Stechbahn 5 (Korbach)

Das Haus Stechbahn 5 im Mai 2017.
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Das Haus Nr. 5 auf der Stechbahn ist ein im Jahr 1886 errichteter Backsteinbau in der Altstadt von Korbach, der an die Stelle eines beim Stechbahnbrand von 1885 zerstörten Fachwerkhauses gesetzt worden ist. [1]

Geschichte

Das ursprünglich an dieser Stelle stehende Haus ist beim großen Stadtbrand von 1664 zerstört worden. Über dessen Aussehen, Baujahr und Eigentümer sind keine Nachrichten überliefert. Der Nachfolgebau war um 1737 von der Witwe des verstorbenen Stadtmusikus Matthäus Buhl, Anna Dorothea Neumann, errichtet worden. [2] In den dazwischen liegenden sechs Jahrzehnten lag das Grundstück brach und wurde vermutlich als Garten genutzt.

1. Als erster nachweisbarer Eigentümer des Grundstücks ist Matthäus Buhl (* um 1689 in Helmershausen [3] ; begr. 09.12.1734) verzeichnet. Er war Bürger seit 1716 und Stadtmusikus. Am 16. Juni 1716 heiratete er Anna Dorothea Margarethe Neumann (* 1685 in Neerdar; begr. 19.02.1757), Tochter des Pfarrers Justus Neumann in Neerdar und der Anna Maria Jäger. Sie war in einer am 1. Juni 1702 geschlossenen ersten Ehe verheiratet mit dem Perückenmacher Wolrad Wilstach (Stechbahn 20).

2. Im Jahr 1757 wird im Wege der Erbfolge Johann Bernhard Buhl (~ 07.03.1725; 25.12.1786), Sohn von Nr. 1, neuer Eigentümer des Hauses. Er war Bürger seit 1757, von 1760-1786 Stadtsekretär und Gerichtsschultheiß in Meineringhausen. Am 26. September 1763 heiratete er Eleonore Louise Schwellenberg (~ 25.04.1715; 08.06.1786), Tochter des Landrentmeisters Christian Schwellenberg und der Anna Gertrud Stuhlmann. Sie war in erster Ehe seit dem 9. Mai 1741 verheiratet mit August Merle.

3. Der Pfarrer Georg Wilhelm Kleinschmidt (* 15.09.1721 in Helmighausen; 10.03.1795) erwarb das Gebäude im Jahr 1769. Er war Pfarrer zu Adorf und Consistorialrat in Korbach, Schützenkönig 1759. Kleinschmit war der älteste Sohn des Generalsuperintendenten Jeremias Kleinschmit und der Margarethe Louise Pressum. Am 15. Mai 1747 heiratete er Lucretia Dorothea Elisabeth Severin (~ 21.09.1721; 02.03.1782), Tochter des Stadtsekretärs Dietrich Henrich Severin und der Sabine Eleonore Scriba (Stechbahn 24). Kleinschmit und Severin hatten mindestens zwei Kinder: Dorothea Wilhemine Lambrecht, geborene Kleinschmit (* 02.03.1749 in Adorf, 05.02.1822), die das Haus Stechbahn 30 erwarb, und Jeremias Friedrich Ludwig Kleinschmit (* 04.06.1751 in Adorf; 19.08.1792 in Landau; begr. 22.08.1792), der das Haus Kirchplatz 2 besaß.

4. 1771 geht das Eigentum an dem Haus auf Carl Ludwig Postelmann (* 07.06.1730 in Landau; begr. 24.11.1778) über. Er war Bürger seit 1763 und Advocat zu Korbach sowie Gerichtsschultze in Meineringhausen. Seine Eltern waren Bernhard Christian Postelmann, Amtmann zu Landau und Wetterburg, und Dorothea Elisabeth Bussius. Am 28. Juli 1761 heiratete er Eleonore Christine Contze (~ 12.03.1731; begr. 24.10.1783), Tochter des Apothekers Henrich Christoph Contze (Stechbahn - Kriegerdenkmal) und der Juliane Elisabeth Stockhausen. Sie hatte am 17. Januar 1749 in erster Ehe den Stadtsekretär Johann Friedrich Wilhelm Hartwig [begr. 21.09.1760) geheiratet. Postelmann war zuvor Eigentümer des gegenüberliegenden Hauses Stechbahn 18.

5. In den Jahren 1784 bis 1787 wurde das Haus von Johann Karl Rocholl bewohnt. Er war der Schwiegersohn von Nr. 4. Rocholl war Bürger seit 1784 und Pfarrer der Nikolaikirche. Ab 1787 bewohnte er sein Elternhaus Professor-Kümmell-Straße 10.

6. Nach THOMAS (wie Anm. 1) ist von 1787-1788 wieder Nr. 4 als Eigentümer eingetragen. Entweder trifft das angegebene Todesjahr von Postelmann (1778) nicht zu (Tippfehler?) oder seine Erben waren Eigentümer.

7. Im Jahr 1788 erwarb der Schreinermeister Henrich August Schlömer (* 31.03.1754; 12.05.1820) das Anwesen. Er war der älteste Sohn des Schreinermeisters Justus Schlömer und der Anna Erich Götte. Am 18. Februar 1783 heiratete er Catharina Thiele (* 22.02.1760; 22.02.1830), dritte Tochter des Pfennigmeisters Henrich Thiele und der Anna Maria Götte. Schlömer war Stadtrezeptor und städtischer Bauaufseher. Er bewohnte später das Haus Im Paß 2. Er verlor sein Vermögen und verstarb "in schlechten Umständen" an Krebs.

8. Der Amtsaktuar und Hofgerichtssekretär Carl August Rube (* 05.08.1768; 04.08.1835) wurde im Jahr 1805 neuer Eigentümer des Hauses. Er war der Sohn des Forstsekretärs Georg Christoph Ludwig Rube und der Christine Wilhelmine Marie Schumacher. Am 9. April 1806 heiratete er in Mengeringhausen Sophie Marianne Adelheid Suden (* 05.07.1782; 22.02.1837), Tochter des Justizrates Johann Christian Suden und Johanna Catharina Christiane Benn. [4] Rube kaufte 1811 das im Tempel gelegene Hinterhaus. Die Grundstücke - Haus auf der Stechbahn nebst Scheune, Hofraum und Garten - wurden in der Beilage zum Fürstlich-Waldeckischen Regierungsblatt vom 14. Juni 1837 von den Erben des verstorbenen Hofgerichtsekretär Rube zum Verkauf angeboten.

9. Der Kaufmann Friedrich Ludwig Schwabe (* 1796 in Arolsen; 17.05.1852, 56 Jahre) erwarb 1838 das Haus. Er war der Sohn des Seilers Friedrich Schwabe aus Arolsen. Am 6. September 1840 heiratete er in Arolsen Friedrike Caroline Louise Neumeier. Schwabe besaß seit 1834 die Korbacher Bürgerrechte.

10. Erst 1868 ist ein neuer Eigentümer verzeichnet: der Kaufmann Wilhelm Friedrich Carl Assmann (* 13.06.1837 in Dreihausen; 12.02.1878), Sohn des Revierförsters Conrad Assmann in Dreihausen/Kreis Marburg. Am 23. Februar 1868 heiratete er Auguste Friedrike Louise Vogell (* 11.06.1842; 25.11.1919), Tochter des Schumachers Ludwig Vogell und der Christiane Limperg.

11. 1874 kaufte Ernst Wilhelm Ludwig Eigenbrod (* 24.01.1818; 07.01.1895) das Grundstück, Sohn des Schumachers Christian Wolrad Eigenbrod und der Friederike Louise Hopff. Er war verheiratet mit Wilhelmine Schmidt (* 31.08.1819 in Elberfeld; 07.04.1897), Tochter des Schreinermeisters Wilhelm Schmidt in Elberfeld. Eigenbrod arbeitete als Färber in Aachen, kehrte jedoch als Rentner zurück nach Korbach.

12. Nach dem Stechbahnbrand von 1885 ging die Brandstätte auf den Schwiegersohn von Nr. 11, den Kaufmann Carl Heinrich Emil Theobald (* 08.02.1853; 18.01.1912) über. Er war der Sohn des Schriftführers Christian Friedrich Ludwig Theobald und der Henriette Louise Christiane Marie Wacker. Theobald heiratete am 13. September 1878 Bertha Eigenbrod (* 30.09.1853 in Aachen; 21.02.1933 in Marburg, begr. in Korbach), Tochter von Nr. 11. Theobald gehörte viele Jahre dem Gemeinderat an und war Beigeordneter, 1894-1897 Schützenkönig. Theobald errichtete 1886 das heute noch stehende Haus.

13. Von Nr. 12 erwarb im Jahr 1910 der Schreiner Christian Friedrich Heinrich Brühmann (* 29.05.1854; 29.01.1915) das Haus. Er war der Sohn des Schreinermeisters Johann Christian Friedrich Brühmann (* 25.12.1822; 18.02.1885) und der Friederike Christiane Wilhelmine Henriette Grebe (* 04.07.1829; 16.07.1909). [5] Brühmann stammte aus dem Haus Kilianstraße 3. Seine Großeltern väterlicherseits waren Johannes Brühmann (1775-1855) aus Immighausen und Johanna Catharina Franzisca Schumacher (1789-1854). Brühmann heiratete am 20. November 1882 Maria Christiane Luise Schreiber (14.09.1853; 08.10.1916), Tochter des Landwirts Anton Christian Carl Schreiber und der Henriette Wilhelmine Justine Wacker. Brühmann wohnte zuvor im Haus Violinenstraße 18.

14. Im Wege der Erbfolge ging das Eigentum 1919 auf den Schreinermeister Albert Brühmann (* 25.02.1888; ?) über. Er war der Sohn von Nr. 13 und heiratete am 7. März 1917 Karoline Becker (* 20.05.1892; ?), Tochter des Maurers Louis Becker und der Caroline Klauke. Brühmann erweiterte 1925 seine Werkstatt durch einen großen Anbau. Brühmann war über seine Urgroßmutter Johanna Catharina Franziska Brühmann ein Cousin 2. Grades des Kaufmanns Friedrich Löwenstein, der im gegenüberliegenden Haus Stechbahn 10 wohnte.

15. In dem Haus befand sich noch bis in die 1990er (?) Jahre das Möbellager der Firma Henze-Brühmann. Heute wird das Gebäude als Korbacher "Stadtwache" genutzt.

Äußeres Erscheinungsbild

Das alte Fachwerkhaus wird im Brandkassenregister von 1784 unter Nr. 150 wie folgt beschrieben: "Wohnhaus, 57 x 34 Fuß groß (17,9 x 10,7 m), Wert 400 Taler". Im Güterverzeichnis von 1757, S. 391, heißt es über das Gebäude: "Advocat Buhls Haus auf der Stechebahn zwischen Georg Loos (Nr. 3) und Hans Nuckel Christs Hause (Nr. 7).

Der heutige Ziegelsteinbau hat etwa die gleichen Ausmaße wie das abgebrannte Fachwerkhaus. Die an das Haus nordöstlich angrenzende, im "Tempel" gelegene Schreinerwerkstatt, ein Fachwerk-Ziegelsteinbau, ist 1912 erbaut worden. Früher stand hier ein altes Wohnhaus, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Scheune genutzt wurde. Seit 1811 gehörte dieses Gebäude den Eigentümers des Hauses Stechbahn 5. Dieses Haus wird unter der Bezeichnung Stechbahn Nr. 5a näher beschrieben.

Die Fassade war in ihrer ursprünglichen Form reich verziert. Heute stellt sich das Haus weitgehend schmucklos dar. Den heutigen grünen Anstrich hat das Gebäude mindestens seit den 1980er Jahren. Nach dem Einzug der "Stadtwache" wurde das Erdgeschoß an der Stechbahn umgestaltet. Wo sich heute rechts drei Fenster befinden, war zuvor ein großes Schaufenster der Möbelschreinerei Brühmann. Über diesem war bis Ende der 1990er, jedenfalls bis zum Hessentag 1997, der Schriftzug "BRÜHMANN" angebracht. Auch dieses Schaufenster entsprach jedoch nicht mehr der Originalfassade aus dem Jahr 1886. Ursprünglich fand sich dort ein durch zwei Streben geteiltes dreiteiliges Schaufenster durch dessen mittleres Element das Ladengeschäft über eine dreistufige Treppe betreten werden konnte. Der Eingang auf der linken Seite war ursprünglich im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit Stuck gestaltet.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 62-67.
[2] Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS (wie Anm. 1). Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[3] Nach THOMAS (wie Anm. 1), S. 62, 65, stammt er aus "Helmarshausen" in Sachsen-Eisenach. Der Ort heißt jedoch "Helmershausen." Ein "Helmarshausen" liegt im Landkreis Kassel bei Karlshafen.
[4] Vgl. Hermann STEINMETZ, Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, Band 48 (1956), S. 110.
[5] Hermann THOMAS, Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 8, Rathausgasse - Im Pass - Im Tempel - Kilianstrasse, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1961, S. 95, Nr. 3.