet mit Anna Maria Becker (* um 1653 in Rhena; begr. 09.03.1692, 39 Jahre). [3] In dem Vorwort zu dem Verzeichnis der Brandgeschädigten von 1664 heißt es:

"Datum Corbach, den 7. Mai 1664 ist der große Brand in der Stadt Corbach in der alten Stadt am Weinkeller ingegangen in Christoph Ditzels Behausung, darin Pfennigmeister Henrich Mohr [Anm.: Marktplatz 5c] etzliche Mutt hatte brauen wollen und sind nachfolgende Gebäude abgebrannt: Christoph Dietzels Haus und Hinterhaus, bewohnt von 5 Personen....".

Aus der Marke erhielt Dietzel zum Aufbau des neuen Hauses drei Fuder Buchenholz. Henrich Mohr war offenbar mit Dietzel verwandt, da seine Mutter ebenfalls eine geborene Dietzel war.

2. Im Jahr 1688 wurde das Eigentum auf Henricus Dietzel (* um 1654; begr. 11.02.1725, 71 Jahre), Sohn von Nr. 1, übertragen. Er heiratete am 25. Januar 1688 Agathe Gertrud Schäfer (* um 1657 in Nordenbeck; begr. 03.12.1727, 70 Jahre), Tochter des Johannes Schäfer in Nordenbeck. [4]

3. Christoph II. Dietzel (~ 31.10.1688; begr. 19.05.1743, 55 Jahre), Sohn von Nr. 2, erwarb das Haus im Jahr 1719. Am 1. Juni 1717 heiratete er Maria Catharina Stein (* um 1690 in Anraff; begr. 16.05.1761, 71 Jahre), Tochter des Johannes Stein in Anraff. [5]

4. Im Wege der Erbfolge wird im Jahr 1747 Christian Dietzel (~ 05.02.1721; 18.10.1797 im Hospital), Bürger seit 1747, Sohn von Nr. 3, neuer Eigentümer. Er heiratete am 2. November 1746 Anna Erich Loos (~ 30.11.1726; 16.11.1794), Tochter des Ratsgewandten Peter Loos und der Anna Catharina Nagel.

5. Im Jahr 1771 erwirbt der Schneidermeister und Wirt im "Weißen Roß" Johann Philipp Stremme (~ 05.01.1738; 01.03.1817), Bürger seit 1764, das Haus durch Tausch. Er war der Sohn des Andreas Stremme und der aus Strothe stammenden Anna Maria Heinemann. Am 29. Februar 1764 heiratete er Maria Catharina König (~ 22.01.1741; 05.09.1785), Tochter des Schäfers der Neustadt, Jakob König. Eine zweite Ehe ging er am 5. Juli 1786 mit Anna Margarethe Küthe (* um 1752 in Vöhl; 17.09.1832) ein. Sie war die Tochter des Franz Küthe in Vöhl. Stremme tauschte sein früheres Wohnhaus in der Schulstraße zwischen Nr. 2 und Nr. 3 mit Christian Dietzel (Nr. 4).

6a. Im Jahr 1815 wird das Eigentum an dem Haus zwischen den Erben von Nr. 4 aufgteilt. Durch am 9. April 1815 eingegangener Ehe mit der Tochter von Nr. 4., Catharina Gertrud Stremme (* 14.12.1789; 18.04.1823), wird der Leineweber Johannes Bremmer (* 29.03.1791 in Odershausen; 20.05.1818), Sohn des Georg Heinrich Bremmer in Odershausen, Miteigentümer des Gebäudes.

6b. Nach dem Tod von Nr. 5 wird 1818 dessen jüngster Sohn, der Wirt im "Weißen Roß" und Waldaufseher Henrich August Christian Stremme (* 08.01.1792; 29.06.1865 in Bömighausen), Bürger seit 1838, Eigentümer der anderen Haushälfte. Er heiratete am 22. April 1818 Maria Elisabeth Happe (* 02. oder 24.08.1790 in Schweinsbühl; 20.02.1837), Tochter des Jost Henrich Happe in Schweinsbühl. [5a] Eine zweite Ehe ging er am 19. Januar 1840 mit Anna Elisabeth Schäfer (* 28.03.1804 in Alleringhausen; 30.01.1847) ein. Tochter des Schäfers Johannes Schäfer in Alleringhausen. Christian Stremme erhielt 1819 die Häuser Hinter dem Kloster 2 und Hinter dem Kloster 13 von seinem Schwager im Tausch gegen das vorliegende Haus.

7. Durch Tausch erwarb der Schneidermeister Johann Conrad Thiele (* um 1768 in Niederense; 29.06.1847, 79 Jahre) im Jahr 1819 das Haus. Er war der Sohn des Conrad Thiele in Nordenbeck. [5b] Zuvor gehörten ihm die Gebäude "Hinter dem Kloster 2" und "Hinter dem Kloster 13", die er mit seinem Schwager aus seiner zweiten Ehe, Christian Stremme (oben, Nr. 6b) tauschte. Thiele heiratete am 14. Januar 1803 Catharina Henriette Schäfer (* 07.10.1782; 23.12.1818), Tochter des Jacob Schäfer und der Maria Elisabeth Geldmacher. Eine zweite Ehe ging er nur zwei Monate nach dem Tod seiner ersten Frau, am 28. Februar 1819, mit Catharina Gertrud Stremme (* 14.12.1789; 18.04.1823) ein, Tochter von Nr. 4. Auch für sie war es die zweite Ehe. Ihr erster Mann war der Leineweber Johannes Bremmer (oben, Nr. 6a). Thieles dritte Ehefrau wurde am 22. August 1828 Justine Caroline Wilhelmine Wäscher (* 06.07.1787; 25.08.1855), Tochter des Bäckermeisters Johannes Wäscher und der Wilhelmine Lückel. Ihr erster Mann war Johann Caspar Lörr, der 1812 in Rußland verschollen ist. Wie sein Schwager und Schwiegervater aus 2. Ehe betrieb Thiele als Wirt das Gasthaus "Zum Weißen Roß".

8. Im Jahr 1856 wurde das Eigentum an dem Haus erneut geteilt:

8a. Eine Hälfte erhielt der Bäckermeister und Gastwirt Henrich Gottfried Christian Ludwig Berges (* 02.01.1832; 27.04.1872), Sohn des Bäckermeisters Conrad Gottfried Berges und der Maria Wilhelmine Henriette Range. Am 2. Januar 1859 heiratete er Marie Friederike Wilhelmine Schönhardt (* 28.08.1828; 10.09.1898), Tochter des Schuhmachermeisters Heinrich Schönhardt und der Maria Christiane Dorothea Nelle.

8b. Die andere Hälfte ging an den Tagelöhner Wilhelm Christian Friedrich Schweitzer (* 26.12.1824; 21.12.1893), Sohn des Stadtdieners Johann Christian Schweitzer und der Catharina Margarethe König. Am 9. Juli 1854 heiratete er Wilhelmine Johannette Henriette Thiele (* 06.12.1828; 28.02.1862), Tochter von Nr. 7. Eine zweite Ehe ging er am 8. Mai 1863 mit Catharina Margarethe Marie Klein (* 06.02.1825 in Dorfitter; 04.05.1891) ein, Tochter des Bergmanns Georg Klein in Dorfitter.

9. 1898 erwarb das ganze Haus der Bäcker und Gastwirt Heinrich Schönhardt (* 27.04.1879; 29.04.1923), Sohn des Gastwirts Heinrich Schönhardt und der Marie Wacker (Stechbahn 34). Am 19. Juni 1914 heiratete er Maria Theobald (* 06.05.1882; ?), Tochter des Ludwig Theobald und der Anna Brodtmann (aus Neusalz a. d. Oder). Am 19. Juni 1914 ging sie eine zweite Ehe mit dem Inspektor beim VEW, Karl Hebekerl (* 17.02.1881 in Kläden/Kreis Stendal) ein.

10. Durch den Tod ihres ersten Mannes war ab 1923 Maria Hebekerl, geborene Theobald, verwitwete Schönhardt, Eigentümerin beider Häuser (Stechbahn 34 und 36).

11. Im Jahr 1935 kaufte der Gastwirt Christian Hesse (* 23.01.1869 in Stormburch; 26.05.1942) dieses und das Nachbarhaus Stechbahn 34. Er war der Sohn des Landwirts Christian Hesse in Stormbruch und der Luise Leonhard aus Rhenegge. Am 23. Dezember 1898 heiratete er Lina Brühne (* 17.11.1881 in Stormbruch; ?), Tochter des Landwirts Christian Brühne in Stormbruch und der Luise Biederbick aus Sudeck.

12. 1951 erwarb der Gastwirt Artur Klapp (* 27.11.1912; ?) beide Häuser. Er war der Sohn des Hermann Klapp und heiratete am 20. August 1949 Luise Hellwig (* in 07.12.1918 in Reichensachsen; ?), Tochter des Bauwarts Karl Hellwig und der Katharina Otto, beide aus Reichensachsen.

Von der Mitte des 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts befand sich in dem Haus die Gaststätte "Zum Weißen Roß". Bis 1936 trug sie sodann den Namen "Herberge zur Heimat". Zuletzt befand sich die von Artur Klapp und seiner Frau betriebene Gaststätte "Zur Altstadt" in dem Gebäude. Das Haus wurde ab dem 25. November 1974 abgebrochen. [6] Eines der letzten Lichtbilder vor dem Abriß findet sich in einem Bildband aus dem Jahr 1974. [7]

Erscheinungsbild

Im Jahr 1939 wurde das Haus wie folgt beschrieben: [8]

"Gasthaus Christian Hesse. Zweigeschossig, Fachwerk in gotischer Konstruktion. 9x8 Gefache. Ursprünglich mit großen Tennentor an Giebelfront. Torpfosten mit Ranken und Sechsstern geschmückt. Satteldach mit modernen Falzziegeln. 17. Jh."

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 54-57.
[2] Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS (wie Anm. 1). Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[3] Im Ortssippenbuch Rhena nicht verzeichnet; Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 22, Rhena, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1980.
[4] Im Ortssippenbuch Nordenbeck nicht verzeichnet; Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 19, Nordenbeck, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1979.
[5] Im Ortssippenbuch Anraff nicht verzeichnet; Ernst-Friedrich GALLENKAMP (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 69, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2002.
[5a] Karl SCHULTZE/Karl THOMAS (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 67, Schweinsbühl, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. Bad Arolsen (Hrsg.), Korbach 2002, S. 258, Nr. 239. SCHULTZE/THOMAS geben als Geburtsdatum von Maria Elisabeth Happe den 02.08.1790 an, THOMAS (wie Anm. 1) den 24.08.1790. Jost Henrich Happe steht im Ortssippenbuch allein mit seiner Tochter, ohne daß die Kindesmutter und seine Herkunft ersichtlich sind, obschon mehrere Familien Happe in Schweinsbühl ansässig waren.
[5b] Im Ortssippenbuch Nieder-Ense ist ein Bergmann namens Johann Conrad Thiele (* 19.08.1741 in Nordenbeck; begr. 10.01.1777) verzeichnet, verheiratet mit Margarethe Runthe. Eines der vier Kinder war Johann Konrad Thiele (* 11.07.1772). Auch wenn das Geburtsdatum von dem bei THOMAS (wie Anm. 1) angegebenen abweicht, dürfte Personenidentität mit Nr. 6 bestehen. Vgl. Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldecksche Ortssippenbücher, Band 16, Niederense, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), Korbach 1978, S. 201, Nr. 991.
[6] Wilhelm HELLWIG, Chronik der Stadt Korbach, Band 2 (1970-1979), Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1980.
[7] Vgl. Magistrat der Stadt Korbach (Hrsg.), Korbach - Eine Stadt in Bildern, Korbach 1974, 17. Bildseite.
[8] Wolfgang MEDDING (Bearb.) in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 144.