Professor-Kümmell-Straße 5 (Korbach)

Das Haus Professor-Kümmell-Straße 5 (Bildmitte)
im Februar 2016. Anklicken für größere Version.

Das Haus Nr. 5 in der Professor-Kümmell-Straße ist ein 1849/50 von dem Kaufmann Heinrich Steinrück errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

Ursprünglich standen auf der heutigen Hausstätte zwei, mit der Giebelseite zur Straße gerichtete Gebäude, die nachfolgend als Nr. 5a und 5b bezeichnet werden sollen. Hinter dem heutigen Haus, zum Faulen Paß hin gelegen, stand zudem ein weiteres Gebäude, das Haus der Scharfrichterfamilie Rosenberg (Nr. 5c).

Nr. 5a

Das Haus Nr. 5a grenzte an das Gebäude Professor-Kümmell-Straße 7.

1. Erster bekannter Eigentümer war der Magister und Conrektor des Gymnasiums, Johannes Schurzfleisch (* 1609 in Niederwildungen; 1669). Er erwarb 1650 die Bürgerrechte und wird um diese Zeit Eigentümer des Grundstücks geworden sein. Seine Frau war Anna Guda Benigna Fulder ( 02.04.1694, 72 Jahre). Söhne aus dieser Ehe waren Conrad Samuel Schurzfleisch (* 03.12.1641; 07.07.1708 in Wittenberg) und Heinrich Leonhard Schurzfleisch (~ 06.11.1664; 13.07.1722 in Weimar).

2. 1699 erwarb Augustus Röhr (~ 02.10.1670 in Landau; 17.09.1733) das Haus. Er war der Sohn des Rentmeisters zu Landau und Wetterburg Johann Henrich Röhr und der Maria Magdalena Wick aus Wilhelmshausen bei Hann. Münden. August Röhr war von 1696-1704 Verwalter des von Rauchbarschen Rittergutes in Lengelfeld und erwarb 1698 die Korbacher Bürgerrechte. Später erscheint er als Verwalter zu Adorf. 1724 war er Bürgermeister in Korbach. Am 8. September 1697 heiratete er Maria Elisabeth Diether (* um 1670 in Worms; 21.06.1740), Tochter des Johann Ludwig Diether, Schultheiß zu Worms, und der Anna Elisabeth Schippel.

3. 1727 Henricus Engelhard.

4. 1765 Josias Christoph Engelhard.

5. 1801 Julius Friedrich Engelhard.

6. 1836 Heinrich Steinrück.

Nr. 5b

Das an das Haus Professor-Kümmell-Straße 3 grenzende Gebäude. Seit 1726 gehörte es zum Haus Nr. 5a und wurde von der Familie Engelhard als Wirtschaftsgebäude benutzt.

1. Die Scheune war um 1690 von dem Sattlermeister Christoph Börner erbaut worden.

2. 1726 Johann Wolfgang Horn.

3. 1726 August Röhr.

4. 1727 Henricus Engelhard.

5. 1765 Josias Christoph Engelhard.

6. 1801 Julius Friedrich Engelhard.

7. 1836 Heinrich Steinrück.

Nr. 5c

Siehe: Im Paß - Hausstätte.

Das 1849/50 errichte neue Haus Nr. 5

1. Heinrich Steinrück

2. Im Jahr 1906 erwarb der Kaufmann Simon Weitzenkorn (* 22.07.1838 in Leitmar; 20.02.1908) das Gebäude. Er war der Sohn des Abraham Weitzenkorn und der Eva (Hevechen) Feldheim aus Leitmar. [2] Am 12. Dezember 1866 heiratete er Helene Markhoff (* 19.03.1842; 12.10.1894), Tochter des Kaufmanns und Schönfärbers Lazarus (Leeser) Markhoff (Marktplatz 5a) und der Rebecca Feldheim. Im Jahr 1900 erwarb er zunächst das Haus Stechbahn 19. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor:

a) Albert Weitzenkorn (* 26.08.1867; 07.06.1873)
b) Rosalie Weitzenkorn (* 06.05.1870; ?) Jacob Katzenstein aus Frankenberg/Eder
c) Dora Weitzenkorn (* 05.06.1873; ?)
d) Rika (Rickchen Weizenkorn (* 15.01.1875; 02.10.1928)
e) Siegmund Weitzenkorn (* 22.09.1879; 18.01.1842 im KZ Oranienburg oder KZ Sachsenhausen) 8. April 11921 in Warburg mit Toni Freudenstein (* 11.07.1888 in Rösebeck; 14.10.1942 im KZ Auschwitz)
f) Hedwig Weitzenkorn (* 31.03.1885; 20.11.1943 im KZ Theresienstadt)

Im Einwohnerregister von 1826 ist ein Abraham Weitzenkorn aus Leitmar erwähnt, der damals 17 Jahre alt und Lehrling bei der Fa. Wittgenstein (Professor-Kümmell-Straße 8a) war. Er war wahrscheinlich der Vater von Simon Weitzenkorn.

3. 1941 Bezirksverband des Regierungsbezirks Kassel.

4. 1950 Marianne Schindelheim (* 04.11.1928 in Freiburg/Breisgau; 01.09.1962 in New York). [3] Sie war eine geborene Wolf und wurde von den Eheleuten Weitzenkorn adoptiert. Sie überlebte das Konzentrationslager und kehrte 1945 nach Korbach zurück. 1946 wanderte sie nach New York aus. Das Haus veräußerte sie 1951 an Nr. 5. Sie war verheiratet mit Isadore Schindelheim.

5. 1951 Gebrüder Alfred und Siegfried Kaufmann.

6. 1956 Friedrich Konze.

Äußeres Erscheinungsbild

Das Gebäude hat Ähnlichkeit mit dem etwa zur gleichen Zeit entstandenen Haus Enser Straße 1. Daß es sich um ein großes Fachwerkhaus handelt, ist heute nur noch auf der zur Rathausgasse gewandten Rückseite zu erkennen. Durch die modernen Ladeneinbauten und den Verputz hat das Gebäude seinen ursprünglichen Charakter verloren.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 1, Professor-Kümmell-Straße und Klosterstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1956, S. 15-21. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Alle folgenden Angaben über die Familie Weitzenkorn nach: Karl WILKE (Bearb.), Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1993, S. 253-254.
[3] Vgl den Eintrag in der Datenbank geni.com: https://www.geni.com/people/Marianne-Schindelheim/6000000027040145190