Butterturm (Korbach)

Die ehemalige Stadtmauer zwischen Dalwigker Tor und Tränketor.
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Der Butterturm war ein Verteidigungsturm in der Stadtbefestigung von Korbach.

Geschichte

Der Butterturm war Bestandteil der Stadtmauer und befand sich an der heutigen Grabenstraße zwischen Dalwigker Tor und Tränketor. Zum Namen wird die Ansicht vertreten, das Wort Butterturm sei als Butenturm (= Außenturm) zu deuten, [1] nach dem plattdeutschen Ausdruck "buten" für "außen". Der Name rühre daher, daß es in diesem Bereich keinen doppelten Mauerring gegeben und der Turm daher an der Außenmauer gestanden habe. Diese Annahme ist jedoch zweifelhaft, da der Turm bereits 1454 namentlich als "botertorne" genannt wird (s.u., Anm. 5). "Boter" steht im Mittelniederdeutschen, das in Korbach im 15. Jahrhundert gesprochen wurde, für "Butter" und nicht für "außen". Zudem ist nicht ersichtlich, daß der plattdeutsche Ausdruck "buten" im Korbacher Raum gebräuchlich war. Wie viele fragwürdige Schlußfolgerungen und Behauptungen stammt die Deutung "Butterturm"="Außenturm" von Wolfgang MEDDING. Die Stadt hat sich auch diese Deutung auf einer Erläuterungstafel zu eigen gemacht. [1a]

Die Fundamente dieses Turmes sollen zwischen den Häusern Grabenstraße 13 und 15 gefunden worden sein. [2] Auf dem bekannten Kupferstich von Dilich aus dem Jahr 1605 ist zwischen Dalwigker Tor und Tränketor ein großer, viereckiger Turm mit Erkertürmchen am Dach zu sehen. Falls es sich hierbei um den Butterturm handeln soll, wäre er nach heutigem Verständnis allerdings an unrichtiger Position gezeichnet worden, denn der Turm steht auf dem Stich etwa in der Mitte zwischen Dalwigker Tor und Tränketor, jedoch etwas näher an letzterem, etwa dort, wo die südliche Entengasse - die Verbindungsstraße zwischen Tränkestraße und Grabenstraße - auf die Grabenstraße trifft, also im Bereich des Hauses Entengasse 10 / Grabenstraße 7. Die vermuteten Fundamente des Butterturms, die Anlaß gaben, den auf sie zuführenden Verbindungsweg Anfang des 20. Jahrhunderts Am Butterturm zu benennen, liegen jedoch nur etwa 100 Meter Luftlinie vom Dalwigker Tor entfernt, hingegen rund 200 Meter Luftlinie vom Tränketor. An der Stelle des vermuteten Butterturms ist bei Dilich lediglich ein kleiner, runder Schalenturm eingezeichnet. Demnach wären die Fundamente des Butterturm - falls noch vorhanden - eher im Garten zwischen den Häusern Grabenstraße 7 und Grabenstraße 9 zu suchen sein.

Zwischen dem Dalwigker Tor und dem Tränketor war die Stadtmauer nur einfach ausgeführt. Während des siebenjährigen Krieges ist die Mauer von französischen Truppen abgerissen und das Steinmaterial zum Bau einer Feldbäckerei verwandt worden. Nur zwei Turmstümpfe blieben übrig, welche 1859 abgebrochen wurden. Über diese Abbruchmaßnahmen wird folgendes berichtet: [3]

"Im Jahre 1857 war zwischem dem Dalwigker Tor und dem Tränketor außer dem Butterturm noch ein zweiter Turm vorhanden. Auch diese beiden Bollwerke sollten entfernt werden. (Etwa bis zur Höhe der Stadtmauer waren sie schon abgebrochen). Wagner Trummel [Anm.: Tränkestraße 10 und Grabenstraße 3] übernahm den Abbruch des Butterturms für 13 1/2 Taler. Bei Beginn der Arbeit sah er ein, daß es für ihn eine Unmöglichkeit war, die Arbeit zu dem vereinbarten Preise zu vollenden. Er übertrug nun die Arbeit an Wilhelm Langendorf in Dorfitter, der aber nach kurzer Zeit auch verzichtete. Die Arbeit blieb nun zunächst liegen. Im Februar 1859 erbot sich Maurermeister Wilhelm Richter, beide Bollwerke für 40 Taler abzubrechen. Anscheinend ist Richter nur der Abbruch des zweiten Bollwerks übertragen worden, und die Stadt hat von Trummel die Erfüllung des Vertrages verlangt, denn Trummel ließ nun den Abbruch des Butterturmes öffentlich verdingen. B. Böhle übernahm die Arbeit für 31 Taler, 10 Silbergroschen. Ein Gesuch von Wagner Trummel an den Gemeinderat um Ersatz seines Schadens wurde abschlägig beschieden, mit der Begründung, daß er gewarnt worden sei, nicht so zu unterbieten.

Mit dem Abbruch der beiden Türme im Jahre 1859 war die Stadtbefestigung zwischen Dalwigker- und Tränketor verschwunden. Die Stadtmauer war bekanntlich an dieser Stelle von den Franzosen im Siebenjährigen Kriege (1760) abgebrochen worden. Außerhalb der Mauer, auf dem Bleichplatz, hatten sie eine große Bäckerei erbaut und die Steine der Mauer dazu verwendet. Nach Abzug der Franzosen wurde die Bäckerei abgerissen, der Platz eingeebnet und mit Linden bepflanzt, und damit die jetzt noch vorhandene Allee angelegt."

Unter Berücksichtigung des Kupferstichs von Dilich läge die Annahme näher, daß es sich bei den beiden abgebrochenen Türmen um den runden und den viereckigen Turm handelte, die südlich des Tränketors lagen und nicht um den Schalenturm, der sich nördlich des Dalwigker Tors befand und heute der Straße "Am Butterturm" ihren Namen gibt. Demgegenüber zeigt der zwischen 1749 und 1757 von Johann Daniel von Römer gezeichnete "Plan der Statt Corbach" zwischen dem Dalwigker Tor und dem Tränketor ein viereckiges Fundament im Bereich der Einmündung der heutigen Straße "Am Butterturm" sowie zwei Schalentürme weiter nördlich, Richtung Tränketor. Ob hier oder dort ein Fehler vorliegt oder die Anordnung der Türme vor dem Dreißigjährigen Krieg anders war, ist nicht überliefert. Heute wird angenommen, der Butterturm habe sich in der Nähe des Dalwigker Tores zwischen den heutigen Häusern Grabenstraße 13 und 15 befunden. MEYER-BARKHAUSEN vermutet den Butterturm hingegen in dem bei Dilich dargestellten hohen viereckigen Turm südlich des Tränketores. [4]

Der Butterturm wird namentlich als solcher erwähnt in einem Vertrag vom 19. Mai 1454, demzufolge die Eheleute Johann und Rixa Furstenbergh der Stadt Corbach ihren Hof samt Zubehör überlassen, welcher bei dem Butterturm ("botertorne") in der Altstadt Corbach bei Ampthovers Haus liegt, wo eine Cisterne gemacht ist, wegen Schoss, Scharwerk und Stadtdiensten, die seit 40 Jahren daraus rückständig waren. [5]

Anmerkungen

[1] Wolfgang MEDDING, Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, 2. Auflage, Korbach 1980, S. 99; Hermann THOMAS (Bearb.), Heft 7, Dalwigker Straße - Am Butterturm - Grabenstraße - Entengasse - Tränkestraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1960, S. 49. Die Stadt Korbach hat diese Deutung auf einer Erläuterungstafel, die an einem Haus in der Grabenstraße angebracht ist, übernommen.
[1a] Vgl. auch die zweifelhaften Ausführungen MEDDINGs über den Mönchehof und den Roland.
[2] THOMAS (wie Anm. 1). Die Angabe ist aus den nachfolgend geschilderten Gründen zweifelhaft.
[3] Christian PAUL, Türme und Tore von Corbach - Nach den Akten des Stadtarchivs, in: Klosterglöckchen, Nachrichten für die Mitglieder des Vereins ehemaliger Corbacher Gymnasiasten, 5. Jahrgang (1932), Nr. 1, S. 3-5.
[4] Werner MEYER-BARKHAUSEN, Alte Städte zwischen Main und Weser: Corbach, Verlag H.W. Urspruch, Korbach 1923, S. 12.
[5] Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), Korbacher Urkunden - Regesten, Korbach 1997, Band 1, S. 79, Nr. 228.