Im Sack 2 (Korbach)

Das Haus "Im Sack" Nr. 2 im Juni 2017.
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Das Haus Nr. 2 in der Straße Im Sack ist ein Ende des 17. Jahrhunderts errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

Der Vorgängerbau ist beim Stadtbrand von 1664 zerstört worden. Der heutig Bau ist im Rauchfanghühnerregister von 1691 bereits verzeichnet.

1. Der 1664 abgebrannte Vorgängerbau gehörte wahrscheinlich Michael Scheffer/Schäfer. Er war Kesselhändler und wird im Jahre 1676 als verstorben bezeichnet. [2]

2. Mit Vertrag vom 28. Juni 1676 kauft Catharina Becker, Ehefrau des Christoph Flamme, für sich und ihre Kinder aus erster Ehe die verschuldete Behausung des verstorbenen Bürgers und Kesselhändlers Michael Schäfer vor dem Lengefelder Tor sowie den Baumgarten im Sack für 98 Reichstaler, entrichtete den Kaufpreis jedoch nicht sofort. Sie verpflichtet sich, diese Summe bis 1679 zu bezahlen. Anspruchsberechtigt sind in erster Linie die Gläubiger des Hauses, sodann beide Kirchen zu Corbach und schließlich die durch ihre Vormünder Matthias Ruppel und Ditmar Küster vertretenen Kinder des genannten Schäfer, denen von der Gesammtsumme 20 Reichstaler und 26 Groschen zukommen sollen. [3]

3. Im Jahr 1696 ist der Bäckermeister Georg Vesper (* um 1664 in Goddelsheim; begr. 22.05.1746) als Eigentümer verzeichnet. Er war der Sohn des Liborius Vesper in Goddelsheim. [4] Georg Vesper war Bürger seit 1696, Ratsmitglied 1719 und 1723 und Dechant der Bäckergilde in den Jahren 1701, 1709, 1712, 1715, 1728, 1731 und 1732. Am 29. November 1693 heiratete er Anna Erich Vöpel (~ 06.12.1672; begr. 29.03.1755), Tochter des Bäckermeisters Wilhelm Vöpel in Korbach. Vesper kaufte 1720 auch das Haus Lengefelder Straße 3 und im Jahr 1698 ein Haus "vor dem Lengefelder Tore" von Zacharias Scriba. Die Lage des letztgenannten Hauses ist nicht mehr festzustellen.

4. Der Bäckermeister Johann Wilhelm Vöpel (* um 1640 in Sachsenhausen; begr. 31.01.1701, 56 Jahre) erwarb das Haus im Jahr 1699. Er war der Schwiegervater von Nr. 2 Von seiner ersten Frau ist nur der Name Gertrud bekannt. Eine zweite Ehe ging er am 29. November 1696 mit der Witwe des Bäckermeisters Johannes Contze ( 1693) ein: Catharina, genannt die Holländerin (* 1638; begr. 24.12.1702).

5. 1713 Christoph Hartwig.

6. 1737 Johann Uffel.

7. 1749/50 Georg Friedrich Hartwig.

8. Um 1754 Adolf Henrich Meyer.

9. 1758 Justus Christian Lorich.

10. 1794 Friedrich Wilhelm Strube.

11. 1808 Christian Wilhelm Butterweck.

12. 1834 Wilhelm Friedrich Carl Schmalz.

13. Im Jahr 1841 kaufte der Landwirt, Bäckermeister und Posthalter Christian Friedrich Ludwig (Louis) Frese (* 04.12.1810; 24.09.1883) das Haus. Er war der Sohn des Johann Henrich Philipp Frese (Professor-Bier-Straße 6) und der Luise Catharina Senge. Frese erwarb 1840 die Bürgerrechte und heiratete am 16. August desselben Jahres Johanette Caroline Ernestine Schlömer (* 01.01.1815; 07.06.1893), Tochter des Schreinermeisters und Ratsgewandten Dietrich Wilhelm Schlömer und dessen zweiter Ehefrau Maria Catharina Schmale. Das Paar hatte zehn Kinder.

14. 1884 erbte der Landwirt und Posthalter Christian Ludwig Friedrich (Fritz) Frese (* 02.10.1849; 07.12.1897) das Haus. Er war der Sohn von Nr. 13 und heiratete am 6. Dezember 1884 seine Cousine Caroline Luise August Schlömer (* 27.02.1861; 05.04.1947), Tochter des Landwirts Carl Schlömer (Professor-Bier-Straße 6) und der Maria Louise Wilhelmine Saake. Das Paar hatte sieben Kinder.

15. Nach dem Tod von Nr. 4 ging das Gebäude im Jahr 1897 auf dessen Kinder als Erbengemeinschaft über:

a) Karl Christian Wilhelm Frese (* 01.01.1888; ? nach 1959), Landwirt, 23.05.1923 in Groß-Ilsede mit Rosa Keunecke (* 13.11.1895 in Groß-Ilsede; 08.06.1956), Tochter des Landwirts Heinrich Keunecke und der Wilhelmine Warmbold
b) Bertha Frese (* 07.02.1885; ? nach 1959)
c) Fritz Frese (* 07.08.1886; ? nach 1959)
d) Louis Frese (* 18.04.1889; ? nach 1959)
e) Wilhelm Frese (* 20.03.1891; 03.02.1913)
f) Richard Frese (* 03.10.1893; ? nach 1959)
g) Martha Frese (* 25.04.1903; ? nach 1959).

16. 1923 Stadt Korbach.

Erscheinungsbild

Das Brandkassenregister von 1784 enthält unter Nr. 198 folgende Informationen über das Gebäude:

"Receptor August Lorich 1 Wohnhaus aus Holz, 56 x 38 Fuß groß, Wert 400 Taler;
die Scheune, 36 x 32 Fuß, Wert 250 Taler;
die Stallung, 17 x 10 Fuß, Wert 25 Taler."

Im Jahr 1939 Jahre wurde das Gebäude wie folgt beschrieben: [5]

"Prächtiges Wohnhaus; zweigeschossig; Fachwerk auf Werksteinsockel; Obergeschoß vorgekragt; Quergebälkprofil Karnies Platte; 15 x 10 Gefache; Eckpfosten gequadert; Satteldach mit Krüppelwalm und Zwerchhaus mit Falzziegeln; Traufenseite zur Straße; an Rückseite späterer Anbau; 18. Jh."

Um 1977 wurde die an der Lengefelder Straße gelegene Nordostecke des Hauses so umgestaltet, dass die Außenwände des Erdgeschosses vollständig entfernt wurden, um den Bürgersteig "durch" das Haus durchzuführen. [6]

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 57-59. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Bernd Kröpelin (Bearb.), Korbach Urkunden - Regesten, Band 2, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2002, S. 171, Nr. 886.
[3] KRÖPELIN (wie Anm. 2).
[4] Eckhard SCHMIDT (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 28, Goddelsheim, Waldeckischer Geschichtsverein (Hrsg.), Arolsen 1986, S. 467-468, Nr. 2916, nennt einen Georgen Vesper (~ 01.01.1665), Sohn des Burges Vesper (1620-1672) und der Maria N.N. (1617-1696). Ein Liborius Vesper ist im Ortssippenbuch Goddelsheim nicht verzeichnet.
[5] Wolfgang MEDDING (Bearb.) in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 137.
[6] Vgl. Waldeckische Landeszeitung, Ausgabe Nr. 64/1977.