Lengefelder Straße 10 (Korbach)

Das Haus Lengefelder Straße 10 im Mai 2018.
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Das Haus Nr. 10 in der Lengefelder Straße ist ein um 1738 von Jacob Rappe errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Erster bekannter Eigentümer des Grundstücks war der Bauherr, Schuhmachermeister Johann Jacob Rappe (~ 12.06.1714; begr. 01.03.1750). Wer hier zur Zeit des Stadtbrandes von 1664 gewohnt hat, ließ sich nicht ermitteln. Wahrscheinlich hat das Grundstück seit dem Brand bis zur Errichtung des heutigen Hauses im Jahr 1738 brach gelegen. Rappe war der Sohn des Schuhmachers Friedrich Christian Albrecht Rappe, dem das benachbarte Haus Brauberg 12 gehörte. Am 19. August 1739 heiratete er Catharina Sybille Fresenius (* um 1716; begr. 08.05.1750, 34 Jahre), Tochter des Kaufmanns Marc Anton Fresenius in Twiste. [2] Aus sder Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor:

a) Catharina Margarethe Rappe (Nr. 2)
b) Catharina Juliane Elisabeth Rappe (1745-1779) Balthasar August Büddecker (Am Tylenturm 1)

2. 1760 wurde der Bäckermeister Johann Arnold Götte (~ 22.03.1739; begr. 15.08.1779) neuer Eigentümer. Er war er Sohn des Rentmeisters Johannes Götte und der Christiane Elisabeth Asmuth. Er hatte seit 1759 die Bürgerrechte inne und vermählte sich am 25. Januar 1760 mit Catharina Margarethe Rappe (~ 08.11.1740; 14.03.1798), Tochter von Nr. 1. Sie war in zweiter Ehe verheiratet mit Nr. 3. Johann Arnold Götte war 1776 Ratsmitglied, 1760 und 1762 Dechant der Bäckergilde und Schützenkönig im Jahr 1773.

3. 1781 fiel das Haus durch Heirat an den Metzgermeister Henrich August Asmuth (~ 15.03.1752; 06.09.1801), Sohn des Johann Wilhelm Asmuth (Tränkestraße 13) und der Maria Sophia Blume, indem er am 2. Januar 1781 Catharina Margarethe Happe, Tochter von Nr. 1 und Witwe von Nr. 2, heiratete. Henrich August Asmuth war Bürger seit 1776, Stadtoffizier und Dechant der Metzgergilde in den Jahren 1777, 1781, 1782, 1788, 1789, 1792, 1793, 1798 und 1799. Im Jahr 1787 war er Schützenkönig.

4. 1802 erhielt der Waagen- und Metzgermeister Georg Ludwig Götte (~26.08.1774; 26.12.1808 [Auszehrung]) das Haus von seinem Stiefvater, Henrich August Asmuth (Nr. 3). Georg Ludwig war der leibliche Sohn von Nr. 2. Er erwarb 1798 die Bürgerrechte und war im Jahr 1800 Ratsmitglied. Er vermählte sich am 6. Februar 1799 mit Maria Wilhelmine Henriette Tent (~ 14.07.1773; 04.01.1814), [3] Tochter des Metzgermeisters Johann Henrich Tent (Enser Straße 7) und dessen zweiter Frau Maria Christiane Asmuth.Sie ging eine zweite Ehe mit Nr. 5 ein.

5. Durch Eheschließung wurde 1815 der Bäckermeister He(i)nrich August Hofmann (~ 11.11.1783; 19.07.1831) neuer Eigentümer, indem er am 20. Juni 1809 Maria Wilhelmine Henriette Tent (~ 14.07.1773; 04.01.1814) heiratete. Sie war in erster Ehe mit dem Metzgermeister Georg Ludwig Götte (Nr. 4) verheiratet, von dem sie das Haus geerbt hatte. Heinrich August Hofmann war Bürger seit 1809, Dechant der Bäckergilde 1813 und Sohn des Lichterfabrikanten Johann Gerhard Hofmann (Entengasse 12) und der Maria Catharina Blume. Am 19. März 1819 ging er eine zweite Ehe mit Maria Friederike Christiane Ziesenheim (* 30.08.1788; 11.06.1855) ein, älteste Tochter des Ratsrentmeisters Ludwig Ziesenheim (Lengefelder Straße 12) und der Maria Henriette Emmerich. Sie erwarb 1833 das gegenüberliegende Haus Lengefelder Straße 9.

6. 1833 wurde der Kaufmann Christian Friedrich Cranz (* 28.10.1797; 09.05.1869) als neuer Eigentümer eingetragen. Er war der Sohn des Weißgerbermeisters Henrich Christian Cranz und der Anna Catharina Müller. Am 22. November 1829 heiratete er Caroline Friederike Wilhelmine Elisabeth Götte (* 06.09.1801; 17.01.1878), Tochter von Nr. 4. Im gleichen Jahr erwarb Cranz die Bürgerrechte. Er arbeitete zuletzt als Briefträger.

7. Im Jahr 1869 erwarb der Schreinermeister Carl Christian Johann Voß (* 19.04.1830; 12.01.1894) das Haus. Er war der Sohn des Leinewebers Johann Georg Voß und der Friederike Louise Schwalenstöcker. Am 7. Juli 1861 hatte er die Tochter von Nr. 6, Wilhelmine Marie Christiane Cranz (* 01.04.1833; 29.04.1900, geheiratet. Die Familie Voß stammt aus Bergheim und ist 1809 in Korbach ansässig geworde. Carl Christian Johann Voß erhielt 1862 die Bürgerrechte..

8. 1900 erbte der Schreiner Fritz Voß (* 12.02.1864; 16.09.1927), Sohn von Nr. 7, das Haus. Er vermählte sich am 17. September 1903 mit Marie Inthorn (* 02.02.1868 in Helsen; 31.05.1935), Tochter des Metzgermeisters Ludwig Inthorn und der Friederike Glänzer, beide aus Helsen.

9. 1935 ging das Gebäude auf die Erbengemeinschaft Albert und Karl Voß, Söhne von Nr. 8, über:

a) Kaufmann Albert Voß (* 27.09.1904; 12.10.1946 bei Brest-Litowsk). Er hatte am 10. Dezember 1932 die Friseurin Charlotte Bergmann (* 08.07.1902 in Koblenz; 17.01.1971) geheiratet, Tochter des Gastwirts Karl Bergmann aus Immighausen und der Eugenie Braselmann aus Elberfeld-Barmen
b) Buchhalter Karl Voß (* 18.02.1908; 31.12.1945 [für tot erklärt]). Er war am 9. Oktober 1937 die Ehe mit der Kontoristin Irmgard Anna Maria Geßner (* 24.01.1913 in Kassel; ?) eingegangen, Tochter des Postinspektors Wilhelm Geßner (Kassel) und der Marie Hilgenberg (Böddiger/Kreis Melsungen).

10. 1949 Charlotte Voß, Witwe von Nr. 9a und ihre beiden Kinder.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 33-35. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Vgl. Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 27, Twiste, Schützengilde 1539 Twiste e.V. (Hrsg.), Korbach 1986, S. 87, Nr. 705. Offenbar stammte Fresenius nicht aus Twiste, sondern hatte sich dort nur zeitweilig niedergelassen. In den Twister Kirchenbüchern sind nur sein Nachname, das Datum seiner zweiten Eheschließung (13.08.1727) und sein Begräbnisdatum (24.09.1727) genannt. Seine zweite Ehe währte somit nur fünf Wochen. Unter den in Twiste genannten vier Kindern aus erster Ehe ist Catharina Sybille nicht aufgeführt, sondern als erstes Kind die am 12.07.1718 geborene Susanne Elisabeth. Der Name seiner ersten Ehefrau ist ebenfalls nicht überliefert. [3] Ihre Lebensdaten sind bei THOMAS (wie Anm. 1) beim Eintrag zum Haus Nr. 10 nicht angegeben, finden sich aber beim Haus Lengefelder Straße 9.