Verlorengegangene Altstadthäuser in Korbach

Nachdem bereits im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zahlreiche Gebäude innerhalb der Altstadt von Korbach durch Brand zerstört oder abgerissen worden waren, ist diese Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere durch die seit dem Ende der 1960er Jahre in die Wege geleitete Altstadtsanierung, noch einmal verstärkt worden. Auf der nachfolgenden Luftaufnahme aus den 1960er Jahren (nach 1959 gefertigt) sind die Gebäude farblich hervorgehoben, die seit dieser Zeit durch Abriß verschwunden sind. Zum Teil wurden die Häuser ersatzlos entfernt, zum Teil durch Neubauten ersetzt. Nicht bei allen abgetragenen Gebäuden handelte es sich um Wohnhäuser. Insbesondere im Bereich westlich der Stechbahn, Im Sack, Heumarkt, Violinenstraße und Enser Straße wurden zahlreiche nicht erhaltenswerte Wirtschaftsgebäude und Scheunen entfernt. Ferner standen an nicht allen Stellen, die heute mit Neubauten besetzt sind, früher Fachwerkhäuser. Vielfach wurde vorhandene Baulücken genutzt, die seit dem Dreißigjähringen Krieg und dem großen Stadtbrand von 1664 bestanden hatten. Einige der markierten Gebäude stammten aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert und haben nur einige Jahrzehnte existiert.

Die Aufstellung ist noch nicht vollständig und wird ergänzt. Bild anklicken für größere Version. Die abgetragenen Gebäude in der Neustadt können auf dieser Aufnahme wegen der perspektivischen Verdichtung des Hintergrunds nicht vollständig dargestellt werden. Einige Häuser werden durch die beiden Kirchen verdeckt. Die Südstadt (Katthagen, Dalwigker Straße) und die Oberneustadt (Im Sack, obere Lengefelder Straße, etc.) fehlen auf dieser Aufnahme. Aus dem Baubestand der Häuser ergibt sich, daß die Aufnahme zwischen 1959 und 1966 gefertigt worden sein muß. So ist bspw. die Fußgängerpforte von der Violinenstraße in den Schießhagen auf der Hausstätte des ehemaligen Hauses Violinenstraße 16 bereits geschaffen (1959), ferner das neue Haus Marktplatz 10 errichtet (1959). Das Haus Stechbahn 20 steht noch (Abriß 1966).

Infolge der Entfernung zahlreicher Gebäude, deren Ersetzung durch Neubauten oder aufgrund moderner Umbaumaßnahmen ist der Altstadtcharakter vielerorts verloren gegangen bzw. erheblich beeinträchtigt worden, insbesondere in der Unterneustadt (Professor-Bier-Straße, Klosterstraße, Professor-Kümmell-Straße, Bunsenstraße, Unterstraße, nördliche Kirchstraße). Die Bebauung erscheint für eine "mittelalterliche" Altstadt (tatsächlich stammt mit Ausnahme der drei Steinhäuser kein einziges Wohngebäude aus dem Mittelalter) zum Teil ungewöhnlich aufgelockert. Der ursprüngliche Charakter des mittelalterlichen Stadtbildes läßt sich indes erahnen, vergegenwärtigt man sich, daß vor dem Dreißigjährigen Krieg innerhalb der Stadtmauern 200 Gebäude mehr gestanden haben als auf der oben abgebildeten Luftaufnahme und die Wege entlang der inneren Stadtmauern (z.B. Im Sack, Ascher, Violinenstraße) erst in der Neuzeit bebaut werden durften, nachdem die Mauern ihre Bedeutung als Verteidigungsanlagen verloren hatten.


Haus Baujahr entfernt heutige Nutzung Bild
Am Steinhaus 2
Wohnhaus
18. Jahrhundert 1970er? Garagen
Am Steinhaus 4
Wohnhaus
1760 1970er? modernes Wohnhaus
Enser Straße 3
Wohnhaus Scherer
1740 Januar-März 2016 Neubau geplant
Heumarkt 2
Wohnhaus Stöhr
1745 04.03.1976 Parkplatz
Heumarkt 4
Wohnhaus Wacker
1711, abgerissen Mitte des 19. Jh., Neubau 1860/70 04.03.1976 Parkplatz
Hinter dem Kloster
ehemals Gartenplatz neben Nr. 1
davor Wohnhaus Köster
1737 1926 Anbau Buchhandlung Schreiber
Hinter dem Kloster 1
Wohnhaus Richter
Ende 17. Jh. 1968/69 Wohn- und Geschäftshaus
Hinter dem Kloster 3
Wohnhaus Richter
1842 1957 Wohn- und Geschäftshaus
Hinter dem Kloster 4
Wohnhaus Kramer
18. Jh. 15.10.1975 Parkplatz
Hinter dem Kloster 5
Wohnhaus Nebe
1796 1975 1976-2015 Parkdeck, seit 2015 Parkplatz
Hinter dem Kloster 7
Wohnhaus Anders
1751 1975 1976-2015 Parkdeck, seit 2015 Parkplatz
Katthagen 9
Wohnhaus
Ende 17. Jh. Januar 2008 Neubau Dreifamilienhaus
Kilianstraße 4
Wohnhaus Waldschmidt
Ende 17. Jh. 1970 modernes Mehrfamilienhaus
Kilianstraße 6
Wohnhaus Löwenstein
? 1979 evangelisches Gemeindehaus
Kirchplatz 6
Wohnhaus Mirk, Schwarz
Anfang 18. Jh. Abriß 1995/97 Gewölbekeller erhalten und einbezogen in Museum
Kirchstraße 1A
Scheunen Wille u. Waldeck
um 1820 u. ? 03.09.1904 (Brand) Wohn- und Geschäftshaus (Baujahr 1904/05)
Kirchstraße 2
ehemaliges Pforthaus Berndorfer Tor / Wohnhaus Ockel, Tent
frühes 18. Jh. (1711?) 1969 Geschäftshaus, heute Prof.-Bier-Str. 2B
Kirchstraße 3
Wohnhaus Schmalz, Schulze / Lagerhaus Curtze
1784 2002 Garagen, Parkplätze
Kirchstraße 6
Wohnhaus Schmittmann
Ende 17./Anfang 18. Jh.; 1830 fast
vollständig neu errichtet
1977/78 modernes Geschäftshaus
Kirchstraße Hausstätte zwischen 6 und 8
Wohnhaus Benn
Ende 17. / Anfang 18. Jh. Ende 19. Jh. Schmiedehaus
Kirchstraße 8
Wohnhaus Tent/Graf
1680 21.08.1968 modernes Geschäftshaus (Flachdach)
Kirchstraße Hausstätte zwischen 12 und 14
Wohnhaus Hoppe, Zirges
Ende 17. / Anfang 18. Jh. 1807 Verbindungsbau
Kirchstraße 14
Wohnhaus Saure
1680, Neubau 1842 1959 modernes Geschäftshaus
Kirchstraße 16
Wohnhaus Vogt, Saure
1749 1908 (abgebrannt) Wohn- und Geschäftshaus (Baujahr 1909)
Kirchstraße 20 (Haupthaus)
Wohnhaus Sude, Saake
1687 02.06.1907 (abgebrannt) Jugendhaus
Kirchstraße 20 (Anbau am Ascher)
Wohnhaus Schwaner
Ende 17. Jh. 02.06.1907 (abgebrannt), Neubau 1908, Abriß 14.02.1974 Weg
Ecke Kirchstraße / Oberstraße
Scheune von Hanxleden
wahrsch. frühes 18. Jh. 1957 Parkplatz
Klosterstraße 13
Wohnhaus Müller
um 1855 09.04.1975 Straße (Ecke "Am Stadtpark" / Durchfahrt zur Strother Straße)
Lengefelder Straße 18 um 1780 1973 Parkplatz
Marktplatz 7a 1739 1960er/70er modernes Wohnhaus ca. 1960er/70er, Marktplatz 8a
Nikolaistraße 4
Zehntscheune des Unteren Herrenhofs
1655 1966 Geschäftshaus
Professor-Bier-Straße 2B
früher Kirchstraße 2 (siehe oben)
Professor-Bier-Straße 4
Wohnhaus Waldeck, Happe, Ochs
um 1700 1961 modernes Geschäftshaus
Professor-Bier-Straße 6
Wohnhaus Frese / Gaststätte Schlömer (Haupthaus)
Elektro-Sommer / Blumen-Thomas (Anbau/Scheune)
Ende 17. Jh. (Haupthaus)
nach 1860 (Anbau/Scheune)
1970 (abgebrannt) modernes Geschäftshaus (Henkel)
Professor-Bier Straße 12 (Nebenbau) Wohnhaus Schmalz, Tent
Ende 17. Jh. Ende 19. Jh./Anfang 20. Jh., Neubau 1911 Geschäftshaus
Professor-Kümmell-Straße 11
Wohnhaus/Geschäft Reinhardt
Ende 17. Jh. Januar/Februar 2016 planiert
Professor-Kümmell-Straße 13
Wohnhaus
1798 1970 Rathausanbau
Professor-Kümmell-Straße 15
Wohnhaus Mosheim
Ende 17. Jh. 1968 Rathausanbau
Rathausgasse 6
Wohnhaus
Um 1740 2016 Garten
Stechbahn 6 Hinterhaus
Wirtschaftsgebäude
vermutlich 19. Jh. ca. 1976 Küchenanbau Hotel Goldflair
(Stechbahn 8)
Stechbahn 8 Hinterhaus
Scheunen
19. Jh. / 1904 Neubau nach Brand ca. 1976 Hotelanbau Hotel Goldflair
Stechbahn 10 Hinterhaus
Scheune
vermutlich 19. Jh. 1885 (abgebrannt) Garten
Stechbahn 18 Anbau
Wohnhaus
Ende 17. Jahrhundert um 1870 abgerissen; bis 1970er Garten Geschäftshaus Neubau 1976, Anbau zu Nr. 18
Stechbahn 20
Wohnhaus Schönthal
ca. 1670 1966 Straße (Einmündung Heumarkt/Stechbahn)
Stechbahn 34
Wohnhaus
Anfang 18. Jh., 1836 abgerissen, um 1845 Neubau (Fachwerk) 25.11.1974 Straße (Einmündung Enser Straße/Stechbahn)
Stechbahn 36
Wohnhaus / Gaststätte Klapp
um 1670 25.11.1974 Straße (Einmündung Enser Straße/Stechbahn)
Stechbahn 3
Wohnhaus
1886 1970 Rathausanbau / Parkplatz
zwischen Nr. 13 und 15
jetzt Kriegerdenkmal, früher Wohnhaus / Apotheke
1578 abgerissen 1819, Neubau 1820, abgebrannt 1873 seit 1887 Kriegerdenkmal
Stechbahn 15
Wohnhaus Nieschalk
Anfang 18. Jh., 1873 ausgebrannt, wiedererrichtet Dezember 1994 Fassade neu errichtet und einbezogen in Museum
Stechbahn 17
Wohnhaus Ockel/Büchsenschütz
Ende 17. Jh. 19.10.1963 Museum
Stechbahn zw. 17 und 19
Wohnhaus Tent
? Abriß 1764 (baufällig) bis 1995 Garten, heute einbezogen in Museum
Stechbahn 19
Wohnhaus Mirk
Anfang 18. Jh. Teilabriß 1995-97 einbezogen in Museum