Dalwigker Straße 1 (Korbach)

Das Haus Dalwigker Straße 1 im März 2015.
Anklicken für größere Version.

Das Haus Nr. 1 in der Dalwigker Straße ist ein 1744 von dem Hofrat Hermann Scriba errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Erster bekannter Eigentümer des Vorgängerbaus war der Praeceptor Johann Conrad Kaudel (* 01.09.1651 in Sachsenhausen; nach 1697), Sohn des Pfarrers in Sachsenhausen Johannes Kaudel (* 11.09.1600 in Niederwildungen; 03.03.1683 in Sachsenhausen) und dessen zweiter Ehefrau Kunigunde Rusel (* um 1607; 20.09.1691 in Sachsenhausen). [2] Johannes Kaudel war der Sohn des Veit Kaudel in Niederwildungen. Er studierte in Gießen, wurde 1620 Lehrer in Wildungen, 1623 Pfarrer in Sachsenhausen, wo er das erste Kirchenbuch anlegte, und heiratete am 7. September des gleichen Jahres Anna Erich Scriba, die Tochter des Pfarrers Johannes Scriba und der Catharina Viëtor. [3] Ihrem Neffen, einem Enkel der Eheleute Scriba/Viëtor, Balthasar Scriba, gehörte das Nachbarhaus Dalwigker Straße 5. Ihr Bruder Ditmar Scriba war Eigentümer des Hauses Lengefelder Straße 3. Anna Erich starb am 10. Juli 1636 mit sechs ihrer Kinder an der Pest. Am 23. Oktober 1638 ging Johann Kaudel eine zweite Ehe mit Kunigunde Rusel ein, der Witwe des Korbacher Bürgermeisters Michael Heller. [4] Der Sohn Johann Konrad Kaudel war 1682 bis 1697 Lehrer der Septima am Korbacher Gymnasium. Seine Frau war Lucia Susanne Platte (* um 1664; begr. 05.12.1694, 30 Jahre), die nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Kindbett starb. Das Kind, Anna Elisabeth, starb wenige Tage später (~ 26.11.1694; 10.12.1694). Das erstgeborene Kind war Johann Anton Kaudel (~ 24.10.1684). [5] Johann Conrads Schwester Anna Erich (* 03.06.1639 in Sachsenhausen) wurde 1682 die dritte Ehefrau des Pfarrers Samuel Hartmann (Am Steinhaus 1).

2. 1698 erwarb Johannes Scriba (* 01.12.1673; 08.04.1738) das Haus. Er war der Sohn des Balthasar Scriba (Dalwigker Straße 5) und der Kunigunde Kanngießer. Am 19. April 1701 heiratete er in Schmillinghausen Anna Maria Kleinschmit (* um 1685 in Schmillinghausen; begr. 18.03.1718, 33 Jahre und 2 Wochen). Sie war das älteste von sechs Kindern des Pfarrers Johann Georg Kleinschmit (1654-1708) zu Schmillinghausen und der Margarethe Kran(t)z (1660-1729) aus Herbsen. [6] Johannes Scriba erwarb 1698 die Bürgerrechte, war Ratsmitglied im Jahr 1705, Ratsrentmeister 1707 und Oberbürgermeister in den Jahren 1721 und 1731 bis 1734.

3. 1739 Hermann Scriba.

4. 1769 Georg Christoph Ludwig Rube.

5. 1806 Dr. med. Wolrad Heinrich Friedrich Christoph Rube.

6. 1854 Dr. med. Friedrich Rube.

7. 1878 Dr. med. Wolrad Rube.

8. 1905 Dr.-med.-Wolrad-Rube-Familienstiftung.

Äußeres Erscheinungsbild

Im Jahr 1939 wurde das Haus wie folgt beschrieben: [7]

"Wohnhaus. Zweigeschossig, Fachwerk auf Werksteinsockel. Eckpfosten gequadert. 13x9 Gefache. Haustür mit zweiläufiger Freitreppe. Satteldach mit Krüppelwalm und Zwerchhaus in modernen Falzziegeln. Rechts vom Haus hölzernes Hoftor mit Satteldach. Um 1800."

Wie bei den meisten Häusern der Altstadt wurde die Außentreppe zur Verbreiterung von Fahrbahn und Bürgersteigen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Innen verlegt.

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 7, Dalwigker Straße - Am Butterturm - Grabenstraße - Entengasse - Tränkestraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1960, S. 18-20. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Hilmar G. STOECKER, Die Lehrer des Gymnasiums zu Korbach (1579-1900), in: Geschichtsblätter für Waldeck 65. Band (1976), S. 5-102 [38].
[3] Albert LEISS, Studierende Waldecker vom 13. bis zum 19. Jahrhundert (Schluß), in: Geschichtsblätter für Waldeck, 9. Band (1909), S. 71-198 [82].
[4] LEISS (wie Anm. 3).
[5] STOECKER (wie Anm. 2); vgl. auch Helmut NICOLAI/Wilhelm HELLWIG/Ingeborg MOLDENHAUER (Bearb.), Waldeckische Wappen, Beiträge zur Familiengeschichte, Teil 3, Waldeckischer Geschichtsverein (Hrsg.), Arolsen 1991, S. 242, Nr. 295 [Kaudel]. THOMAS (wie Anm. 1) gibt irrig an, Lucia Susanne Platte sei die Ehefrau des Johannes Platte gewesen, sie war jedoch seine Schwiegertochter. Auch der weiterführende Hinweis bei THOMAS auf die Geschichtsblätter für Waldeck, 39. Band, S. 67/68, ist unrichtig. Zutreffend ist Seite 90; dort ist die Tochter des Johannes Kaudel, Anna Catharina Kaudel genannt, die mit Justus Mitze vermählt war.
[6] Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Badn 38, Schmillinghausen, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Arolsen 1992, S. 204, Nr. 723.
[7] Wolfgang MEDDING (Bearb.) in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 136.