Am Steinhaus 1 (Korbach)

Am Steinhaus 1 im Juni 2017.
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Das Haus Nr. 1 der Gasse Am Steinhaus ist ein von 1674 bis 1680 durch Günther Samuel Hartmann errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach [1] Es steht an der Kreuzung Stechbahn/Enser Straße/Marktplatz.

Geschichte

1. Zur Zeit des Stadtbrandes von 1664 stand an dieser Stelle das Wohnhaus des Bürgermeisters Heinrich Range (~ 29.05.1614; † ?). Er war der Sohn des Bäckermeisters Johannes Range von Geismar (Bürger 1579). Heinrich Range erwarb 1635 die Bürgerrechte, war in den Jahren 1643 und 1650 Ratsmitglied, 1653/55/57 Pfennigmeister und 1662 sowie 1664 Bürgermeister. Seine Ehefrau war Anna Elisabeth Hagenbusch (* um 1624; begr. 14.10.1694; 78 Jahre), Tochter des Superintendenten Anton Hagenbusch in Korbach und der Juliane Bernhard. Im Verzeichnis der Brandgeschädigten von 1664 ist das Haus unter Nr. 3 der Häuser der Altstadt mit folgendem Vermerk aufgeführt: "Bgmstr. Henrich Rangen Haus, hat etwas Schaden gelitten - dieser Posten ist wahr, gefällt aber etzlichen nicht." Das Haus ist daher offenbar nicht vollständig abgebrannt, sondern nur beschädigt worden. Gleichwohl erhielt der Bürgermeister von der Waldinteressengemeinschaft der Marke eine Holzspende von einer Eiche. Das Ehepaar hatte mindestens zwei Kinder: eine Tochter (unten, Nr. 2) und einen Sohn, Franz Range (* um 1656; † 23.01.1729, 73 Jahre), der mit seiner Frau in der Nachbarschaft das Haus Stechbahn 30a erbaute.

2. 1674 erwarb der Pfarrer Günther Samuel Hartmann (* August 1615 in Nieder-Wildungen; begr. 29.03.1683, 68 Jahre) durch Eheschließung mit der Tochter von Nr. 1 das Haus. Er war der Sohn des Gastwirtes Adam Hartmann und der Barbara Kotzenberger in Wildungen. [2] Er besuchte das Korbacher Gymnasium und studierte ab 1632 in Marburg, 1635 in Rinteln. Am 25. April 1636 wurde er Konrektor in Wildungen, 1642 Rektor. Dieses Amt bekleidete er bis zum 1. Juni 1646. Vom 1646 bis 1661 war er Pfarrer in Wellen, wo ihm 1656 das Pfarrhaus abbrannte. 1658 wurde er Visitator des Amtes Wildungen; schließlich von 1661 bis 1683 Pfarrer an St. Nikolai, wo er 1672 das Kirchenbuch der Neustadt anlegte. Zudem war er Visitator des Amtes Eisenberg und Scholarch am Gymnasium. Er wurde auf dem Neustädter Kirchhof nebem dem Chore auf der Sommerseite (Südseite), dem Pfarrhaus (Nikolaistraße 1) gegenüber, begraben. Seine erste Ehefrau war Anna Margarethe Reinemann (* um 1615 in Nieder-Wildungen; begr. 10.05.1667), Tochter des Christoph Reinemann in Nieder-Wildungen und der Barbara Prasser. Eine zweite Ehe ging er 1667 mit Anna Maria Range (* um 1638; begr. 25.01.1682, 43 Jahre) ein, Tochter von Nr. 1. Im Jahr 1682 vermählte er sich schließlich mit Anna Erich Kaudel (* um 03.06.1639), Tochter der Pfarrers Johannes Kaudel in Sachsenhausen und der Kunigunde Rusel (siehe Dalwigker Straße 1, wo ihr Bruder Johann Conrad wohnte). Aus der ersten Ehe Hartmanns stammen zwei Söhne, daneben hatte er 14 Töchter.

Über den Bau des heute noch stehenden Hauses berichtet Hartmanns Sohn, Johann Christoph Hartmann, folgendes: [3]

"1674 hatt mein Vatter selig zu Corbach ein Hauß angefangen zu bauen und scheuer daran, auch mit der Zeit in folgenden jahren es außgebauet, daß Er in Anno 1680 es hatt könen bezihn und Selbst bewohnen biß an sein Seeliges ende. Welches hauß wir kinder auß der ersten Ehe nach des Vatter Seelig seinem letztem Willen denen kindern ander Ehe und insonderheit der ältesten Tochter Juliane, so an Herrn Schalck Seelig verheurahtet war, verkaufet und überlassen umb und für 300 Reichsthaler, da eß den Vatter Seelig wol 600 Reichsthaler hatte gekostet zu bauen, und hatt jegliches kind erster Ehe nur 10 Reichsthaler nach des Vatters Seelig willen herauß bekomen, die unverheurahteten aber 30 Reichsthaler zu ihrer austeuer. Da ich dann meine 10 Reichsthaler sampt den mobilien an die kinder ander Ehe habe verschenket. Gott bewahre es für feuer und anderer gefahr und lasse es im Seegen erhalten werden. Amen."

3. 1689 ging das Anwesen auf den Schwiegersohn von Nr. 2, Johann Christian Schalck (* 1658 in Heringhausen; begr. 22.08.1696, 38 Jahre), über. Er war der Sohn des Pfarrers Wilhelm Schalck in Heringhausen. Seit 1687 hatte er die Bürgerrechte inne und am 15. Mai 1688 Maria Juliane Hartmann (* um 1670; begr. 13.04.1735, 60 Jahre) geheiratet, Tochter von Nr. 2 aus der zweiten Ehe mit Anna Maria Range. Maria Juliane Hartmann ging am 28. November 1698 eine zweite Ehe mit dem Trompeter Stephan von Puppen ein. In dritter Ehe war sie vermählt mit Stephan Huge.

4. Im Jahr 1708 kaufte der Schreinermeister Johann Christoph Fiseler (* 1680 in Mühlhausen; begr. 08.03.1747. 67 Jahre) das Haus. Er erwarb 1708 die Bürgerrechte und heiratete am 20. November desselben Jahres Anna Catharina Hampe (~ 23.08.1686; begr. 26.02.1710, 23 Jahre), Tochter des Bäckermeisters Georg Hampe und der Anna Catharina Hampe. Seine zweite Ehefrau hieß Anna Margarethe, Geburtsname unbekannt (* um 1681; begr. 26.04.1740).

5. 1743 wurde das Eigentum auf den Schreinermeiser Johann Henrich Fiseler (~ 30.01.1719; begr. 03.06.1761, 42 Jahre) übertragen, Sohn von Nr. 4. Am 28. November 1740 heiratete er Anna Maria Küthe (* um 1709 in Hemmighausen; begr. 22.04.1776, 67 Jahre). Die Eheleute erwarben 1741 bzw. 1742 die Bürgerrechte.

6. 1760 wurde der Maurermeister Johann Henrich Wendel (~ 02.12.1736; † 27.12.1799) neuer Eigentümer des Gebäudes. Er war der Sohn des Steinmetz Johann Balthasar Wendel und der Anna Maria Zimmermann aus Strothe. Am 3. Dezember 1762 heiratete er Anna Eleonore Fiseler (~ 03.09.1747; † 29.12.1818), Tochter von Nr. 5. Wendel hatte seit 1761 die Bürgerechte inne und war Braumeister der Tränkestraße. 1788 war er Schützenkönig. 1799 kam er beim Brand des Hauses Professor-Bier-Straße 7 ums Leben. Im Kirchenbuch der Altstadt wird berichtet:

"1799 Dezember 30. Maurermeister Johann Henrich Wendel, welcher ei der Feuersbrunst am 27. d. Jahres, wo zwei Häuser in der Berndorfer Straße abbrannten, als ein helfender Menschenfreund sein Leben verlor und deshalb am 30. mit der ganzen Schule und einer Standarte begraben wurde. 63 Jahre alt." [4]

7. Nach dem Tod von Nr. 6 wurde das Haus im Jahr 1800 an den Maurer Johann Christian Daniel Rabanus (* 28.05.1767; † 22.11.1816) veräußert. Er war der Sohn des Franz Rabanus, früher Soldat im 1. Waldeckischen Regiment. Christian Rabanus arbeitete auch als Landbote nach Sachsenhausen. Am 18. Februar 1798 vermählte er sich mit Johanna Maria Köhler (* 31.01.1776; † 15.10.1814). Eine weite Ehe ging er am 8. Juli 1815 mit Anna Elisabeth Sude (* um 1767 in Adorf; † 29.03.1837, 70 Jahre) ein, Tochter des Ackermanns Nicolaus Sude in Adorf.

8. 1833 Johann Peter Möller.

9. 1865 Johann Henrich Ludwig Lerg.

10. 1869 Carl Tilgert und Carl Christian Rhode.

11. 1870 Heinrich Friedrich Wilhelm Niehm.

12. 1882 Carl Landau.

13. 1914 Karl Landau.

14. 1950 Elise, Karl und Meta Landau.

Äußeres Erscheinungsbild

Die Inschrift lautet: "WIR BAUWEN ALLE FESTE UND SEIND DOCH FROMDE GESTE UND DA WIRS EWICH SEIN DA BAUWEN WIR GAR WENICH EIN. GOTT MIT UNS ALLEN".

1939 wurde das Haus wie folgt beschrieben: [4]

"Wohnhaus. Zweigeschossig, Fachwerk. Obergeschoß und zwei Giebelgeschosse vorgekragt. Quergebälkprofil großer Viertelstab. 6x11 Gefache. Im Erdgeschoß modernes Schaufenster. Satteldach mit Zwerchhaus in S-Pfannen, z. T. Schiefer. Am Quergebälk und Pfosten flache Rankenschnitzerei. Inschrift in Kapitale: „WIR (BAUEN) ALLE FESTE UND SEIND DOCH FROMDE GESTE UND DA WIRS EWICH SEIN, DA BAUWEN WIR GAHR WENICH EIN. GOTT MIT UNS ALLEN." A. 18. Jh."

Zum Teil wird das Wort "fromde" als "fremde" zitiert. [5] Es ist unklar, ob das Wort im Sinne von "fremde" oder "fromme" zu lesen ist. Eine ähnliche Hausinschrift findet sich in Waldeck am Haus Marktplatz 11, dort ebenfalls mit der Schreibweise "fromde". [6]

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 132-136. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Alle nachfolgenden Angaben über die Familie Hartmann nach: Albert LEISS, Studierende Waldecker vom 13. bis zum 19. Jahrhundert (Schluß), in: Geschichtsblätter für Waldeck, 9. Band (1909), S. 71-198 [106-107]; dort auch ausführliche weitere Angaben über Vor- und Nachfahren.
[3] Zitiert nach: Alfred UCKELEY, Aufzeichnungen über das Geschick der Hartmannschen Familie im Jahrhundert des dreißigjährigen Krieges, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, 7. Band (1907), S. 14-56 [40-41].
[4] Hermann THOMAS/Karl WILKE (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 2, Professor-Bier-Straße - Hinter dem Kloster - Bunsenstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), 2. Auflage 1998, S. 29. Dort heißt es irrtümlich, Wendel habe in dem Haus Stechbahn 30A gewohnt. [4] Wolfgang MEDDING (Bearb.) in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 135.
[5] Hausinschriften in Korbach, in: Mein Waldeck, Beilage der "Waldeckischen Landeszeitung" für Heimatfreunde, Nr. 13/1997.
[6] Paul NEUHAUS, Wir bauen alle fest und sind doch fremde Gäste - Ein altes Haus am Waldecker Marktplatz erzählt, in: Mein Waldeck, Beilage der "Waldeckischen Landeszeitung" für Heimatfreunde, Nr. 5/2000. Die dortige Inschrift lautet: "WIR BAVEN ALLE VESTE UND SIN DOCH FROMDE GESDE - WENIG SIND DIE DANCKEN WOLLEN WO SIE EWIG WOHNEN SOLLEN - M. MÖLLER 1717".